Nur ein Sieg zählt: VfB Friedrichshafen will ins Finale

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ljhd (Foto: Günter Kram)
Ressortleiter Sport

Auch wenn sich Spieler und Trainer mittlerweile aus dem Effeff kennen sollten – ohne ausführliches Videostudium lässt Vital Heynen seine Volleyballer nicht aufs Parkett. Und so hat der Coach des VfB Friedrichshafen seine Mannschaft auch vor dem sechsten Aufeinandertreffen mit der SVG Lüneburg in dieser Saison am heutigen Mittwoch (20 Uhr/sporttotal.tv) in der ZF-Arena zur Videoanalyse geladen.

„Natürlich kennen wir Lüneburg, genauso wie die uns kennen. Aber Mannschaften spielen ja nie gleich, ein paar Dinge sind immer im Fluss. Wir schauen uns jetzt aber nur noch Details aus dem letzten Spiel an, was wir vielleicht falsch gemacht haben, womit der Gegner uns überrascht hat“, so Heynen.

Auf ein siebtes Aufeinandertreffen mit der Mannschaft von Trainer Stefan Hübner würden sie beim VfB – bei allem Respekt vor der Arbeit der Norddeutschen – gerne verzichten; vielmehr wollen die Häfler in den Play-offs weiter durchmarschieren.

Ein Heimsieg noch und man stünde wieder im Finale um die deutsche Meisterschaft – und hätte auf jeden Fall einige Tage mehr zum Durchschnaufen als der Gegner – im Duell der Alpenvolleys und dem ewigen VfB-Rivalen Berlin steht es vor Spiel drei 1:1.

Reisestrapazen ersparen

Am 27. April würde die Finalserie starten – „in den zehn Tagen dazwischen könnte ich nach Italien in Urlaub fahren“, sagt Heynen. Ein Scherz, natürlich. Aber über Ostern hätten seine Spieler auf jeden Fall frei, sollte die Serie am Mittwochabend durch sein. „Ein paar freie Tage sind schön, aber wichtiger finde ich, dass wir uns die Reisestrapazen ersparen würden“, so Heynen. Noch eimmal durch die halbe Republik nach Hamburg, wo die Lüneburger in den Play-offs spielen: „Muss nicht sein“, so Heynen.

VfB Friedrichshafen
Friedrichshafens Mannschaft jubelt über den zweiten Sieg im Halbfinalspiel bei der SVG Lüneburg. (Foto: Uwe Anspach / DPA)

Dürfte auch eher nicht passieren, wenn die Häfler weiter so konzentriert bleiben wie in den zwei bisherigen Halbfinalpartien und ihre neu entdeckte spielerische Waffe – gefährliche Sprungaufschläge – weiter einsetzen. Bartlomiej Boladz’ unwiderstehliche Aufschlagserie im zweiten Satz des ersten Halbfinalspiels wurde ausreichend gewürdigt, Heynen erinnert daran, dass auch beim 3:1 in Lüneburg am Samstag die Aufschläge der Häfler den Unterschied gemacht hätten. „Auch in Bühl hatten wir in entscheidenden Phasen, drei, vier, fünf Asse, die uns mental zurückgebracht haben“, so der Trainer, der auch darum auffallend gute Laune hat in den letzten Tagen.

Heynen hat Spaß

Nach dem ersten Halbfinalspiel enterte Heynen ein Interview des TV-Senders Sport 1 mit Ex-Kapitän Simon Tischer und gab grinsend und ungefragt seine Einschätzung zum Besten. Am Samstag in Lüneburg interviewte er sich – ebenfalls vor laufender Kamera – für die Kollegen der „Landeszeitung für die Lüneburger Heide“ einfach selbst.

Ein paar freie Tage sind schön, aber wichtiger finde ich, dass wir uns die Reisestrapazen ersparen würden. Vital Heynen

Vital Heynen
Trainer Vital Heynen, Trainer von VfB Friedrichshafen, gestikuliert am Spielfeldrand. (Foto: Uwe Anspach/Archivbild / DPA)

Heynen muss sofort wieder lachen, als er auf das Video angesprochen wird. „Die Kamera lief halt schon“, sagt er. Und: „Ja, ich fühle mich ziemlich entspannt gerade. Wir spielen ganz gut, die Ergebnisse stimmen, keiner ist verletzt“, sagt er.

Und viel wichtiger: „Wir spielen endlich so, als ob wir um die Meisterschaft spielen wollten.“ Will sagen: Seine Mannschaft ist im Play-off-Modus. Die Spieler wirken entschlossen, der Ernst auf dem Parkett ist zurück – also gibt Heyen den Spaßvogel.

Dass es dazu kommen könnte, konnte sich der Trainer noch vor zwei Wochen nur schwer vorstellen. „Ich war über die Viertelfinalpartien gegen Bühl richtig enttäuscht“, so Heynen. So sehr, dass „ich reagieren musste: Wir haben eine Woche lang sehr viel trainiert. Das hat den Spielern natürlich gar nicht gefallen, dass ihr Trainer sauer ist und sie sechs Stunden am Tag trainieren mussten“. Aber es lohnte sich. „Wir spielen besser“, so Heynen. Sechs Stunden Training gibt es nicht mehr. Doch ohne Videostudium geht es nicht.

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