Ortsdurchfahrten Kluftern/Schnetzenhausen: Bericht der Stadt stößt auf Kritik

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 Es wird nicht weniger Verkehr in der Ortsdurchfahrt Kluftern.
Es wird nicht weniger Verkehr in der Ortsdurchfahrt Kluftern. (Foto: Ralf Schäfer)

Im Bauausschuss des Gemeinderates ging es am Dienstag um die Kompensationsmaßnahmen in den Ortsdurchfahrten Klufterns und Schnetzenhausens, die alternativ zu den Ortsumfahrungen geplant sind. Die Ausschussmitglieder waren mit dem Bericht der Stadt nicht zufrieden.

Zunächst stellte Erster Bürgermeister Stefan Köhler klar, dass das Baudezernat nicht für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) zuständig sei und diese Maßnahmen daher nicht in dem Bericht aufgeführt seien. Die Kompensationsmaßnahmen zur „Verkehrsdämpfung“ waren nötig geworden, weil man sich im Mediationsverfahren zu einer Ortsumfahrung Klufterns darauf geeinigt hatte, gar keine Umfahrung zu bauen, und auch der Runde Tisch zur Ortsumfahrung Schnetzenhausens die Empfehlung gab, keine Straße zu bauen. Stattdessen sollten der ÖPNV ausgebaut, verkehrsberuhigende Maßnahmen in den Orten umgesetzt und der Bau der B 31-neu zwischen Immenstaad und Meersburg forciert werden. Klufterns Ortsvorsteher Michael Nachbaur sprach letzteres an: „Der B 31-Dialog wird bis Ende des Jahres eine Trasse vorschlagen. Dann sollte die Region mit einer Stimme sprechen, was allerdings derzeit noch in weiter Ferne zu sein scheint.“

Beschwerden im Internet

Bleiben also die Baumaßnahmen in den Orten, und auf die ging Stefan Köhler ein. Die Liste dieser Maßnahmen enthält Radwege, Kreisverkehre und die Sanierung der Ortsdurchfahrt Klufterns. Letztere war allerdings bereits zur Ansiedlung des Materialwirtschaftszentrums der MTU zugesagt worden. Auch die Kreisverkehre und ein Teil der Radwege sind bereits in entsprechenden Programmen vorgesehen. Nicht verwunderlich also, dass vonseiten der Ausschussmitglieder keine lobenden Worte kamen.

„Aus Kluftern gibt es Beschwerden“, meinte Heinz Tautkus (SPD). Er sprach konkret Vorwürfe aus dem „Sag’s doch“-Netzwerk im Internet an und stockende Gespräche zwischen Stadt Friedrichshafen, Stadt Markdorf und dem Landkreis zum Ausbau der Busverbindungen. Der für den Stadtverkehr Friedrichshafen zuständige Norbert Schültke (Technische Werke Friedrichshafen) wisse gar nichts von entsprechenden Aufträgen. Stefan Köhler wehrte sich: „Als Bürgermeister kann ich nicht jeden Tag im Internetportal „Sag’s doch“ nachschauen.“ Außerdem habe man einige Stellen in seinem Dezernat nicht besetzt, sodass eine Reihe von Maßnahmen noch nicht umgesetzt werden konnten.

Thema Jahrzehnte verschlafen

Auch Norbert Fröhlich (CDU) sprach von „gefrusteten Bürgern“. Allen sei klar, dass der Durchgangsverkehr steigen werde. „Die Maßnahmen sind ja gut, aber den Verkehr werden sie nicht reduzieren“, wischte der CDU-Mann die Illusion vom Tisch, die Kompensationsmaßnahmen könnten Ersatz für eine Ortsumfahrung sein. Fröhlich fragte nach fehlenden Leitplanken an Querungshilfen, die nichts bringen würden, und nach mehr Tempo-30-Zonen sowie vermehrten Geschwindigkeitskontrollen. Auch die Bahn spielte bei seinen Ausführungen eine Rolle. Seit Monaten habe die Bahn Probleme, ihre Züge ausreichend fahren zu lassen. Die Bahn sei nicht in der Lage, diese Probleme zu lösen. Da könne doch der ÖPNV nicht vernünftig ausgebaut werden. „Das Thema ist Jahrzehnte verschlafen worden.“ Fröhlich weiter: „Die Infrastruktur der Bahn ist im Zustand von 1920.“

Er stellte den Antrag, das Thema im Gemeinderat beraten zu lassen – allerdings erst in einigen Monaten, wenn konkrete Maßnahmen vorgewiesen werden könnten.

Ein Thema, das die Ausschussmitglieder ansprachen, bezog sich auf die Leistungen der Industrie durch eine bessere Organisation der Pendlerverkehre. Andere Unternehmen hätten eigene Buslinien oder Bahnstrecken für ihre Mitarbeiter. So habe auch die ZF Friedrichshafen AG vor vielen Jahren mal einen ZF-Bus für Arbeitnehmer aus umliegenden Kommunen fahren lassen. Das würde viel Verkehr reduzieren.

Stefan Köhler nahm die Kritk mit und meinte: „Viele leiden unter dem Verkehr, viele sind aber auch in diesem Verkehr unterwegs.“ Am Donnerstag spricht der Ortschaftsrat Kluftern darüber.

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