Nach DM-Titel ist WM-Teilnahme das große Ziel

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Von nichts, kommt nichts: 19-jähriger Dejan Lotina arbeitet hart für den Erfolg beim Sportkegeln.
Von nichts, kommt nichts: 19-jähriger Dejan Lotina arbeitet hart für den Erfolg beim Sportkegeln. (Foto: ded)
Schwäbische Zeitung
Jochen Dedeleit

Dejan Lotina hat sich als „normaler“ Sportkegler der Sportfreunde Friedrichshafen zu den Deutschen U-23-Meisterschaften verabschiedet, zurückgekehrt ist der 19-jährige Mariabrunner als nationaler Titelträger. Im Finale am DM-Schauplatz Schönebeck gelang es Lotina, der aus einer kegelbegeisterten Familie stammt, ein weiteres Mal die 600-Holz-Schallmauer zu durchbrechen, was den Schüler des Technischen Gymnasiums besonders stolz machte. Der zusätzliche Lohn für die Strapazen bei den zuletzt herrschenden Temperaturen: Dejan Lotina wurde in die deutsche Nationalmannschaft berufen, für die er 2018 bei der U23-WM in Rumänien abräumen will.

„Wir müssen ihn wieder auf den Boden zurückholen“, lacht Ingo Bubeck, der Betreiber der Kegelbahnen in der Bodenseesporthalle, als Dejan Lotina eine der vier Bahnen, die für die Mitglieder der Kegelsportabteilungen der TSG Ailingen, des VfB Friedrichshafen sowie der Sportfreunde Friedrichshafen seit vielen Jahren die zweite Heimat bilden, nicht so verlässt wie von Bubeck gewünscht. Der 19-Jährige macht in seinem ersten Jahr in der U23 allerdings keinen abgehobenen Eindruck, vielmehr den eines normalen Jugendlichen. Wobei „normale“ Jugendliche selten so viele Stunden auf einer Kegelbahn verbringen. Und nicht nur das: Dejan Lotina fährt zudem Rad, schwimmt und joggt, dass seiner Leidenschaft auch entsprechende Ergebnisse folgen.

Nicht so trainingseifrig

Und macht damit seinem Onkel etwas vor: Darko Lotina ist zwar ehemaliger Mannschafts-Weltmeister, doch hat er dies mehr seinem Talent als seinem Trainingseifer zu verdanken. Aber für den Kapitän der Sportfreunde, die heuer in der Verbandsliga als Vizemeister den Aufstieg verpasst haben, gibt es als Familienvater nicht nur den Kegelsport. Seine Nominierung für das serbische Nationalteam zur WM 2009 kam auf Grund seiner Spitzenposition in der Einzelrangliste zustande. Schon wenig später meinte der in Friedrichshafen geborene Darko Lotina jedoch lachend: „Ich bin kurzfristig in die Mannschaft gekommen, schnell Weltmeister geworden und war fast so schnell wieder draußen.“ Heuer trat Darko Lotina für Bosnien an, der große Wurf blieb aber aus.

Darkos Bruder Zdravko, Dejans Vater und Trainer, ist Coach und Kapitän der „Zweiten“ in der 1. Bezirksliga (das Team wurde Meister), hilft aber immer wieder in der Verbandsliga aus. Dort sind dann mit dem neuen Deutschen Meister drei Lotinas im Einsatz. Wobei auch Darkos Frau Dragana, die ebenfalls Bundesliga gespielt hat, und Mutter Nada Gefallen am Kegelsport haben. Alle wohnen im selben Haus in Mariabrunn, was das Fachsimpeln und Analysieren nach Wettkämpfen vereinfacht. „Wir hatten schon erwartet, dass er bis ins Halbfinale kommt, aber der Titel war schon stark“, meinte ein zufriedener wie stolzer Vater Zdravko. Dejan verließ die Bodensee-Sporthalle mit dem Wunsch, am zweiten Tag hoffentlich noch mitzumischen, „nachdem ich aber die Konkurrenz beobachten konnte und ich schnell mit der Bahn zurechtkam, wollte ich schon mehr“, so der 19-Jährige.

605 Holz nach den 120 Wurf im Finaldurchgang, „2015 habe ich das erste Mal die 600 geknackt“, weiß Dejan Lotina. Mit 15 Jahren hat er mit dem Kegeln begonnen, bereits ein Jahr später seien die 600 Holz das Ziel gewesen. „Im Training ist es öfters gelungen, ich wollte sie aber offiziell auf dem Spielberichtsbogen sehen.“ 638 hat der Mariabrunner als Bestleistung stehen, heuer in Trossingen gespielt. Wie die ersten 600 in seiner Karriere in dem Präzisionssport, die 2015 mit dem Württembergischen U18-Meistertitel richtig anlief. 2016 folgte DM-Platz drei mit Aulendorf, für die Dejan als Gastspieler im Einsatz war. Denn das ewige Leid der Sportfreunde ist, dass sie auf keine eigene Jugend bauen können.

Klare Meinung

Auch die Kumpel von Dejan Lotina ziehen derzeit das Strandbad vor, auf Diskussionen, dass das Kegeln in der breiten Öffentlichkeit weiter allenfalls als Beschäftigung für diverse Stammtischbesetzungen durchgeht, will sich der 19-Jährige gar nicht erst einlassen. Und dass für ihn nur der Einsatz für das deutsche Nationalteam infrage kommt. „Ich bin hier geboren. Zudem sind die so gut, die brauchen mich nicht“, lacht Dejan, dessen Vorbild aus der serbischen Mannschaft, die 2017 in Dettenheim/Frankfurt vor Ungarn und Deutschland wieder Weltmeister wurde, kommt. Vilmos Zavarko hält mit 755 Holz den Weltrekord, „ich habe mir schon einige Dinge von ihm abgeschaut, auch wie er sich auf der Bahn verhält“, meint Dejan Lotina, für den es am 26. Juli im Sportpark Rabenberg ernst wird. Dann steht der Nationalmannschaftslehrgang an.

Amüsantes Detail am Rande: Wolfgang Lutz ist der Trainer der deutschen U23. Und auch Coach des KC Schrezheim. Diese wurden wiederum Meister in der Verbandsliga und verhinderten somit den Titel der Sportfreunde. „Ja, wir kennen uns“, lacht Dejan Lotina, dessen Berührungspunkte mit Lutz somit nicht nur im E-Mail-Verkehr mit dem Erfolgstrainer bestehen.

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