Notfallnachsorge-Mitarbeiter leisten erste Hilfe für die Seele

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  Wird der DRK-Notfallnachsorgedienst zu einem Einsatz gerufen, kommen die Helfer im Zweierteam, um „Erste Hilfe für die Seele“
Wird der DRK-Notfallnachsorgedienst zu einem Einsatz gerufen, kommen die Helfer im Zweierteam, um „Erste Hilfe für die Seele“ zu leisten. Anita Meschenmoser (links) ist als neue Helferin in Ausbildung, Markus Klein (rechts) ist stellvertretender L (Foto: DRK)
Schwäbische Zeitung

Der Dezember des vergangenen Jahres ist für die Mitglieder im Notfallnachsorgedienst (NND) des DRK-Kreisverbands Bodenseekreis einer der bislang einsatzstärksten Monate seit der Gründung des NND 1999 gewesen: 19 Mal wurden Ehrenamtlichen zu Hilfe gerufen. Im gesamten Jahr 2017 waren es insgesamt 88 Einsätze und damit vier mehr als im Vorjahr, bei denen die Mitglieder 240 Menschen begleiteten.

Sie standen Menschen zur Seite, die miterleben mussten, wie ein Angehöriger zuhause nach einem medizinischen Notfall nicht mehr wiederbelebt werden konnte. Sie begleiteten Polizeibeamte, die Familien die Nachricht überbringen mussten, dass Mutter, Vater oder Kind bei einem Unfall gestorben oder durch Suizid aus dem Leben geschieden sind.

Sie waren für Menschen da, die durch einen Wohnungsbrand ihr Hab und Gut verloren hatten. Sie fingen junge Eltern auf, deren Baby plötzlich tot in seinem Bettchen lag. Und sie begleiteten Augenzeugen schrecklicher Unfälle, die das eben Miterlebte mit einem Zuhörer und Gesprächspartner teilen wollten.

Jeder kann den Nachsorgedienst verständigen

Rosemarie Schmied, Leiterin des DRK-Notfallnachsorgedienstes, beschreibt die Aufgabe der ehrenamtlichen Einsatzkräfte so: „Wir leisten Erste Hilfe für die Seele.“ Die Helfer sind in den ersten Stunden zur Stelle, damit Menschen nach einem Unfall, Unglück oder Notfall nicht allein sind, bis Angehörige oder Freunde ihnen zur Seite stehen können. Der NND wird von Polizei oder Feuerwehr hinzugerufen, von Rettungsdienst oder Hausarzt. Aber auch Privatpersonen können den NND hinzuziehen. Der stellvertretende NND-Leiter Markus Klein betont: „Jeder kann den Notfallnachsorgedienst verständigen. Er braucht dazu nur bei der Integrierten Leitstelle des Bodenseekreises unter Telefon 07541 / 192 22 anzurufen und wir werden verständigt.“

Dass die Hilfe gebraucht und geschätzt wird, zeigen die Einsatzzahlen: Sie steigen jedes Jahr kontinuierlich leicht an. Vor allem die Polizei rief 2017 die NND-Mitglieder deutlich häufiger zu Hilfe: 14 Mal (2016: 8 Mal) baten Beamte NND-Helfer hinzu, wenn sie nach Unfällen Menschen die Nachricht vom Tod eines Angehörigen überbringen mussten.

Die NND-Helfer sind in einer Art Schichtdienst organisiert, ein Zweierteam ist in der Regel immer erreichbar. Jeder Helfer ist in einer umfassenden Ausbildung an der DRK-Landesschule auf seine Aufgabe vorbereitet worden. Rosemarie Schmied freut sich, dass derzeit Anita Meschenmoser als neue Helferin in Ausbildung ist. Insgesamt sind im NND im gesamten Bodenseekreis 19 Mitglieder aktiv. Hier engagieren sich Männer und Frauen, die junge Frau aus dem Handwerk ebenso wie der pensionierte Lehrer.

Wenn sie zum Einsatz gerufen werden, wissen sie nicht, was sie vor Ort erwartet. So bringen sie Mitgefühl mit, die Bereitschaft zuzuhören, zu trösten, zu reden, zu schweigen – zwei Stunden oder auch mal zehn Stunden. So lange dauerte 2017 der längste Einsatz. Außerdem organisieren die NND-Mitglieder weitere Hilfe, informieren beispielsweise Angehörige oder Freunde, damit die Betreuten nicht allein zurückbleiben, wenn der NND geht.

Das Angebot des Notfallnachsorgedienstes ist offen für Menschen aller Nationalitäten und Kulturen. Rosemarie Schmied sagt: „Selbst wenn wir im Einsatz erst einmal ein Sprachproblem haben – die Menschen kennen das Rote Kreuz als internationales Schutzzeichen und bringen uns großes Vertrauen entgegen.“ Über die Sprachprobleme helfen dann, wenn nötig, Dolmetscher hinweg.

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