Ortsvorsteher Michael Nachbaur begrüßt die Gäste persönlich und mit Handschlag. Es ist Neujahrsempfang und es ist wieder Zeit, auf jüngste Vergangenheit und Zukunft des Ortsteils zu schauen. Das lassen sich die Kluftinger nicht nehmen. Wie in jedem Jahr bleibt kein Stuhl im Bürgerhaus unbesetzt.

Und wie in jedem Jahr stellen die Baugebiete Lachenäcker, das Traube-Areal und die Situation der Kindergartenplätze in Kluftern neben Grillhütte und Verkehrsthemen die Inhalte der Betrachtungen. Bei seinem Rückblick schaut Michael Nachbaur auf die Dramen der Weltgeschichte und zitiert John Osborne „Blick zurück im Zorn“. Das aber, so der Ortsvorsteher, gelte nicht ür Kluftern.

Neue Kita-Plätze geschaffen

Zum Thema Kinderbetreuung: „Wir haben neue Plätze angekündigt und Wort gehalten.“ Mit dem neuen Waldkindergarten sind in der Tat 20 neue Plätze geschaffen worden, auch wenn noch einige Plätze frei sind. Das aber ist ein Phänomen bei Waldkindergärten, vor allem solchen, die im Herbst und Winter starten.

Ferner ist in Kluftern in Modulbauweise der Kindergarten erweitert worden, die neuen Räume, die von Zeppelin Rental errichtet worden sind und an die Kommune vermietet wurden, werden am 1. Februar eingeweiht. Als dritten Teilaspekt des Themas Kinderbetreuung nennt Nachbaur die dreigruppige Kita im neuen Baugebiet Lachenäcker. Die aber wird erst dann gebaut, wenn auch das Baugebiet fertig ist, Michael Nachbaur rechnet mit einem Bezug der Kita nicht vor 2023. Die Kinderbetreuung in Kluftern und Efrizweiler lobte Nachbaur als pädagogisch sehr wertvoll.

Wohnraum wird dringender

Ein weiteres Topp-Thema sind bei ihm die Fragen nach Wohnraum. Die Nachrichten allerdings sind nicht so gut. Lachenäcker „laufe“ nicht so wie erwartet, wiederholte Nachbaur seine Aussage aus dem Vorjahr, und das Traube-Aeal sei nach dem Runden Tisch und einer Neuplanung ebenfalls noch keinen Schritt weiter gekommen.

„Leider macht nun das Landesdenkmalamt massive Probleme, weil es sich an frühere Zusagen nicht mehr gebunden fühlt“, sagt Michael Nachbaur. Er deutet als Lösung eine Umplanung oder den Klageweg an, dessen Wahl in den ersten Reihen des Publikums – wo die Ratsmitglieder sitzen – durchaus als gangbar kommentiert wird. Das weitere Vorgehen werde nun in Abstimmung mit dem Baudezernat festgelegt. Es wird also noch dauern.

Die Frage der richtigen Trasse

Ebenso wie es bei der Grillhütte noch Zeit in Anspruch nimmt, weitere Untersuchungen vorzunehmen. Hier entscheiden am Ende die Kosten, ob die Hütte weiter besteht. Sie war mehrmals in Brand gesteckt worden und ist seit vergangenem Jahr geschlossen. Hier soll nun ein Nutzungskonzept erarbeitet werden.

An einem Strang ziehen

Verkehrsthema in Kluftern ist in erster Linie die B 31 zwischen Immenstaad und Meersburg, da von deren Fertigstellung letztlich – wie im Mediationsverfahren festgestellt – die Verkehrsdichte innerhalb Klufterns abhängig sein wird. In dem Verfahren, so erzählt der Ortsvorsteher, seien von 20 Trassen noch drei mögliche Wegführungen übrig. Keine dieser drei Varianten aber sei konfliktfrei. Am 12. Februar werde in der Stadthalle Markdorf über den aktuellen Planungsstand diskutiert werden. „Ende 2019 soll dann eine Variantenempfehlung vorliegen und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Es wäre sehr wichtig, wenn sich die gesamte Region auf eine Trasse einigen könnte,“ sagt Michael Nachbaur und spricht damit eine Voraussetzung an, ohne die auch die B 31-neu nach Expertenaussagen noch nicht im Bau wäre. Aber auch der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) müsse sich weiterentwickelt. Klufterns Ortsvorsteher ist in dieser Angelegenheit mit Markdorfs Bürgermeister Georg Riedmann im Gespräch, man wolle auf den Landrat zugehen, um über Chancen und Möglichkeiten von regionaler ÖPNV-Erschließung zu sprechen. Mit dem Häfler Stadtverkehr, so Riedmann und Nachbaur, sei die geforderte Erweiterung der Buslinien in die Region nördlich von Friedrichshafen nicht machbar.

