Ortschaftsrat Ailingen: „Wir fühlen uns verarscht“

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Schon im Mai 2013 stand fest, dass es in Berg mehr Wohngebiete geben wird. Dass damit auch mehr Kinder kommen, hätte man wissen
Schon im Mai 2013 stand fest, dass es in Berg mehr Wohngebiete geben wird. Dass damit auch mehr Kinder kommen, hätte man wissen müssen, sagen Kritiker der Stadtverwaltung. (Foto: Grafik: fsp Stadtplanung)

Der Missmut über die Stadt wegen der Berger Stadtplanung und der Pläne des Bildungshauses Berg werden lauter. Der Ortschaftsrat Ailingen, der für Berg zuständig ist und der seinerzeit „immer wieder darauf hingewiesen hat, dass das Bildungshaus zu klein geplant wird“, ist sauer. „Wir fühlen uns von A bis Z verarscht“, sagt Heinz Tautkus (SPD).

Die Stadt hatte festgestellt, dass in Berg sehr viele Kinder zur Schule gehen wollen, der Raum aber dafür nicht ausreicht. Das habe man bei der Planung des Bildungshauses, das gerade im Rohbau steckt, noch nicht wissen können, heißt es in der Sitzungsvorlage zum Kultur- und Sozialausschuss der Stadt. Wie es aussieht, lagen die entsprechenden Zahlen aber schon im Jahr 2013 vor.

Bis 2010 wurden in Berg nur die Kinder des ersten und zweiten Schuljahrs beschult, die anderen mussten nach Ailingen. Dann aber waren es nur noch so wenige Kinder, die dort zur Schule gehen wollten, dass alle vier Grundschuljahrgänge in Bergs Schule einen Stuhl fanden.

Anfang dieses Jahres plante die Stadtverwaltung dann allerdings, aufgrund der gestiegenen Kinderzahlen, nicht vorhandener Lehrerstellen und großer Platzprobleme die dritten und vierten Klassen wieder nach Ailingen fahren zu lassen.

Das brachte die Eltern auf die Palme, die sich das nicht gefallen lassen wollten. Das Bildungshaus Berg sei doch schließlich genau aus dem Grund geplant worden, damit alle Jahrgänge auch in Berg bleiben könnten. Die Antwort der Stadt, über die wir am Wochenende berichteten, lautet: „ Für die Klassenstufen 3 und 4 reicht die Kapazität im Bildungshaus Berg nicht aus. Diese Entwicklung war bei der Planung und Umsetzung des neuen Bildungshauses Berg noch nicht absehbar. Diese wurde im Jahr 2013 erstellt.“

Im Mai 2013 jedoch gab es bereits die Pläne für die Gesamtentwicklung Berg der fsp Stadtplanung, aus der, wie auf gezeigten Grafik sichtbar, die Wohnbauentwicklung ablesbar ist. Die Unterlagen für den Architektenwettbewerb zum Bildungshaus Berg stammen hingegen vom 19. August 2014 und sind vom Ersten Bürgermeister Stefan Köhler unterzeichnet. Die Berechnung des Raumprogramms für das Bildungshaus Berg allerdings fand im Sozialdezernat statt, für das heute Bürgermeister Andreas Köster zuständig ist. Der übernahm dieses Amt aber erst 2015 von Peter Hauswald, da war das Kind bereits in den Brunnen gefallen.

Das Verfahren betreut hat das Büro Hirthe Architekt BDA Stadtplaner aus Friedrichshafen. Fünf Architekturbüros sind eingeladen gewesen, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Die Unterlagen lagen ab 24. Oktober 2014 dem Preisgericht vor. Und dieses Preisgericht bestand aus diesen Mitgliedern: Sandra Flucht (Ortsvorsteherin Ailingen), Peter Hauswald (Bürgermeister), Hans-Ulrich Kilian (Architekt BDA Stuttgart), Stefan Köhler (Erster Bürgermeister), Wolfgang Kübler (Amtsleiter Stadtbauamt), Klaus Sauter, (Amtsleiter Stadtplanungsamt) sowie die Sachpreisrichter Stephanie Glatthaar (Grüne), Bruno Kramer (CDU), Jochen Meschenmoser (Freie Wähler), Annedore Schmid (ÖDP) und Heinz Tautkus (SPD).

Die Jury aber hatte nur darüber zu befinden, ob die Ausschreibung umgesetzt wurde. Schon damals hatten die Mitglieder des Ailinger Ortschaftsrates beklagt, dass es zu wenige Räume im Bildungshaus gebe, dass zu wenig Platz für die Kinder vorhanden sei. „Es gab damals aber die Ansage, das Haus dürfe nicht teurer als fünf Millionen Euro werden. Die Verwaltung hat dann den Entwurf des Architekten noch einmal zusammengestrichen“, ist im Ortschaftsrat zu hören.

In der damaligen Ausschreibung waren nur zwei Klassenräume geplant. Heute steht nicht nur fest, dass das zu wenig ist, sondern auch die Frage im Raum, warum man damals die stadtplanerischen Modelle des Vorjahres nicht berücksichtigt hat. Der Kultur- und Sozialausschuss diskutiert das Thema am Mittwoch, 4. Juli, ab 16 Uhr im Rathaus. Der Ortschaftsrat Ailingen spricht am gleichen Tag ab 18.30 Uhr über das Thema.

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