Musikcafé dient als Brückenschlag zur eigenen Orientierung

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Musik, Bewegung und Spaß stehent im Vordergrund: (von links) Monika Knöbelspies (ehrneamtliche Mitarbeiterin) , Musikgeragogin T
Musik, Bewegung und Spaß stehent im Vordergrund: (von links) Monika Knöbelspies (ehrneamtliche Mitarbeiterin) , Musikgeragogin Tina Manig, Larissa Bentele (FSJ), Karl-Heinz Jaekel (Leiter Sozialarbeit bei DRK Kreisverband Bodensee) und Bruna Wernet (Fachbereichsleiterin Arbeit mit Demenzkranken beim DRK Kreisverband) - zusammen Teilnemehmern der Mittwochs-Demenzgruppe des DRK. (Foto: Brigitte eiselhart)
Brigitte Geiselhart

Eine neue ambulante Betreuungsgruppe für Menschen mit Demenz bietet der DRK-Kreisverband Bodenseekreis an. Seit September wird jeden Mittwoch von 14 bis 17 Uhr in den DRK-Räumlichkeiten in der Rotkreuzstraße zum „Musikcafé“ eingeladen. Diese Demenzgruppe hat sich unter der Leitung von Tina Manig, ausgebildete Pflegefachkraft, Musikpädagogin und Musikgeragogin, einen besonderen musikalischen Schwerpunkt gesetzt.

Die Musikgeragogik ist eine Fachdisziplin, die sich mit musikbezogenen Vermittlungs- und Aneignungsprozessen sowie musikalischer Bildung im Alter beschäftigt. Sie geht davon aus, dass für das Musizieren im Alter Aspekte wie biographische Orientierung, intergenerative und kultursensible Orientierung, Lernen bei geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen sowie Validation von besonderer Bedeutung sind. „Musik kann ein Brückenschlag zur eigenen Orientierung, Sicherheit und Erinnerung sein und somit auch Wohlbefinden schaffen“, sagt Tina Manig. „Bei der Musikgeragogik stehen die Freude am eigenen musikalischen Tun und das Erleben in der Gruppe im Vordergrund. Musik solle aber auch im Zusammenhang mit Bewegung die körperliche und geistige Aktivierung fördern. Die musikalischen Inhalte können demnach ganz unterschiedlich sein und sich an der Jahreszeit oder auch in Festen und Bräuchen im Jahresverlauf orientieren, betont die Expertin. Wichtig sei aber auch, lieb gewonnene Rituale einzuhalten, wie etwa das gemeinsame Kaffeetrinken, oder ein gewonnenes Eingangs- und Schlusslied.

„Der Herbst ist da.“ Ein passendes Lied, das an diesem Mittwochnachmittag leicht von den Lippen geht. Dass in dieser Gruppe nicht zuletzt viel gelacht wird, das können Karl-Heinz Jaekel als Leiter Sozialarbeit bei DRK Kreisverband Bodensee und Fachbereichsleiterin Bruna Wernet bestätigten. Das Thema „Demenz“ werde nach wie vor vielfach als stigmatisierend empfunden. Viele Angehörigen suchten deshalb erst dann nach Unterstützung, wenn sie selber körperlich und psychisch am Ende seien, so ihre Erfahrung.

Mittlerweile nehmen die Teilnehmer Tücher in die Hand und schwenken diese kräftig. Es geht in Richtung Martinsfest. Auch Monika Knöbelspies, ehrenamtliche Kraft, und Larissa Bentele, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, motivieren und singen kräftig mit: „Durch die Straßen auf und nieder leuchten die Laternen wieder.“ Neben dem „Musikcafé“ bietet der DRK-Kreisverband Bodenseekreis einen zweiten Betreuungsnachmittag für Menschen mit Demenz an, der jeweils montags von 14 bis 17 Uhr, ebenfalls im Rotkreuzzentrum in Friedrichshafen stattfindet.

Fahrdienste werden angeboten. Die Betreuungsangebote sind anerkannt als Unterstützungsangebote im Alltag. Gebühren können über die Pflegekasse abgerechnet werden.

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