Im romantischen Liederabend spüren die Pianistin Deirdre Brenner, die Sängerinnen Anna-Magdalena Perwein (links) und Maria Hegel
Im romantischen Liederabend spüren die Pianistin Deirdre Brenner, die Sängerinnen Anna-Magdalena Perwein (links) und Maria Hegele sowie die Sprecher Jürgen Erhard und Daniel Beckstein der engen Beziehung der Geschwister Felix und Fanny Mendelssohn und des Ehepaares Robert und Clara Schumann nach. (Foto: Helmut Voith)

Auch der leichte Schneefall hat die Musikliebhaber am Freitagabend nicht davon abgehalten, in den Kiesel zu strömen, wo Fanny Mendelssohns Lied „Im wunderschönen Monat Mai“ einen bezaubernden romantischen Liederabend voller Sehnsucht, Liebesschmerz und Liebeslust eröffnete.

Fast ein Heimspiel war es für die junge Tettnanger Mezzosopranistin Maria Hegele, und so waren auch zahlreiche Tettnanger gekommen. Mehrfach war Hegele schon mit ihrer Duopartnerin, der Sopranistin Anna-Magdalena Perwein, in der Region zu Gast und auch jetzt wieder war in den Duetten die wunderbare Harmonie der beiden Stimmen zu erleben. Schöne, klare Stimmen sind es, kultiviert geführt und doch von natürlicher Ausstrahlung. Reich ist beider Ausdrucksskala in den Liedern zwischen Sehnsucht, Zärtlichkeit und Dramatik, die umso mehr erfahrbar war, als auch die Artikulation keine Wünsche offenließ. Ein Gewinn für die Sololieder und Duette war ebenso das dienende, die Stimmungen mittragende Spiel von Deirdre Brenner am Klavier.

Doch nicht allein die Musik machte den Abend zum Erlebnis, sondern die kluge Konzeption, das Einbetten der Lieder in ihren Kontext. Unter dem Titel „Brief in die Ferne“ war der Abend zwei berühmten Komponistenpaaren gewidmet: Felix Mendelssohn Bartholdy und seiner Schwester Fanny sowie Robert Schumann und seiner Frau Clara. Zahlreiche Briefe bezeugen die engen Bindungen, die sie einander die Herzen öffnen ließ. Und hier kommen als Ergänzung des Quintetts die beiden Sprecher Jürgen Erhard und Daniel Beckstein hinzu, die im Wechsel die Beziehung der Paare beleuchteten und entsprechende Briefpassagen lasen, auf die sich wiederum die ausgewählten Lieder aller vier Komponisten bezogen.

Der erste Teil galt den Mendelssohns. Enge Vertraute sind die Geschwister Felix und Fanny – Lieder wie das Abschiedslied der Zugvögel kündeten von der Sehnsucht nach dem anderen, der sich auf Reisen befindet. Und doch hat auch Felix wie sein Vater verhindern wollen, dass Fanny eigene Kompositionen unter ihrem Namen veröffentlichte. Felix litt, als Fanny heiratete, doch ihr früher Tod ließ auch seinen Lebensmut erlöschen. Wunderbar zeichneten die Lieder die Entwicklung nach, die Freude Fannys über die Italienreise mit ihrem Mann, die tiefe Trauer: „Warum verließest du mich?“, hier in einem Lied von Fanny Mendelssohn.

Der zweite Teil folgte der leidenschaftlichen Liebesbeziehung der Schumanns. Lange kämpften sie um die Ehe und wurden darin doch nicht glücklich – erst nach Roberts Tod kann Clara sich frei entfalten. Doch ihre Lieder sprechen von der glühenden Leidenschaft. Augenzwinkernd berichtet ein Mädchen der Mutter von der ersten Begegnung, wieder und wieder fließen bei Liebesbekenntnissen heiße Tränen. „Er ist gekommen“ jubelt Clara in einem Lied, während das Lied „Warum willst du andere fragen“ bereits Zweifel anspricht. „O du mein Schmerz, du meine Lust“ fasst im Lied „Der Himmel hat eine Träne geweint“ beide Seiten dieser Liebe zusammen. In Soloarien und Duetten haben die Sängerinnen diese romantische Welt erleben lassen.

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