Musikverein überzeugt mit „Märchen und Sagen“

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Das Schlussbild „Alpina Saga“ von Thomas Doss.
Das Schlussbild „Alpina Saga“ von Thomas Doss. (Foto: Christian Lewang)
Gerd Kurat

Zu den traditionellen bunten Weihnachtsternen am linken Bühnenrand kam beim Jahreskonzert des Musikvereins Jettenhausen rechts ein Wohnzimmer mit Ohrensessel, Musiktruhe und „loderndem“ Kaminfeuer hinzu. Hinter den Musikern erblickten die Zuhörer einen Zauberwald, Erdkugel und Projektionsleinwand. Dirigent Thomas Martin hatte nämlich Musikstücke zum Thema Märchen und Sagen herausgesucht. So war alles angerichtet für einen unterhaltsames, abwechslungsreiches Konzert.

Vorstand Michael Wouters gab nach wohltuend kurzer Begrüßung das Mikrophon auch gleich an die beiden heimlichen jungen Stars des Abends weiter. Anika Stützle und Pia Martin führten vom „Wohnzimmer“ aus mit deutlicher Sprache und äußerst charmant mit hilfreichen Texten von Melanie Großmann durch das Programm.

Ein runder Konzerteinstieg mit kraftvollen Fanfaren über Holzgirlanden gelang mit den „Sommergeschichten“ von Georg Stich. Kleine Soli von Flügelhorn oder Flöte über sauberen Blechharmonien ergaben flirrende Stimmungsbilder. Der Abschnitt im schnellen Walzertempo lebte von schönen Registerwechseln in spanischem Kolorit. Das Concertino für Klarinette von Carl Maria von Weber, komponiert für den Ausnahmemusiker Baermann, fordert sowohl Virtuosität, aber auch Gestaltung und lyrischen Ausdruck im ganzen Tonbereich des Soloinstruments. Für den Mut, sich dieser Herausforderung zu stellen, bekam Nina Federle viel verdienten Beifall.

Die Aufführung der „Alpina Saga“ von Thomas Doss ließ keine Wünsche offen. Kompakte Blechfanfaren lockten vom Berg hinunter ins Tal. Intensive Holztriller, füllige Harmonien standen für die Schönheit der Gipfel. Sicher führte Martin durch die komplizierten Taktwechsel, mit hellwachem Schlagwerk, für die zu überwältigenden Klippen beim Aufstieg. Stimmige Hornsignale leiteten in die glasklare Sternennacht vor der Berghütte, während der Gesang der Musiker das Raunen der Naturgeister durchschimmern ließ. Ein strahlendes Tutti schilderte die Ankunft im Tal nach dem Abstieg am nächsten Tag. Treffende Projektionen unterstützten das monumentale Klangerlebnis. Schöne Klangfarbenwechsel, klangvolle Soli von Tenorhorn, Flöte und Klarinette hörte man in „Saga“ von Kurt Gäble. Stilistisch gut herausgearbeitet war dabei die Verbindung von mittelalterlichen Klängen mit moderner Tonsprache.

Sehr heimelig wurde es bei „Hänsel und Gretel“. Zur Musik von Engelbert Humperdinck, in einer guten Bearbeitung von Siegmund Andraschek, erzählte „Märchenonkel“ Michael Wouters im Ohrensessel sitzend das Grimm-Märchen. Nach „Suse liebe Suse“ oder „Ein Männlein steht im Walde“, immer in kleiner Besetzung präsentiert, entwickelte sich der „Abendsegen“ zum festlichen Hymnus. Sehr erfrischend, schwungvoll mit guter Rhythmusgruppe und gefühlvollen eingeschobenen Soli von Altsaxophon und Tenorhorn war der Ausflug zum japanischen Sternenfest mit „The Seventh Night of July“ von Itaru Sakai.

Ein runder Abschluss gelang den Musikern schließlich unter Thomas Martin mit dem zündenden Marsch „Der Märchenkönig“ von Timo Dellweg. Nach lange anhaltendem Beifall wurden die zahlreichen Zuhörer mit der Fantasie über „Maria durch ein‘ Dornwald ging“ und „Macht hoch die Tür“ stimmungsvoll in den ersten Advent geleitet.

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