Mit großer Natürlichkeit, Konzentration und Reife beeindruckt Lilya Zilberstein am Klavier.
Mit großer Natürlichkeit, Konzentration und Reife beeindruckt Lilya Zilberstein am Klavier. (Foto: Christian Lewang)
Schwäbische Zeitung
Katharina von Glasenapp

Nordische und slawische Klangfarben hat das Publikum im GZH beim Konzert des Symphonieorchesters des Nationaltheaters Prag genossen. Imponierende Solistin im Klavierkonzert von Edvard Grieg war Lilya Zilberstein, der isländische Dirigent Gudni A. Emilsson, der in Trossingen ausgebildet wurde und seit vielen Jahren mit tschechischen Klangkörpern verbunden ist, leitete das Konzert mit großer Leidenschaft und klarer Körpersprache.

Der norwegische Komponist Edvard Grieg studierte zwar am Leipziger Konservatorium, war aber stets auf der Suche nach einer eigenen nordischen Tonsprache. So wundert es nicht, dass sein einziges Klavierkonzert zwar einerseits in Form, Tonart und Gestaltung eng an Robert Schumann angelehnt ist, andererseits doch unverkennbar nordisch klingt. An Schumann erinnert auch die Verbindung von dramatisch aufflammender Geste und fein gesponnener Lyrik.

Souveräne Technik

Dies kam in der Interpretation von Lilya Zilberstein wunderbar zum Ausdruck. Die 1965 in Moskau geborene und dort ausgebildete Pianistin, die in jungen Jahren unter anderem den bedeutenden Busoni-Wettbewerb gewonnen hat, seit 1990 in Deutschland lebt und seit drei Jahren eine Klasse an der Wiener Musikuniversität leitet, ist eine Meisterin der traditionsreichen russischen Schule. Souveräne Technik zeigt sie in den anspruchsvollen Passagen, den rauschenden Figurationen und Akkorden, dem virtuosen Glitzern, der großräumigen Solokadenz im ersten Satz oder dem hurtig temperamentvollen Springtanz im Finale. All das präsentiert sie mit großer Natürlichkeit, Konzentration und Reife, ohne jede Effekthascherei gibt sie sich der Musik hin. Wunderbare Ruhe, Anschlagskultur und Poesie verströmt sie aber auch in den lyrischen Einschüben und dem melancholischen Gesang des langsamen Satzes. Das Zusammenspiel mit dem Orchester und dem Dirigenten driftet manchmal auseinander, vor allem im langsamen Satz hätte man ihr ein weniger starres Korsett durch die Streicher gewünscht. Facettenreich, manchmal herzhaft bodenständig, als geisterte ein norwegischer Troll über die Bühne, manchmal lyrisch in den Holzbläsern und im Solocello, steigert sich das Finale zu erhebender Größe. Begeisterung für eine bescheiden auftretende souveräne Solistin und das engagiert musizierende Orchester.

Im zweiten Teil brachten die Prager Musiker die siebte Symphonie von Antonín Dvořák mit, die im Auftrag der Londoner Philharmonic Society komponiert und stark vom lebenslangen Förderer Johannes Brahms geprägt ist. Für das Symphonieorchester des Nationaltheaters Prag ist das gleichsam musikalische Muttermilch, auch für Gudni Emilsson, der viel mit tschechischen Orchestern arbeitet – und dazu noch als Kulturmanager an der Universität Tübingen tätig ist. Manchmal klingt die Musik unter seinen Händen recht kompakt, etwa wenn in den Ecksätzen die Blechbläser über die Streicher dominieren oder manche Übergänge nicht ganz rund geraten.

Feine Holzbläserkantilenen über dem sanften Pizzicato der Streicher und warmer Hörnerklang vereinen sich im langsamen Satz zu einem ruhigen Fließen. Wunderbar farbig und musikantisch strömen die slawischen Melodien im Scherzo, getragen von markanten rhythmischen Akzenten. Und da diese Symphonie in vielem an Brahms erinnert und dieser wiederum eine lebenslange Liebe zu den slawischen Rhythmen hatte, passte auch sein fünfter ungarischer Tanz als herzhaft musizierte Zugabe. Musik verbindet eben alle Nationen, Interpreten wie Komponisten.

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