Paralympics-Gold-Siegerin nutzt Sitzschale aus Friedrichshafen

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Forster gewinnt Paralympics mit Sportgerät aus Friedrichshafen
Sportler haben mit ihrem Sportgerät ja oft eine ganz besondere Beziehung. Bei Sportlern mit Behinderung hat das aber noch eine ganz andere Dimension. Hätte die Sitzschale von Anna-Lena Forster nicht genau gepasst, hätte sie wohl nicht zwei Goldmedaillen bei den Paralympics holen können. Jetzt hat sie sich bei den Machern ihres Sportgeräts in Friedrichshafen bedankt.
Michael Tschek

Die 22-jährige Monoskibobfahrerin Anna-Lena Forster hat bei den Winter-Paralympics in PyeongChang in Südkorea Anfang März in den Disziplinen Super-Kombination und Slalom jeweils die Goldmedaille geholt. „Der Weltmeistertitel fehlt mir noch“, sagt die vor Energie und Selbstsicherheit sprühende Skifahrerin und strebt dieses Ziel als nächstes an. Am Mittwoch besuchte sie mit ihren goldenen Trophäen das Sanitätshaus Trapp in der Otto-Lilienthal-Straße, die für ihr Sportgerät eine perfekt angepasste Sitzschale angefertigt hatten.

Die Radolfzellerin Anna-Lena Forster holt aus den beiden Holzschatullen ihre schön goldig glänzenden Goldmedaillen heraus. Nach zwei Silber- und einer Bronzemedaille bei den Paralympics 2014 in Sotschi ist ihr dieses Mal in PyeongChang mit zwei Mal Gold in der Super-Kombination und im Slalom der Coup gelungen. „Ich bin in fünf Disziplinen gestartet und es hätten noch mehr werden können, aber die Konkurrenz war zu stark“, meint die ehrgeizige Sportlerin. Das spiegelt sich auch in den anderen Wettkämpfen wieder, denn seitdem sie von 2009 an auf der nationalen und internationalen Wettkampfbühne mitwirkt hat sie schon einmal den Gesamtweltcup und den Abfahrts-, Super-G- und Slalom-Weltcup gewonnen.

Mit elf Jahren bereits im Nachwuchsteam

Zudem überzeugt sie auch durch ihre Selbstständigkeit. Nach Friedrichshafen ist sie mit ihrem eigenen Fahrzeug gekommen. „Ich habe ein Handgas“, sagt die 22-jährige, die seit ihrer Geburt durch ein fehlendes rechtes und ein unterentwickeltes linkes Bein an den Rollstuhl gebunden ist. Bereits mit sechs Jahren hätte sie sich für das Monoskibobfahren interessiert und mit elf Jahren im Nachwuchsteam die ersten Rennen gefahren, erzählt sie.

Beim Skifahren sitzt Forster auf einer exakt angepassten Sitzschale mit einem Gestell darunter, auf dem ein ganz normaler Ski montiert ist. Ergänzend helfen ihr zwei Krückski. „Die werden auch benötigt, um auch die steilsten Hänge herunterzufahren“, meint sie. Bei den Abfahrtsrennen würden dabei gut und gerne bis 110 Kilometer pro Stunde erreicht.

Diese Sitzschale auf Maßanfertigung herzustellen ist seit Jahren schon Aufgabe von Daniel Trapp mit seinem Team. Allen voran Orthopädie-Technik-Meister Michael Beck. „Ich habe zusammen mit Michael aber auch alleine immer wieder bei Testfahrten die Anfertigung getestet“, sagt sie.

Das Interesse an Paralympics nehme zu

Nach PyeongChang sei sie mit einer ganz neuen Anfertigung gefahren. Das Interesse an den Paralympics in Südkorea empfand sie gegenüber Sotschi 2014 als „zunehmend ansteigend“. „An vielen Tagen ist die Zuschauer-Tribüne komplett voll gewesen“, stellt die Sportlerin fest. Aufgrund der Übertragung der Spiele in den öffentlich-rechtlichen Programmen (ARD und ZDF) hätte sie gerade bei ihren Siegen aber auch bei ihrem Sturz in der Abfahrt besonders viele Rückmeldungen aus der Heimat erhalten. „Es war für mich eine Ehre, soviel Anerkennung und Mitgefühl bekommen zu haben“, meint sie dankbar. Der Kontakt mit den anderen Nationen sei im Paraolympischen Dorf etwas „ganz Besonderes“ gewesen, meint sie.

Mit den Wettkämpfern aus Österreich und der Schweiz hätten sie im Alpenhaus zusammen ein Quartier gehabt. Was ihr aufgefallen ist, dass entgegen der Nichtbehinderten-Olympiade, bei dem die Teams aus Nord- und Südkorea gemeinsam aufgetreten waren, dies bei den Paralympics nicht der Fall gewesen sei.

Der Frage, ob sie sich vorstellen und was auch schon diskutiert wurde, eine gemeinsame Olympiade mit Behinderten und Nichtbehinderten durchzuführen steht sie eher skeptisch gegenüber. „Ich denke mal es ist zum einen technisch problematisch und zum anderen könnte der Behindertensport etwas in den Hintergrund treten“, meint sie dazu.

Keine Pause nach den Spielen

Für sie gibt es nach den Spielen keine Pause, denn jetzt wird am Olympiastützpunkt Freiburg sechs Mal die Woche täglich zwei bis drei Stunden trainiert. „Wird machen da vor allem Krafttraining ehe es ab September wieder an den Gletscher geht“, erklärt sie.

Ja und da ist ja noch ihr Psychologiestudium an der Uni in Freiburg. „Da muss ich schon einige Hausaufgaben machen und die eine oder andere Klausurarbeit nachschreiben.

Paralympics 2022 fest im Blick

Sportlich hat Anna-Lena Forster schon die nächsten Ziele vor Augen. Das sind erst einmal die Weltmeisterschaften 2019 in der Schweiz und dann natürlich die Paralympics 2022 in Peking.

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