Dass Kirchturmdenken auch bei der Frage des Ausbaus der Bodenseegürtelbahn nicht weiterhelfe, verdeutlicht Nachbaur in seinen Gedanken zu diesem Thema. Dieser Ausbau war ebenfalls im Mediationsverfahren um die Ortsumfahrung gefordert worden.

Ehre, wem Ehre gebührt

Am Ende seiner Rede kommt er zu einem wichtigen Punkt. Er appellierte – auch wenn die Arbeit nicht immer einfach sei – für die Kommunalwahl zu kandidieren, zumindest aber zur Wahl zu gehen. Er lobte auch seine Mitarbeiter in der Ortsverwaltung, die auch im Standesamt ihren Dienst tun. „Carolin Hertlein und bisher Steffen Lebherz leisten hier hervorragende Arbeit und die Zahl der Trauungen und auch die bearbeiteten Sterbefälle sind extrem gestiegen.“ Er dankt dem Team der Ortsverwaltung, das jedoch um Steffen Lebherz ärmer wird. Der geht Ende Februar als Hauptamtsleiter nach Meersburg. in Kluftern ranken sich nun die Gerüchte, ob eine Frau Nachfolgerin werde. Dann habe der Ortsvorsteher nur weibliche Mitarbeiter. Er aber wolle, so wird gemunkelt, wieder einen männlichen Mitarbeiter haben.

Zum Schluss ehrt Bürgermeister Andreas Köster zwei ehemalige Ortschaftsräte, die nahezu 30 Jahre ehrenamtlich im Ortschaftsrat gearbeitet haben. Franz Wurst engagierte sich von Ende 1984 bis Juli 2014 als Ortschaftrat für Kluftern. Als Mann vom Bau war das Fachwissen von ihm in den Ortschaftsratssitzungen gefragt und geschätzt, wenn es um Baugesuche oder allgemeine Bauthemen ging. Darüber hinaus war Franz Wurst zehn Jahre Vorsitzender des Ortsverbands Kluftern der CDU.

Auch Hans Peter Erhard engagierte sich fast drei Jahrzehnte, von 1989 bis 2017, als Ortschaftsrat der Freien Wähler für Kluftern. „ Sie waren immer ein engagierter und leidenschaftlicher Ortschaftsrat, diskussionsfreudig und stets an einer guten Lösung interessiert“, so Bürgermeister Köster. Hans Peter Erhard setzte sich vor allem für die Vereine in der Ortschaft ein, sowohl bei seiner politischen Arbeit, wie auch privat.

Statistisch gesehen kämen beide Ortschaftsräte auf mehr als 2000 Tagesordnungspunkte, das, so der Bürgermeister, seien viele Stunden Arbeit. „Nicht immer vergnügungssteuerpflichig. So etwas macht man, weil man die Geschicke des Ortes, dem man sich verbunden fühlt, mitgestalten will. Weil es einem nicht egal ist, was vor der eigenen Haustüre passiert. Weil man sich verantwortlich dafür fühlt, dass wichtige Angelegenheiten im Ort bestmöglich geregelt werden und man für die Zukunft gut aufgestellt ist und weil es Spaß macht,“ so Andreas Köster.

Franz Wurst und Hans Peter Erhard erhalten den Ehrenbrief der Stadt Friedrichshafen. „Wir brauchen in unserer Stadt und in Kluftern Menschen wie Sie“, so Bürgermeister Köster. Und zur Versammlung: „Denken Sie über Ihr Engagement nach und gehen Sie wählen. Früher hätte ich gesagt, egal welche Partei.“ Andreas Köster spricht über die Werte und die Errungenschaften der Demokratie.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen