Nach Brand in der Tiefgarage: Sanierung wird Monate dauern

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Wo Elektroautos geparkt waren, sind tiefe Brandspuren zu erkennen. Norbert Schültke geht davon aus, dass dort zur Stabilisierung
Wo Elektroautos geparkt waren, sind tiefe Brandspuren zu erkennen. Norbert Schültke geht davon aus, dass dort zur Stabilisierung ein Träger aufgebaut werden muss. (Foto: simon siman)
crossmediale Volontärin

Nach den Bränden in der Häfler Innenstadt am Sonntagmorgen laufen die Ermittlungen weiter: Der mutmaßliche Täter hat gestanden, die Brände in der Tiefgarage und in dem Ladenlokal gelegt zu haben. Im Parkhaus beginnt die Räumung – der Schaden für die Sanierung schätzt der Betreiber, das Stadtwerk am See, am Mittwoch auf eine siebenstellige Summe. Ob die Tiefgarage noch in diesem Jahr wieder eröffnet, ist unklar.

Oberstaatsanwalt Wolfgang Angster von der Staatsanwaltschaft Ravensburg bestätigt, dass der 29-jährige Deutsche pauschal eingeräumt habe, die Autos im Parkhaus am See sowie das Ladenlokal „Friedrich“ an der Karlstraße angezündet zu haben. Der Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter stützt sich auf Brandstiftung, beziehungsweise schwere Brandstiftung. Im Fall des Brands am Stadtbahnhof wird nicht gegen den Mann ermittelt. Der 29-Jährige sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Spuren eines der ausgebrannten Autos,
Spuren eines der ausgebrannten Autos, (Foto: Nadine Sapotnik)

Dazu, ob er in der Vergangenheit bereits Straftaten begangen hat, liegen der Staatsanwalt keine Informationen vor. „Es ist grundsätzlich möglich, dass der mutmaßliche Täter vor fünf, acht oder zehn Jahren eine Straftat begangenen hat, die wir heute nicht mehr einsehen können, weil sie aus dem System gelöscht wird. Der Vorgang ist dabei der gleiche, wie bei Verkehrsvergehen“, sagt Angster. Er geht davon aus, dass sich der mutmaßliche Täter in rund zwei Monaten vor dem Gericht beim Prozessauftakt verantworten muss. Wie der mutmaßliche Täter die Autos und das Ladenlokal in Brand gesetzt hat, steht zum jetzigen Zeitpunkt nicht fest. Augenzeugen berichten, dass ihnen nicht aufgefallen sei, dass der Mann auffällige Gegenstände bei sich trug, als er versuchte den Blumenkübel in das Schaufenster des Waffenladens zu werfen.

Brandwerkzeug ist unbekannt

Stadtbrandmeister Louis Laurösch war bei den Bränden selbst im Einsatz. Auch für ihn ist es nicht nachvollziehbar, wie der mutmaßliche Täter die Feuer gelegt hat. „Als wir dort ankamen, waren die Fahrzeuge bereits völlig ausgebrannt“, sagt er. Von anderen Bränden wisse er, dass nicht viel Werkzeug dazu nötig sei, ein Auto in Brand zu stecken. „Wir hatten schon einige Fälle, da reichte eine brennende Zigarette völlig aus, damit ein Auto ausgebrannt ist. Das Feuer breitet sich rasant über den Schaumstoff der Fahrsitze aus“, sagt Laurösch. Gerüchten nach denen der 29-Jährige auch versucht hat an anderen Stellen in Friedrichshafen Brände zu legen, bestätigt die Polizei nicht. „Uns liegen dazu keine Informationen vor“, sagt Markus Sauter, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz.

An den Stellen sind die Autos nahezu mit dem Boden der Tiefgarage verschmolzen

Norbert Schültke, Mobilitätsverantwortlicher beim Stadtwerk am See

Drei Tage nach dem Brand sind im Parkhaus am See deutliche Spuren sichtbar. Die Elektrizität auf den oberen Etagen funktioniert nicht, das Parkhaus ist verrußt und besonders dort, wo Elektroautos standen, sind starke Brandrückstände sichtbar. „An den Stellen sind die Autos nahezu mit dem Boden der Tiefgarage verschmolzen“, sagt Norbert Schültke, Mobilitätsverantwortlicher beim Stadtwerk am See. Er geht davon aus, dass dort noch ein Träger zur Stabilisierung des Parkhauses aufgestellt werden muss. Der Bereich ist auch von oben auf der Karlstraße durch Absperrungen deutlich gekennzeichnet.

