Mit Martinshorn und Blaulicht zur Hauptübung

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BU (Foto: Leona Remler)
Leona Remler

„Hallo, Feuerwehr? Ich brauche Hilfe, aus der Garage steigt Qualm auf. Es brennt!“ So ähnlich hört sich der Notruf von Amelie Egger unter der Telefonnummer 112 am Samstag, 9. November, an. Zum Glück ist kein richtiges Feuer ausgebrochen, auch Verletzte gibt es nicht, denn es ist alles nur Show. Amelie ist in Wahrheit Mitglied der Jugendfeuerwehr und hat im Rahmen der Jahreshauptübung der Feuerwehrabteilung Kluftern einen inszenierten Notfall an die eingeweihten Kollegen der Leitstelle Bodensee-Oberschwaben durchgegeben. Kommandant Martin Klar ist an diesem Tag verantwortlich für den reibungslosen Ablauf. Feuerwehrmann Alessandro Edelmann moderiert das Geschehen im Königsäcker 1 bis 3 in Kluftern und freut sich über die Zuschauerzahl, die von Jahr zu Jahr mehr wird. Er unterrichtet die erschienenen Kinder und Erwachsene durch einen Lautsprecher über den Einsatz: „Zwei Personen führen in der Tiefgarage Reparaturarbeiten an einem Pkw durch.“ Und das geht schief, denn gerade als sie Schweißarbeiten am Auto vornehmen, entzündet sich das Schmiermittel und es kommt zu einer starken Rauchbildung.

Nur wenige Minuten nach Amelies Notruf ertönen Martinshörner in der Ferne und die ersten Löschfahrzeuge kommen angefahren. Mit großen Augen beobachten die jüngsten Zuschauer fasziniert das Ereignis. Edelmann beschreibt den Einsatz als einen, der „richtig viel menpower“ verlangt. Als die 34 Personen starke Truppe am Ort des Geschehens eintrifft, checken sie erst einmal die Lage und stellen fest, dass die zwei Personen in der Garage vermisst werden und eine hustende Person auf der Dachterrasse mit rußverschmiertem Gesicht um Hilfe ruft. Dann geht alles ganz schnell: Die Schläuche werden ausgerollt, Löschwasser angezapft und der Befehl „Wasser marsch!“ gegeben. Die siebenjährige Emma aus Lipbach trägt einen Feuerwehrhelm und unterstützt mit einem stolzen Lächeln ihren Papa bei seinem Einsatz. „Ich will auch mal Feuerwehrfrau werden“, erzählt sie der SZ. Emma fasziniert, wie mutig die Einsatzkräfte in die Garage rennen, obwohl man darin wahrscheinlich nicht mal die eigene Hand vor Augen sehen kann. Die Feuerwehr weiß sich zu helfen und zieht mit einem großen Überdrucklüfter den Rauch aus der Garage.

Mit einem lauten Geräusch wird das Wasser durch den Schlauch gejagt und nur 14 Minuten nach Absetzen des Notrufs kann die erste Person erfolgreich gerettet werden. Sofort sind Ersthelfer der Johanniter und des Deutschen Roten Kreuzes vor Ort und nehmen sich den Verletzten an. „Die Wunden sehen ja richtig echt aus“, erzählt der sechsjährige Colin aus Ailingen aufgeregt seinen Eltern. Recht hat er, denn wüsste man nicht von der Übung, könnte man fast meinen, dass es sich um einen Ernstfall handelt. Alessandro Edelmann ist äußerst zufrieden mit dem Ablauf der Übung, meint jedoch, dass es im Falle eines realen Notrufs bestimmt noch schneller gegangen wäre.

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