Das Publikum muss ab 2018 draußen bleiben.
Das Publikum muss ab 2018 draußen bleiben. (Foto: Messe FN)
Schwäbische Zeitung
Regionalleiter

Schlechte Nachrichten für Fahrradfans: Die Messe Eurobike wird ab dem Jahr 2018 ohne Publikumstag stattfinden. Mit neuem Konzept und früherem Termin wollen die Organisatoren das Abspringen weiterer Aussteller verhindern. Für die Messe Friedrichshafen ist die Eurobike eine der wichtigsten Veranstaltungen des Jahres.

2017 wird die Weltleitmesse der Zweiradbranche am ersten Septemberwochenende zum letzten Mal die Tore für Otto Normalradler öffnen. Ab 2018 bleibt die Eurobike dem Fachpublikum – also Herstellern, Händlern und Journalisten – vorbehalten. Starten wird die Messe dann am Sonntag, 8. Juli. Ob sie bis Dienstag oder Mittwoch dauert, soll mit den Ausstellern besprochen werden.

Auch wenn es viele Fans des Publikumstags jetzt kalt erwischt: Messe und Fahrradbranche denken schon länger über ein neues Konzept für die Eurobike nach. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle, wie Messegeschäftsführer Klaus Wellmann am Donnerstag in einem Pressegespräch erklärt hat. So gibt es seit einigen Jahren den Trend, dass große Hersteller bei eigenen Veranstaltungen den Händlern neue Produkte zeigen. Diese so genannten Hausmessen finden vor der Eurobike statt, weshalb die nicht mehr in jedem Fall die erste Plattform ist, auf der neue Ideen vorgestellt werden. Mancher Aussteller mit Hausmesse hat bereits auf einen Stand in Friedrichshafen verzichtet, erstmals ist in diesem Jahr auch die Zahl der Fachbesucher (also vor allem der Händler) gesunken. Zudem hat das schlechte Wetter zu Frühjahrsbeginn für verhaltene Absatzzahlen und damit für miese Stimmung gesorgt.

Damit die Eurobike Branchentreffpunkt Nummer eins und damit Weltleitmesse bleibt, habe man die Bedeutung der Veranstaltung stärken müssen, so Wellmann. Deshalb wird die Eurobike ab 2018 acht Wochen früher als bisher und damit vor den meisten Hausmessen starten.

Kein Blick auf neue Räder

Problem: Die Händler wollen nicht, dass zu diesem frühen Zeitpunkt jeder Zweiradfreund einen Blick auf die neue Ware werfen kann. Dann bestehe die Gefahr, „ dass die aktuelle Ware in den Geschäften nicht mehr so gut verkauft wird“, erklärt Eurobike-Bereichsleiter Stefan Reisinger. Der Messestart am Sonntag soll auch kleineren Fahrradhändlern, die in ihrem Laden werktags kaum entbehrlich sind, die Fahrt an den See ermöglichen. Die Umstellung auf den neuen Termin erfolgt erst 2018, damit alle 1300 Aussteller genügend Vorbereitungszeit haben.

Die Bedeutung der Eurobike für die Messe beschreibt Wellmann vage mit „extrem wichtig“. Umsatzzahlen nennt er nicht. Man darf aber davon ausgehen, dass Eurobike, Outdoor, Fakuma und Aero den Löwenanteil des Messeumsatzes ausmachen.

Die Derby Cycle Holding GmbH – ein Unternehmen, das heuer auf die Eurobike verzichtete – begrüßt das „klare Statement hin zu einer reinen Industrie-Leitmesse“. Aufgrund des frühen Termins und der Ausrichtung auf eine Hauptzielgruppe gewinne die Eurobike als Ordermesse natürlich an Attraktivität für die Hersteller. „Ob wir allerdings deshalb 2018 wieder zu den Teilnehmern gehören werden, können wir natürlich erst nach Absprache mit unseren Schwesterfirmen bestimmen“, sagt Thomas Raith, Vorsitzender der Geschäftsführung der Derby Cycle Holding. Unterstützung bekommt die Messe vom Verband des Deutschen Zweiradhandels (VDZ). Vorstandsvorsitzender Dietmar Knust stellt klar: „Für den Fachhandel ist dieser Messetourismus kaum zu stemmen. Von Juli bis September kann der Händler quer durch Deutschland reisen, um Dutzende dieser Hausmessen, die doch eher Eventcharakter besitzen, zu besuchen. Daher spricht sich der VDZ dafür aus, die Kräfte der Branche weiterhin auf der Eurobike zu bündeln.“

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