Ein Mann und „sein“ Schiff: Mit der „Dagmar Aaen“ segelten Arved Fuchs und sein Team 21 000 Seemeilen unter abenteuerlichen Bed
Ein Mann und „sein“ Schiff: Mit der „Dagmar Aaen“ segelten Arved Fuchs und sein Team 21 000 Seemeilen unter abenteuerlichen Bedingungen von Hamburg bis in die Antarktis. (Foto: Brigitte Geiselhart)
Brigitte Geiselhart

Nein, das war sicher kein Vortrag, um gemütlich zurückzulehnen und sich ein paar Tipps für den nächsten Urlaub zu holen. Aber es waren spannende zweieinhalb Stunden, die auf stürmische Meere und in eisige Landschaften entführten, die schroffer und abweisender nicht sein könnten und doch auf den innerlich mitgehenden Beobachter eine fast unwiderstehliche Anziehungskraft ausüben. Sich mit Arved Fuchs – bildlich gesprochen – nach Patagonien und Feuerland auf zu machen, das Kap Hoorn zu umsegeln und den Blick auf Antarktis und Südpol zu nehmen, heißt in jeden Fall, die Komfortzone zu verlassen und sich gut anzuschnallen. Die Gefahr, beim bloßen Betrachten seiner beeindruckenden Multivisions-Show seekrank zu werden oder über Bord seines legendären Segelschiffs „Dagmar Aaen“ zu gehen, ist groß.

Kaum zu glauben, dass der renommierte Polarforscher und Abenteurer zum ersten Mal beim Wunderwelten-Festival zu Gast war. Umso dankbarer war sein Publikum im voll besetzten Hugo-Eckener-Saal des Graf-Zeppelin-Hauses. Arved Fuchs spricht frei. Von der ersten bis zur letzten Minute zieht er die Zuhörer in seinen Bann und spannt einen großen Bogen über ganz unterschiedliche Forschungsreisen der vergangenen Jahrzehnte. Aktuelles und historischen Filmmaterial geht nahezu nahtlos ineinander über. Von Hamburg aus geht es 2015 auf die 21000 Seemeilen umfassende „Ocean Change“- Expedition in die unwirtliche Realität der Drake-Passage zwischen der Südspitze Südamerikas und der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel, der man angesichts der dramatischen Bilder ihren schiffs- und menschenfressenden Mythos vergangener Seefahrerzeiten gerne abkauft.

Fuchs blickt aber auch auf 35 Jahre zurück – auf die menschlich nicht möglich erscheinende Winter-Umrundung des Kap Hoorns mit einem Faltboot in Zeiten, in denen es weder Handy noch GPS gab und „zwei verrückte Deutsche“ mit den chilenischen Behörden zu kämpfen hatten und ansonsten ganz auf sich allein gestellt waren.

Man sieht Arved Fuchs aber auch zusammen mit Reinhold Mesner, als man 1989 auf dem Weg zum Südpol war und er damit als erster Mensch beide Pole innerhalb nur eines Jahres zu Fuß erreicht hatte. Authentizität spielt auf seinen Reisen eine wichtige Rolle – wie er besonders anschaulich beim Nachempfinden der historischen Endurance-Expedition von Ernest Shackleton aus den Jahren 1914 bis 1917 deutlich wird, die auf abenteuerlichen Wegen die Durchquerung von South Georgia in Angriff nimmt.

Sei es auf seinem 18 Meter langen und fünf Meter breiten „Nordseekutter“ aus dem Jahr 1931, auf dem er mit seinem Team monatelang unterwegs waren oder auf noch viel kleineren Nussschalen – Arved Fuchs gewährt Einblicke in das tägliche Leben an Bord, das von Entbehrung und auch von lebensbedrohlichen Situationen zeugt, keine Privatsphäre zulässt und angesichts des Forscherdrangs der ganzen Mannschaft dennoch von einer durchaus gelassenen und heiteren Atmosphäre geprägt ist.

Es wird einsam. Zum Beispiel, wenn man im ewigen Eis zu fünft in zwei Zelten den nicht enden wollenden Schneesturm abwarten muss. Und man muss sich als Zuschauer leider auch vom frommen Wunsch verabschieden, dass in entlegensten und menschenleeren Regionen dieser Erde die Welt „noch in Ordnung“ sei. Beklemmende Bilder von beträchtlichen Mengen unsäglichen Plastikmülls an einsamsten Stränden beweisen das Gegenteil.

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