Pflege von Menschen mit islamischem Glauben muss Thema sein

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Der Arbeitskreis Interkulturelle Pflege stellt die Broschüre „Pflege und Religion“ vor.
(Foto: Lydia Schäfer)
Lydia Schäfer

Der Arbeitskreis interkulturelle Pflege hat mit seiner Broschüre „Pflege und Religion – Schwerpunkt Islam“ bundesweit eine Vorreiterrolle. Inhaltlicher Schwerpunkt der Schrift ist die Pflege von Menschen mit islamischer Glaubensrichtung.

Ab sofort kann die deutsch/türkische Broschüre auf der Internetseite des Diakonischen Instituts für soziale Berufe heruntergeladen werden. Gut zweieinhalb Jahre haben zwölf beteiligte Personen diese Inhalte erarbeitet. Darunter Pflegedienstleiter, Mitarbeiter der Stadt Friedrichshafen, Ausbilder der Häfler Altenpflegeschule und Mitglieder des türkischen Abeitnehmervereins, des Integrations- und Bildungsvereins sowie der türkisch islamischen Gemeinde DITIB. „Wir haben in dieser Zeit viel voneinander gelernt“, sagen sie. Ihre Arbeit hat Vorzeigecharakter, das hat auch das Sozialministerium dazu bewogen, die Erstausgabe finanziell zu unterstützen. Jetzt wartet das Regierungspräsidium Tübingen darauf, die Pflegeanleitung an den Altenpflegeschulen zu verteilen.

Die Notwendigkeit einer solchen Broschüre sei ganz einfach: Immer mehr Bürger aus dem islamischen Kulturkreis kommen in das Rentenalter. „Wir haben gemeinsam gearbeitet, wir haben gemeinsam gefeiert und wir wollen gemeinsam alt werden“, sagt Ümit Gökhan vom türkischen Arbeitnehmerverein.

Einzelne Handlungsschritte

Die Broschüre ist übersichtlich aufgebaut und leicht verständlich geschrieben. Dem Arbeitskreis war es wichtig, dass sowohl Pflegekräfte als zu betreuende Personen, die Inhalte leicht verstehen. Die Bedürfnisse eines Muslims in den Arbeitsalltag eines Seniorenheimes zu integrieren, seien in jedem Fall möglich und umsetzbar, haben die Mitglieder festgestellt. Verbale und nonverbale Kommunikation, Pflege und Kleidung, Essen und Trinken, Gebete und Rituale, Sterbebegleitung, rituelle Waschungen oder auch die Möglichkeit der Ersatzwaschung, wenn eine Behandlung mit Wasser nicht möglich ist, werden detailliert erläutert. „Viele Dinge waren für uns neu“, sagt Sonja Nagel, Pflegedienstleiterin des Königin-Paulinenstiftes.

Wünscht ein Christ im Sterbefall nur die engsten Angehörigen zu sehen, muss es einem Muslim erlaubt sein, viele Menschen seiner Glaubensgemeinde zu empfangen. „Abschied nehmen ist ein wichtiger Bestandteil in unserer Religion“, erläutert Emel Coban von der türkisch-islamischen Gemeinde.

Der Arbeitskreis denkt jetzt schon weiter und möchte die nächste Auflage um die Sprache Arabisch erweitern.

Broschüre zum Download unter

www.diakonisches-institut.de

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