Die meisten Besitzer haben ihre Autos bereits aus dem Parkhaus am See abgeholt. Rund 27 Autos von den ursprünglichen rund hundert Wagen, die während des Brand dort abgestellt waren, standen am frühen Mittwochabend noch in der Tiefgarage. „Einige Fahrzeughalter müssen ihre Autos auch so lange stehen lassen, bis ein Sachverständiger der Versicherung der Halter ausrückt, um den Schaden zu begutachten“, sagt Schültke. Bei den entstandenen Schäden greifen die Versicherungen der jeweiligen Halter, nicht der des Betreibers.

Ruß hat sich überall abgesetzt.
Ruß hat sich überall abgesetzt. (Foto: nadine Sapotnik)

In den kommenden Tagen werden weitere Gutachter die Schäden im Parkhaus begutachten. Schültke rechnet damit, dass sich der Schaden auf eine siebenstellige Summe belaufen wird – und dass, obwohl das Stadtwerk am See erst vor rund einem Jahr die Generalsanierung des Parkhauses am See für rund zwei Millionen Euro abgeschlossen hatte.

Zurzeit wird auch das Altstadt-Parkhaus, das ebenfalls das Stadtwerk betreibt, saniert. „Wir haben dort gerade einen Bauabschnitt abgeschlossen und werden die Sanierung nun erst einmal unterbrechen, bis wir wissen, wann das Parkhaus am See wieder nutzbar ist. Dorthin können die Autofahrer nun ausweichen und parken“, sagt Schültke. Er ist sich nicht sicher, ob die Tiefgarage noch in diesem Jahr öffnet.

Ursache für Brand an Stadtbahnhof bleibt unklar

Die Ursache für den Brand in der Lagerhalle in der Nähe des Häfler Stadtbahnhofes am Sonntag ist weithin unklar. „Die Ermittlungen laufen“, sagte Polizeisprecher Markus Sauter am Mittwochmorgen der „Schwäbischen Zeitung“.

Der 29-jährige Deutsche, der gestanden hat, die Brände im Raumausstattungsgeschäft Friedrich an der Karlstraße und im Parkhaus am See gelegt zu haben, habe die am selben Tag begangene Tat in der Eugenstraße „nicht eingeräumt“.

Die ausgebrannte Lagerhalle gehört der Deutschen Bahn. Diese hat sich Mittwoch noch nicht zu dem Vorfall geäußert: Weder steht fest, was in dem Gebäude gelagert war, noch, wie hoch der Schaden ist.

 Die ausgebrannte Lagerhalle in der Eugenstraße.
Die ausgebrannte Lagerhalle in der Eugenstraße. (Foto: Christina Mikalo)

Stadtbrandmeister Louis Laurösch sagte, dass es sich bei dem Vorfall an der Eugenstraße um einen Großbrand gehandelt habe – dem ersten Großeinsatz für die Feuerwehr in der Nacht. Um kurz vor Mitternacht sei die Feuerwehr am Dienstag über den Brand informiert worden und mit zwei Löschzügen zum Stadtbahnhof ausgerückt. Auch das DRK und die Johanniter seien vor Ort gewesen.

Zur Zeit des Eintreffens der Einsatzkräfte seien bereits „schwarzer Rauch und Flammen“ über dem Gebäude sichtbar gewesen. Laut Laurösch hat die Arbeit der Einsatzkräfte insgesamt bis 5.20 Uhr in der Früh gedauert. Nach dem Löschen des Brands seien kurz nach 4 Uhr morgens immer wieder „Glutreste aufgeflackert“, sodass die Brandwache zum Einsatz kam. Das habe die Löscharbeiten in die Länge gezogen.

Polizei fasst mutmaßlichen Brandstifter
Drei Großbrände in der Innenstadt - Kurz vor Silvester hat eine Brandserie Friedrichshafen in Atem gehalten. Mehrere Fahrzeuge gehen in Flammen auf und ein Geschäft brennt aus. Mittlerweile ist der mutmaßliche Täter gefasst.

Außerdem habe es eine „starke Rauchentwicklung“ gegeben. Der Rauch sei, so der Stadtbrandmeister, nach „Osten zum Franziskuszentrum und in die Charlottenstraße weitergezogen“. Im Franziskuszentrum sei er in den Eingangsbereich und in die Flure eingedrungen und habe dort eine Brandmeldeanlage ausgelöst.

Mit dem darauffolgenden Brand in der Tiefgarage um 5.23 Uhr sei es laut Louis Laurösch eine „recht anstrengende“ Nacht für die Feuerwehr gewesen.

Aber immerhin: Verletzt wurde bei dem Brand des Lagerschuppens laut Angaben der Polizei und der Feuerwehr niemand.

Drei Großbrände in einer Nacht: Eine mögliche Brandstiftung hält Friedrichshafen in Atem. Schwäbische.de filmt exklusiv in dem noch verrauchten Parkhaus am See.
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