Neuer Name für Tognum: Dem Betriebsrat ist’s zu teuer

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Rolls-Royce Power Systems AG ist der neue Name der Tognum AG. Am 9. Januar enthüllen die vier Vorstände in Friedrichshafen das neue Logo: (von links) Jörg Schwitalla, Ulrich Dohle, Dieter Royal, und Michael Haidinger. (Foto: Rolls-Royce Power Systems AG)
Martin Hennings

Die Tognum AG ist seit Donnerstag Geschichte. Der Motoren- und Anlagenbauer aus Friedrichshafen heißt ab sofort Rolls-Royce Power Systems AG. Für die mehr als 10 000 Mitarbeiter weltweit ändert sich nach übereinstimmender Einschätzung von Konzernspitze und Betriebsrat nichts Wesentliches. Sitz des Unternehmens bleibt Friedrichshafen, der Konzern wird auch weiterhin einer der großen Gewerbesteuerzahler der Stadt sein. Angesichts des geplanten Abbaus von rund 400 Stellen kritisieren die Arbeitnehmervertreter die Kosten der Namensänderung. Über deren Höhe hüllt sich der Konzern in Schweigen.

Strengste Geheimhaltung

Sechs Monate lang hat die Tognum-Unternehmenskommunikation, geleitet von Stefan Wortmann, die Namensänderung vorbereitet – unter höchster Geheimhaltung. Offenbar mit Erfolg, denn außer ein paar Gerüchten ist nichts nach draußen gedrungen, weder der neue Name noch der Zeitpunkt seiner Verkündung. Am Donnerstag früh um sechs startete dann die interne Information, digital und mit einer Spezialausgabe der Mitarbeiterzeitung „Einblick“, bevor am Vormittag die Öffentlichkeit unterrichtet wurde. Fürs Pressefoto war im Foyer des Karl-Maybach-Hauses eine Stele mit dem neuen Namen vorbereitet, oben am Gebäude prangte schon der neue Schriftzug.

Vorstandsvorsitzender Ulrich Dohle nannte den Schritt „keine ganz kleine Änderung“, betonte aber vor allem das, was Bestand hat: Kunden, Strategie, Arbeitsverträge, betriebliche Alterssicherung, interne Regeln. Rolls-Royce sei ein „sehr imageträchtiger Name, der für Hochtechnologie bekannt“ sei. Sitz des Konzerns, der je zur Hälfte Rolls-Royce und Daimler gehört, bleibt Friedrichshafen. „Wenn wir weiterhin so gut wirtschaften, dann werden wir auch weiterhin hier Steuern bezahlen“, sagte der Chef von Rolls-Royce Power Systems.

Keine Zusammenhänge gebe es zwischen der Namensänderung und dem Effizienzprojekt „Focus“, das den Abbau von rund 400 Stellen bis zum Jahr 2015 vorsieht, allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen. „Wir werden das stringent fortführen“, sagte Dohle. Dies sei mit den beiden Gesellschaftern auch so abgestimmt.

Mit dem Blick auf „Focus“ kommt der Betriebsrat zu einer kritischen Einschätzung der Namensänderung. „Man muss sich schon die Frage stellen, ob das in die Zeit passt“, sagte Thomas Bittelmeyer, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitnehmervertretung, der Schwäbischen Zeitung. Vom Kuli bis zur Visitenkarte müsse alles geändert werden, das koste bestimmt mehrere Millionen Euro. Seine Kritik richtet sich dabei weniger an den Vorstand der Rolls-Royce Power Systems AG, sondern an die beiden Eigentümer. „Die Änderung war ja ein Wunsch des Eigners“, sagt er.

Für die Mitarbeiter ändere sich praktisch gar nichts, bestätigte Bittelmeyer die Angaben des Vorstands. Und so habe seiner Wahrnehmung nach die Belegschaft den neuen Namen „eher achselzuckend zur Kenntnis genommen“. Der 2006 eingeführte Kunstbegriff Tognum habe bei den Mitarbeitern nie besonders große Identifikation ausgelöst.

Daimler plant keine Änderungen

Für das von Karl Maybach 1909 gegründete Unternehmen ist ein Namenswechsel beileibe keine Premiere. Und auch beim zweiten Eigentümer, der künftig nur in der Unterzeile auftaucht („A Rolls-Royce and Daimler Company“), löst das neue Branding keinen Bluthochdruck aus. „Wir haben uns von Anfang an darauf verständigt, in diese Richtung zu gehen“, sagte ein Daimler-Sprecher der SZ. Schließlich gebe es zum Partner Rolls-Royce auch wesentlich mehr Schnittstellen. Die Rolls-Royce Power Systems AG sei und bleibe ein 50/50-Joint Venture. Der neue Name sei kein Hinweis darauf, dass sich an dieser Aufteilung etwas ändern werde.

Der neue Internetauftritt des Konzerns:

www.rrpowersystems.com

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