„Nonsens ist nicht Unsinn, sondern verweigerter Sinn“

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Sebastin Dix mit Die Sache will´s.
Sebastin Dix mit "Die Sache will´s". (Foto: Marian Schaefer)
lys und Lydia Schäfer

Dichter, Denker, Maler und Schriftsteller Robert Johann Arthur Gernhardt stand im Mittelpunkt des literarischen Abend in der Werkstatt im Kulturhaus Caserne. Sebastian Dix hat sich der Worte „des Meisters“, wie er ihn nannte, bedient und mit Gestik, Mimik und Enthusiasmus die Worte, Gedichte und Gedanken des verstorbenen Literaten zum Leben erweckt. Die gut 60 Zuschauer hatten einen kurzweiligen Abend, gespickt mit Satire, Poesie und jeder Menge Humor.

„Die Sache will’s“ lautete der Titel des Abends, nach dem gleichnamigen Gedicht „des Meisters“, der geboren in Estland dort zu der Minderheit der Deutsch-Balten zählte und nach dem zweiten Weltkrieg ein neues Zuhause in Göttingen fand. Gernhardt studierte Malerei und Germanistik in Stuttgart und Berlin, bevor es ihn endgültig nach Frankfurt verschlug. Hier war er Mitglied der „Neuen Frankfurter Schule“, einer Gruppe von Schriftstellern und Zeichnern, die aus der Redaktion der Satirezeitschrift „pardon“ hervorging. Ein Mann, der Nonsens zur Kunstform erhob und damit oft im Mittelpunkt der Kritik stand, wie Dix erklärte, wie beispielsweise mit seinem Abendgebet „Lieber Gott, nimm es hin, dass ich was Besonderes bin. Und gib ruhig einmal zu, dass ich klüger bin als du. Preise künftig meinen Namen, denn sonst setzt es etwas. Amen.“ Ein Gebet, das in Ostfriesland als „herrenloses Witzgut“ galt und von Otto Waalkes kurzerhand in sein Programm aufgenommen wurde. Das gefiel dem Meister nicht, er beschwerte sich bei Otto Waalkes und nachdem die Ungereimtheiten zwischen den beiden aus dem Weg geräumt waren, schrieb Gernhardt Bühnenprogramme und die Drehbücher für vier Otto-Filme.

Es war ein Abend, der Wissenswertes über Gernhardt vermittelte, der zeigte, dass Nonsens durchaus Ratschläge für das Leben beinhalten kann und bei dem Sebastian Dix sich auch als Mundart-Akrobatiker bewies, indem er Gedichte Gernhardts in schwäbisch oder sächsisch vortrug und den Worten „des Meisters“ somit eine ganz eigene Note verlieh. Die Gedichte sind Dix quasi ins Blut übergegangen, nur selten musste er ins Skript schauen, baute zwischen den Gedichten satirische Übergänge ein, unterstrich Aussagen mit ausladenden Gesten und Mimik.

Kurz gesagt: Ein wirklich unterhaltsamer und amüsanter Abend, der Gernhardt als das darstellte, was er in seinem Fach war: ein Meister. Oder um es mit Gernhardts Worten zu sagen: „Nonsens ist nicht Unsinn, sondern verweigerter Sinn.“

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