Otto P. W. Hüni hat viel bewegt und angestoßen

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Otto P. W. Hüni.
Otto P. W. Hüni. (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung

Otto Paul Wilhelm Hüni gehörte in Friedrichshafen zu jenen Unternehmern, die sich für das Gemeinwesen auf vielfältige Weise einsetzten – mutig, mit Weitblick und hohem Engagement. Die von seinem Großvater 1859 gegründete Gerberei war das erste Industrieunternehmen in Friedrichshafen. Hüni + Co ist heute Spezialist für Oberflächenbeschichtungen.

Aus zwei Anlässen sei hier an Otto P. W. Hüni erinnert: Vor 100 Jahren, am 10. März 1915, wurde er in Friedrichshafen geboren. Vor 70 Jahren gehörte er zu einer Abordnung von Männern um den damaligen Bürgermeister Walter Bärlin, die am 29. April 1945 den einrückenden Franzosen auf der Zeppelinstraße entgegengingen und die Stadt übergaben. Damit verhinderten sie weitere Zerstörungen und Opfer.

Die Erfahrung dürfte sich tief in das Gedächtnis des damals 30-Jährigen eingebrannt haben. Der Familientradition entsprechend, hatte Hüni eine Gerbereischule bei Freiberg/Sachen besucht. Anschließend ging Hüni nach Lima/Peru, wo er in einem Betrieb eines Schulfreundes arbeitete. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges kam er in seine Heimatstadt zurück und musste einrücken. In Russland wurde er verwundet. Weil sein Bruder gefallen war und er sich zusammen mit seinem Vater um den Betrieb kümmern musste, wurde er „unabkömmlich gestellt“. Die Fabrikgebäude wurden bei den Bombenangriffen 1944 schwer beschädigt und waren wie die meisten Unternehmen und weite Teile der Altstadt am Ende des Krieges nur noch Ruinen.

Nicht nach dem Motto „rette sich, wer kann“, das sich der Kreisleiter der NSDAP, Hans Seibold, zu Herzen nahm und flüchtete – er kam aber nur bis Kressbronn –, sondern nach dem Motto „retten, was noch zu retten ist“ schloss sich Otto P. W. Hüni jener Gruppe von Männern an, die auf eine friedliche Übergabe der Stadt setzte. Als Mann, der zum Volkssturm gehörte, bedurfe es dazu wohl einiger Überwindung. Am 29. April 1945, zehn Tage vor der Kapitulation Deutschlands, war der Krieg in Friedrichshafen vorbei. Jetzt hatten die Franzosen das Sagen.

Mitbegründer der IBO

Für die Wiederaufnahme der Lederproduktion musste Hüni bei der französischen Standortkommandantur antreten: „Es ist mir unvergesslich, wie wir das erste Mal, es war vielleicht Mai oder Juni 1945, hingekommen sind, da lag eine Hakenkreuzfahne auf dem Boden, auf der mussten wir die Füße abputzen, bevor wir in den Raum rein durften, wo die hohen Offiziere waren. Und da haben wir unsere Anweisungen bekommen. Ich habe gesagt, dass ich Häute für unsere Lederfabrik brauche. Da bekam ich eine Bescheinigung, dass ich ein Fahrrad benützen darf, um Häute und Rinde zu beschaffen“, erzählte Hüni einmal in einem Interview.

Kunststoff statt Leder

Nur fünf Jahre später gehörte der Fabrikant zu den Mitbegründern der Internationalen Bodenseemesse (IBO) und wurde deren erster ehrenamtlicher Geschäftsführer. Sein Unternehmen, das seit vier Generationen auf Lederproduktiion spezialisiert war, musste er von Grund auf wieder aufbauen. Ende der 1950er-Jahre ließen zwei Umstände Otto P. W. Hüni den Entschluss fassen, die Firma auf eine neue Grundlage zu stellen. Das war einmal die aus Kostengründen immer uninteressanter gewordene Lederproduktion fernab von den großen Rinderherden und zum anderen der beginnende Siegeszug des Kunststoffs. Die Initialzündung für die komplette Strukturveränderung des Unternehmens ging vom Kontakt mit einem benachbarten Friedrichshafener Behälterbauer aus. Auf der Suche nach einem Verfahren zur Innenbeschichtung der Behälter erkannte Hüni die Chance, sich einer ganz neuen und zukunftsträchtigen unternehmerischen Herausforderung zu stellen. Er begann, zunächst parallel zur Lederfertigung, mit dem Aufbau einer Produktion von Kunststoffbeschichtungen für Behälter, ehe dann 1965 – nach exakt 106 Jahren – das Kapitel Leder für Hüni endgültig abgeschlossen war.

Hüni war Aufsichtsrat der Volksbank, gehörte zu den Gründern des Marketing-Clubs Bodensee und war Präsident des Rudervereins. Auf seine Initiative wurde am 8. März 1982, dem 65. Todestag des Grafen Ferdinand von Zeppelin, der Freundeskreis zur Förderung des Zeppelin Museums gegründet, dessen erster Vorsitzender er wurde. Die Eröffnung des Museums erlebte er nicht mehr. 1986 starb Otto P. W. Hüni überraschend. Sein Sohn Peter führt das Unternehmen weiter – nun in fünfter Generation, und die sechste steht schon in den Startlöchern.

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