Neuer Anstrich für das Projekt Umbruch: VfB-Fußballer gewinnen Zeppelin als Trikotsponsor

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Neue Trikots, neuer Sponsor – Der Zeppelin-Konzern unterstützt die Fußballer des VfB Friedrichshafen künftig als Hauptsponsor (v
Neue Trikots, neuer Sponsor – Der Zeppelin-Konzern unterstützt die Fußballer des VfB Friedrichshafen künftig als Hauptsponsor (von links): Klaus Segelbacher (Stellvertretender Vorsitzender VfB-Fußball), Alexander Heumann (Sportlicher Leiter), Peter Gerstmann (Vorsitzender der Geschäftsführung des Zeppelin-Konzerns), Daniel Di Leo (Spielertrainer), Dalibor Buspanovic (Vorsitzender der VfB-Fußballabteilung). (Foto: Günter Kram)
Martin Deck

Die Nummer 10 spielt im Fußball eine besondere Rolle. Traditionell läuft der Spielmacher mit dieser Rückennummer auf. Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen der Fußballabteilung des VfB Friedrichshafen gestern ein Trikot mit eben jener Zehn an Peter Gerstmann, Vorsitzender der Geschäftsführung des Zeppelin-Konzerns, übergeben haben. Schließlich wird das Baumaschinenunternehmen, das seinen Sitz in Friedrichshafen hat und für 2018 einen Rekordumsatz von 2,9 Milliarden Euro vermeldet hatte, in den kommenden Jahren die Geschicke bei den VfB-Fußballern wesentlich mitbestimmen – zumindest passiv. Als neuer Trikotsponsor hat Zeppelin die finanzielle Unterstützung der Friedrichshafener Fußballabteilung deutlich erhöht. Nachdem das 9000 Mitarbeiter starke Unternehmen bereits in den vergangenen sechs Jahren im Hintergrund engagiert war, wird die Förderung nun offensichtlich. Besonders auf den neuen neongelben Auswärtstrikots, für die Spielertrainer Daniel Di Leo mit dem Vorstand lange kämpfen musste, sticht das erst kürzlich neu gestaltete Logo des Zeppelin-Konzerns deutlich hervor.

Auf vorerst drei Jahre ist die Zusammenarbeit angelegt. Über die Höhe des Sponsorings wollen sich Verein und Unternehmen nicht äußern. „Es ist ein Betrag, der für ein Unternehmen unserer Größe nicht allzu groß ist“, verrät Peter Gerstmann zumindest.

Klar ist, dass die finanzielle Unterstützung deutlich geringer ausfällt, als die für die VfB-Volleyballer, wo Zeppelin ebenfalls Hauptsponsor ist. „Im Volleyball haben wir eine ganz andere Medienwirkung“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung und meint vor allem die Fernsehübertragungen von Spielen in der Bundesliga und der Champions League. Dem Zeppelin-Chef ist dabei wichtig zu betonen, dass man die beiden Sponsorenverträge nicht gegeneinander aufwiegen dürfe.

Die Entscheidung, größer bei den VfB-Fußballern einzusteigen, sei ganz bewusst gefallen. „Es macht keinen Sinn, den VfB Friedrichshafen im Ganzen zu unterstützen“, sagt Gerstmann. Zu groß und vielfältig seien die verschiedenen Abteilungen im Verein. „Wenn wir fördern, dann ganz gezielt.“ Vom Sponsoring der Fußballer verspricht sich der Zeppelin-Konzern eine positive Außenwirkung. „Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir nicht nur Spitzensport, sondern auch den Breitensport fördern“, so Gerstmann. Insbesondere die Unterstützung der Jugend liege ihm am Herzen.

Kein Einfluss auf die Ausrichtung

Aber auch einen Eigennutzen verspricht sich das Unternehmen durch die Trikotwerbung. So möchte Gerstmann die Aufmerksamkeit in der Bevölkerung für den Zeppelin-Konzern erhöhen. „Eine Vielzahl der Bürger ist gar nicht informiert, was wir eigentlich machen. Die meisten denken bei Zeppelin nur an das Luftschiff.“ Auch hoffe er, den ein oder anderen neuen Mitarbeiter über die Werbung zu gewinnen. „Es wird schließlich immer schwieriger, Fachkräfte zu finden.“

Einfluss auf die Ausrichtung des Vereins wolle das Unternehmen auf keinen Fall nehmen – „nur absteigen sollten Sie besser nicht“, sagt Gerstmann mit einem Lächeln in Richtung Spielertrainer Daniel Di Leo und der sportlichen Leitung. Das haben sie beim VfB auch keineswegs vor. Nach Platz zwei und dem verpassten Aufstieg in der Relegation in der Vorsaison möchte der VfB auch in diesem Jahr wieder vorne in der Landesliga mitspielen. „Unser Ziel ist ein Platz zwischen eins und sechs“, sagt Dalibor Buspanovic, Vorsitzender der VfB-Fußballabteilung. Ein Aufstieg sei aber auch trotz der neuen finanziellen Möglichkeiten keine Pflicht – weder in diesem noch in den beiden kommenden Jahren der Kooperation mit Zeppelin. Bei den Aktiven habe man sich bewusst für einen Umbruch entschieden und setzt nun verstärkt auf Spieler aus der eigenen Jugend.„Wir müssen jetzt erst mal schauen, wie sich die Mannschaft entwickelt“, sagt Dalibor. Gegebenenfalls werde man die junge Mannschaft nach der Saison mit dem ein oder anderen erfahrenen Spieler ergänzen. „An unserer Ausrichtung wird das aber nichts ändern.“

Auch die Zusammenarbeit mit Zeppelin nicht. Das Sponsorengeld werde nicht gezielt für neue Spieler der ersten Mannschaft eingesetzt, sondern fließe in den Gesamtetat der Fußballabteilung, so Dalibor. Damit würden Jugendtrainer genauso bezahlt wie Schiedsrichter. „Auch die Auswärtsfahrten kosten eine Menge Geld“, sagt der Vorsitzende.

Klar ist, dass Peter Gerstmann auch mal im Stadion vorbeischauen will, um sich von der Entwicklung des Vereins zu überzeugen. Das Angebot von Spielertrainer Daniel Di Leo, auch mal bei einem Spiel mitzuspielen, lehnte der Zeppelin-Chef jedoch dankend ab: „Das ginge höchstens, wenn ihr zweistellig führt.“ Da hilft auch die Nummer 10 nichts.

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