Mobile Sternwarte: „Wir sind keine Aliens“

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 Dass der Himmel über Friedrichshafen sehr interessant ist, darüber berichtet Heinz Jürgen Beister von der Astronomischen Verein
Dass der Himmel über Friedrichshafen sehr interessant ist, darüber berichtet Heinz Jürgen Beister von der Astronomischen Vereinigung Bodensee (rechts) beim Altstadtforum, zum dem Alfred Eger eingeladen hatte. (Foto: Geiselhart)
Brigitte Geiselhart

Seit fast sechs Jahren gibt es in Friedrichshafen eine mobile Sternenwarte. Sie ist beheimatet beim Wasserhochbehälter in Raderach und wurde am 16. Juli 2013 öffentlich eingeweiht. Eine Tatsache, die in Friedrichshafen bisher offenbar weitgehend unbekannt ist. Höchste Zeit, diese Wissenslücke zu schließen – findet auch Alfred Eger, Organisator des „Altstadtforums“, das regelmäßig in den Gasthof Schwanen einlädt. Referent war diesmal Heinz Jürgen Beister.

Der ehemalige langjährige Vorsitzende der „Astronomischen Vereinigung Bodensee“ informierte de Gäste über die Aktivitäten seines Vereins, der 1996 in Eriskirch gegründet wurde und vom damaligen Gründungsvorsitzenden Dieter Klose initiiert wurde. Erst durch die Kooperation mit dem Stadtwerk am See wurde der Umzug der Sternenwarte von Eriskirch nach Raderach ermöglicht worden. „Der Standort ist durch seine erhöhte Lage auch ein guter Beobachtungsplatz, an dem auch öffentliche Beobachtungstage stattfinden“, erklärte Heinz Jürgen Beister. Er ist promovierter Physiker und Chemiker, war bis zu seiner Pensionierung Lehrer am Technischen Gymnasium in Friedrichshafen und hat dort unter anderem auch den Lehrplan für Astronomie ausgearbeitet.

„Wir beschäftigen uns mit Licht, auch mit Lichtverschmutzung, mit Umwelt- und Gesundheitsfragen. Wir sind keine Aliens oder intergalaktischen Pilzesammler“, stellt der Experte klar. Dass es oftmals viel Überzeugungsarbeit brauche, um etwa Schüler für die Astronomie zu begeistern, das weiß er aus langjähriger Berufserfahrung.

Einmal in die Sterne blicken

Ist der Himmel über Friedrichshafen wirklich so interessant und faszinierend – so wie es Alfred Eger in seiner Begrüßung gemutmaßt hatte? Aber ja. Dafür haben die Mitglieder der Astronomischen Vereinigung genügend Belege. Öffentliche Highlights waren demnach die Beobachtung des Venusdurchgangs am 8. Juni 2004, die totale Mondfinsternis vom 3. April 2007, in jüngerer Vergangenheit auch eine partielle Sonnenfinsternis am 20. März 2015, eine totale Mondfinsternis am 28. September des gleichen Jahres und der Merkurtransit am 9. Mai 2016, zu dem der Verein Beobachtungsmöglichkeiten am Seeufer in Friedrichshafen aufgebaut hatte.

Dass er die Verantwortung für den Verein in jüngere Hände abgeben konnte, darüber freut sich Heinz Jürgen Beister. Zum Vorsitzenden wurde Berthold Waßmuth, zu seinem Stellvertreter Michael Denzler gewählt. „Junge motivierte Mitglieder übernehmen einen Teil der aktiven Beobachtungen und bringen neue Ideen und Initiativen mit“, sagt Beister – und verweist etwa auf die erfolgreiche öffentliche Beobachtung der totalen Mondfinsternis am 27. Juli 2018 am Wasserhochbehälter in Raderach, zu der sich immerhin gut 80 Beobachter einfanden. Dass es in Zukunft gerne noch ein bisschen mehr sein dürfen, auch das liegt ganz im Interesse der Astronomischen Vereinigung Bodensee.

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