„Musikalisch ist alles erlaubt, solange es vom Herzen kommt“

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Chorleiter Sönke Wittnebel unterstützt am Klavier seinen Gospelchor.
Chorleiter Sönke Wittnebel unterstützt am Klavier seinen Gospelchor. (Foto: leo)
Leona Remler

Musik besteht nicht nur aus Liedtexten, vielmehr zählen der Rhythmus, die Melodie und die Emotionen. Dass dies die Stärken des Gospelchors „Almost Heaven“ sind, ist den Besuchern beim Jahreskonzert am Samstag in der Schlosskirche schnell klar geworden. Das Benefizkonzert war der Höhepunkt von vielen Auftritten dieses Jahres in und außerhalb von Friedrichshafen, und so waren die Kirchenreihen und die Orgelemporen bis auf den letzten Platz gefüllt.

Selbst Gäste aus Italien wurden begrüßt. Die eingenommenen Spenden kommen der Renovierung der Schlossorgel zugute. 29 Sängerinnen und acht Sänger eröffneten unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Sönke Wittnebel das Konzert und bewegten sich im Takt zur Musik den Kirchenmittelgang voran, hin zum Altar. Durch die festlichen blauen und orangenen Gewänder der Sänger, ergänzt durch den präzisen Minimalismus der Lichttechnikerin Nina Thiele, wurde ein Bühnenbild erschaffen, das anmutend an Flammen erinnerte und die spirituellen Inhalte optisch untermalte.

Musik kann Menschen verbinden, weshalb Wittnebel seine Zuhörer zum gemeinsamen Singen, Klatschen und Jubeln einlud, denn ein wesentliches Merkmal des Gospels ist das „Call and Response“-Muster. Ein Vorsänger fordert den Chor und die Besucher zu einer gesanglichen Antwort auf, und so ließen es sich die Chorsängerinnen- und sänger aus der Leidenschaft des Spirituals heraus nicht nehmen, Jubelrufe wie „Halleluja“ einzuwerfen. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ erzählte der Chorleiter, dass die Improvisation am meisten Spaß mache. „Musikalisch ist alles erlaubt, solange es vom Herzen kommt.“

Publikum ist bewegt

Das Konzert wurde mit der Performance des Liedes „I wanna be ready walking in Jerusalem“ eröffnet und erzeugte einen der vielen Gänsehautmomente an diesem Abend. Der Hall des Klaviers in der Kirche, gepaart mit dem reduzierten Einsatz von Musikinstrumenten wie einem Egg Shaker und einem Tamburin, ließen dem mehrstimmigen Singvolumen Raum und das heimische Publikum nicht stillsitzen.

Bernd Frebel war an dem Abend verantwortlich für die Tontechnik und führte reibungslos durch das Konzert. Typisch für das Genre Gospel ist die Spiritualität in den Texten, folglich gestaltete der Chor durch Übersetzungen zu den überwiegend englischsprachigen Titeln eine Brücke zum Zuhörenden und transportierte den Inhalt durch choreografische Elemente und Bewegungen, wie der Veranstalter mitteilte.

Ein Höhepunkt war wohl das Zusammensingen im Kanon, als das Publikum – eingeteilt in das linke und rechte Kirchenschiff – harmonierend mit dem Chor ein Lied anstimmte. Das bunte Potpourri von extrovertierten und ruhigen, besinnlichen Spirituals fand Anklang und schaffte eine Wohlfühlatmosphäre. Zuhörerin Lilo Seubert war begeistert von dem Konzertabend und schwärmte von der Emotionalität in den Liedern: „Es berührt einen. Ganz toll!“

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