Über gute Ausbildung als Fundament unserer Gesellschaft diskutieren auf dem Podium (von links) Norbert Veser, Vice-President Saf
Über gute Ausbildung als Fundament unserer Gesellschaft diskutieren auf dem Podium (von links) Norbert Veser, Vice-President Safety & Quality Management bei RRPS, Moderator Rolf Benzmann von Regio TV, Sabine Schuler-Seckinger, Leiterin der St. Elisabeth, Helene Sommer von der IG Metall und Andreas Schell, Vorstandsvorsitzender von RRPS. (Foto: Siegfried Großkopf)
Siegfried Großkopf

Mit einer eindrucksvollen Feier hat die MTU als Kernunternehmen der Rolls-Royce Power Systems AG am Donnerstagabend im Ferdinand-Porsche-Haus ihr Jubiläum „100 Jahre duale Ausbildung bei MTU“ gefeiert. Als erstes Unternehmen in der Region hatte das MTU-Vorgängerunternehmen Maybach-Motorenbau GmbH im Jahr 1919 auf Initiative von Karl Maybach die Einrichtung einer dauerhaften Lehrwerkstatt mit eigener Werkschule beschlossen. Seither lernten und lernen rund 8000 junge Menschen bei MTU ihren Beruf oder absolvierten ein duales Studium.

Andreas Schell, Vorstandsvorsitzender von Rolls-Royce Power Systems, betonte in seinen Grußworten die 100 Jahre später wachsende Bedeutung gut ausgebildeter Facharbeiter und lobte den einstigen Pioniergeist von Karl Maybach und dessen Ingenieuren: „Die Motivation, eine vorbildliche, aufwändige Ausbildung anzubieten, hat sich seit Karl Maybachs Zeiten nicht geändert.“ Die Ausbildung müsse sich mit dem Unternehmen bewegen. „Und wir bewegen uns gerade massiv“, sagte er. Die Auszubildenden spielten bei der Umsetzung der Strategie PS 2030, das Kerngeschäft rund um den Verbrennungsmotor auszubauen und gleichzeitig mit Hybridisierung, Elektrifizierung und Digitalisierung das Unternehmen zum Lösungsanbieter zu transformieren, eine entscheidende Rolle.

International guter Ruf

„Bleiben Sie offen, lernen Sie im Team zu arbeiten“, rief Schell den Auszubildenden zu, denn die komplexen Probleme seien heute nicht mehr von Einzelkämpfern zu lösen. Wie begeistert der RRPS-Chef von der Ausbildung im eigenen Unternehmen ist, zeigte sich an seiner Bemerkung, den eigenen Söhnen dort eine Ausbildung zu empfehlen. Eine Krawatte in den MTU-Farben hatte Bürgermeister Dieter Stauber umgebunden und die Glückwünsche der Stadt überbracht. Er erinnerte an die Anfänge 1919 und lobte die Karrieremöglichkeiten beim Geburtstagskind – auch ohne Studium – was dem international einen hervorragenden Ruf genießenden dualen Ausbildungssystem zu verdanken sei. Nicht selten, wusste Stauber, waren vor Ort mehrere Generationen bei MTU/RRPS beschäftigt.

Betriebsratsvorsitzender Thomas Bittelmeyer erinnerte in seinem Rückblick auf die vergangenen 100 Jahre nicht nur an die „Hochs“ sondern auch an einige „Tiefs“. Die Qualität der MTU-Ausbildung habe sich permanent verbessert und genieße heute einen extrem hohen Stellenwert innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Welche Karrieren möglich sind, streifte er am Beispiel von Werner Niefer, einst Lehrling im Haus, später stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei Daimler Benz. Eine Ausbildung sei allerdings nicht automatisch ein Erfolgsmodell. Zum Erfolg brauche es gute Ausbilderinnen und Ausbilder in einem sich ständig im Wandel befindlichen Arbeitsmarkt. Die Spezies, die sich diesem Wandel anpassen, sei am erfolgreichsten.

„Gute Ausbildung – Fundament einer Gesellschaft“, war das Thema einer Podiumsdiskussion mit Norbert Veser (RRPS), Helene Sommer (IG Metall), Sabine Schuler-Seckinger (Schulleiterin St. Elisabeth) und Andreas Schell unter der Moderation von Rolf Benzmann von Region TV Bodensee. Dabei berichtete Sabine Schuler-Seckinger von ihrem Werben bei Mädchen für technische Berufe und der Bedeutung für die Schüler die eigenen Fähigkeiten zu erkennen und daran, dass auch erste Irrwege Chancen eröffnen könnten, den richtigen Weg zu finden. Gelernt werden sollte auch, mit dem (ersten) Scheitern umzugehen.

Gute Chancen ohne Studium

Die Chancen einer Berufsausbildung im Vergleich zum Studium hob Helene Sommer hervor und Andreas Schell stellte „stark in Frage“, ob ein Studienabgänger heute bessere Chancen habe. Das sei kein Automatismus. „Macht das, was ihr macht, mit Leidenschaft, denn die spielt eine ganz große Rolle“, rief er den Auszubildenden zu. Norbert Veser sieht Unternehmen in der Pflicht, auszubilden. Ohne die Fähigkeit auszubilden erreichten diese nicht die notwendige Qualität. 2,1 Millionen Menschen ohne Ausbildung in Deutschland, einem Land ohne nennenswerte Bodenschätze, sieht Andreas Schell als Problem, weshalb MTU auch Zuwanderer ausbilde und von ihnen begeistert sei. Der Mangel an Fachkräften sei mit ihnen allerdings nicht zu beheben.

Wie es bei MTU/RRPS in 100 Jahren mit der Ausbildung aussehe, wollte Rolf Benzmann von Andreas Schell wissen. Dessen Antwort: „Dann feiern wir 200 Jahre erfolgreiche Ausbildung.“

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