Passionskonzert in der Häfler Schlosskirche blickt auf Christus als Erlöser

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Passionskonzert in der Häfler Schlosskirche blickt auf Christus als Erlöser (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Mit Heinrich von Herzogenbergs „Erntefeier“ hat die Kantorei an der Schlosskirche ein fast unbekanntes Oratorium in die Mitte ihres Passionskonzerts gestellt. Stimmig eingebettet war die gesungene Rarität in „Vorspiel“ und „Karfreitagszauber“ aus Richard Wagners Bühnenweihfestspiel „Parsifal“ in Orchesterfassung.

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein, wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“, schreibt der Evangelist Johannes. Das verwesende Korn bringt neues Leben – ein Bild, das dem Sterben einen Sinn gibt, auch der Passion Christi, die nur im Glauben an die Auferstehung erträglich ist. Herzogenberg hat in seinem letzten Oratorium den Erntedank in einem großen Bogen auf die „Ernte des Lebens“ übertragen. Vom Lebensalter der Jugend über den „Ernst des Lebens“ bis ins Alter führt das Werk, und eben diesen dritten Teil hat Kirchenmusikdirektor Sönke Wittnebel für das Passionskonzert gewählt.

Mit dem Trauermarsch „Alles vergängliche Ding muss ein Ende haben“ trägt die Kantorei eine leise, schicksalsergebene Trauer als transparentes Stimmgewebe in die Kirche. Die Trauer bestimmt noch das Bild, wenn Bassist Klaus Mertens eindringlich fragt: „Was hat der Mensch von aller seiner Mühe...?“ und der Chor tonlos kommentiert: „Es ist alles eitel, ganz eitel.“ Der schlichte Choral „Mein Leben ist ein Pilgrimstand“ eröffnet die Perspektive ewigen Lebens – es ist der von tiefer Gläubigkeit geprägte Gesang einer ruhigen Seele. Für den erkrankten Tenor übernehmen die Chor-Soprane unisono Christi Gleichnis vom Weizenkorn. Wie eine Offenbarung führt dann der Chor von der Verwesung zur Auferstehung, mächtig aufblühend verkündet er das „Wird aufersteh’n unverweslich“. Das Staunen wird greifbar, strahlender Klang führt empor, ätherisch besingt der Chor den himmlischen Menschen. Hier übernimmt die Sopranistin Claudia von Tilzer anstelle des Tenors in anrührenden Koloraturen Jesu Seligpreisungen, eine Verfremdung, die die Liebe eher noch unterstreicht. In ekstatischem Jubel preisen Chor und Solisten Gottes Güte, bis das Oratorium in den Choral „Gloria sei dir gesungen“ mündet, in den die Zuhörer in der randvollen Schlosskirche einstimmen dürfen.

Hat hier die Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben das Oratorium farbig mitgetragen, berührt sie ganz unmittelbar mit Wagners feierlichem Klangzauber aus dem „Parsifal“. Als Kantor Wittnebel den „Karfreitagszauber“ in Orchesterfassung auswählte, konnte er nicht ahnen, dass die Natur wirklich in voller Blüte stehen würde. Auch wenn am Nachmittag der Regen eingesetzt hat, mag man sich umso mehr dieser Musik hingeben: dem Klang der einzelnen und gemeinsamen Blechbläser und Holzbläser wie der pastoralen Idylle der Streicher, der friedvollen Harfe. Der Lobpreis der Schönheit der Schöpfung ist für Parsifal zugleich Bild des erlösten Menschen, und so vereint sich der Chor zuletzt mit den Musikern zum Preis des „höchsten Heiles Wunder, Erlösung, Erlösung“. Ein ergreifender Schluss für ein Konzert abseits der üblichen Pfade.

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