Neue Saison, gewohntes Ergebnis

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 Ein Lächeln zum Auftaktsieg: VfB-Außenangreifer Robert Aciobanitei (rechts) fügt sich mit 13 erzielten Punkten gut in den Häfl
Ein Lächeln zum Auftaktsieg: VfB-Außenangreifer Robert Aciobanitei (rechts) fügt sich mit 13 erzielten Punkten gut in den Häfler Kader ein. (Foto: Günter Kram)
Sportredakteur

In den vergangenen Spielzeiten ist der VfB Friedrichshafen aus dem Schwaben-Derby der Volleyball-Bundesliga gegen den TV Rottenburg in schöner Regelmäßigkeit als Dreisatzsieger hervorgegangen. So gesehen, durfte das 3:0 (20:20, 25:18, 25:17) der Häfler zum Auftakt der Bundesligasaison 2018/19 am Samstagabend vor 2300 Zuschauern in der Tübinger Paul-Horn-Arena durchaus erwartet werden.

Wenn man allerdings weiß, dass die Mannschaft des VfB und ihr Trainer Vital Heynen wegen weltmeisterlicher Verpflichtungen des Coaches vor dem Auftaktspiel nur vier gemeinsame Trainingseinheiten absolvieren konnten, war der souveräne Sieg letztlich weniger holprig, als auch von Heynen befürchtet.

Der VfB, amtierender Vizemeister, präsentierte sich solide, profitierte jedoch auch vom Verletzungspech der Gastgeber. Dem fehlte etwa fast die gesamte Vorbereitung Außenangreifer Idi, früher auch mal Publikumsliebling beim VfB, wegen eines Patellasehnenabrisses. Am Samstag war er aber wieder dabei. Anfang Oktober hantierte Rottenburgs Zuspieler und Ex-Youngstars Janis Hopt zu Hause ungeschickt mit einem Messer an einem gefrorenen Brotlaib, schnitt sich dabei in seine Hand und muss voraussichtlich noch bis November pausieren. „Wir haben dadurch in den zwei Wochen vor dem Saisonstart nichts mehr drauflegen können“, bedauerte TVR-Coach Hans Peter Müller-Angstenberger den Aderlass in seinem Kader. Nichts von der akuten Verletzungsmisere im Rottenburger Lager wusste im Vorfeld angeblich Vital Heynen. Der hat auch ganz andere Probleme. „Meine Mannschaft ist sechs Wochen mit den Co-Trainern zusammen und mit mir gerade mal vier Tage“, beschrieb Heynen sein derzeit wohl größtes Dilemma. Hinzu gesellen sich die Nachwehen des WM-Titelgewinns mit der polnischen Nationalmannschaft. „Ich habe bislang gefühlte 7334 Interviews gegeben“, scherzte der 49-Jährige.

Für den ersten Saisonsieg benötigte der VfB fast genau 90 Minuten reine Spielzeit – und sah sich dabei einem Gegner konfrontiert, der den Häflern zumindest während der ersten Hälfte aller drei Sätze alles abverlangte. Jeweils mit knapper Gästeführung (8:7) ging es in die technische Auszeit. Vor allem Idi, mit zwölf Punkten Rottenburgs Topscorer des Abends, vernarrte den VfB-Block ein ums andere Mal. Mal schlug er ihn von außen an, mal von unten, mal fand er die Lücke. Phasenweise stark agierten auch Idis Außenangreiferkollege Timo Schippmann, der erst 18-jährige Ballverteiler Jan Röling und Johannes Mönnich, der in Satz zwei den enttäuschenden Alex Duncan-Thibault auf der Diagonalen vertrat. „Die haben einen Schritt nach vorne gemacht“, lobte denn auch Vital Heynen den Auftritt des Ligakonkurrenten.

Und der VfB? Blieb sich gegenüber der Vorsaison treu, wartete geduldig seine Chancen ab – um im entscheidenden Moment die richtigen Akzente zu setzen. Heynen schickte Neuzugang Robert Aciobanitei und David Sossenheimer (Außen/Annahme), Jakob Günthör und Philipp Collin (Mitte), den neuen Zuspieler Jakub Janouch, Libero Markus Steuerwald und Diagonalangreifer Bartlomiej Boladz aufs Parkett. Die Starting Six blieb fast bis zum Schluss zusammen und setzte sich im Laufe jedes Durchgangs letztlich ab. Lediglich die mehrminütige Unterbrechung beim 21:12 im zweiten Satz, als die offizielle Sirene mitten in einem Ballwechsel plötzlich losbellte und Diskussionen um den korrekten Zwischenstand entflammten, brachte die Häfler kurzzeitig aus dem Konzept. Rottenburg konnte noch auf 17:23 verkürzen, zu viel mehr reichte es allerdings nicht.

Eine Schippe draufgelegt

Vor allem im dritten Durchgang hatte Rottenburg dem druckvollen Aufschlag (sechs Asse) und Angriffsspiel der Gäste kaum etwas entgegenzusetzen. Der VfB legte hier noch eine Schippe drauf. Heynen brachte Athanasios Protopsaltis und kurz darauf Martin Krüger im Zuspiel. Der Grieche punktete dreimal binnen kurzer Zeit zum ersten Matchball, welchen Günthör mit einem raffinierten Service sofort verwandelte. „Das mit dem Aufschlag und dem schnellen Angriff nach der Annahme haben wir heute gut gemacht“, analysierte Vital Heynen. Um sogleich hinzuzufügen, dass in seiner Mannschaft noch viel Luft nach oben sei. „Ich habe noch 99 Kleinigkeiten, die wir verbessern müssen“.

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