Chor, Solisten und Orchester unter der Leitung von Joachim Trost haben die Aufführung der Rossini-Messe zum nachhaltigen Erlebni
Chor, Solisten und Orchester unter der Leitung von Joachim Trost haben die Aufführung der Rossini-Messe zum nachhaltigen Erlebnis gemacht. Vorne die Solisten Letizia Scherrer, Stefanie Irányi, Tilman Lichdi und Yorck Felix Speer (von links). (Foto: Christel Voith)
Christel Voith

Ein Schwelgen in reinstem Belcanto ist Gioachino Rossinis „Petite messe solennelle“. Damit hat der Philharmonische Chor Friedrichshafen zusammen mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz und einem hervorragenden Solistenquartett am Sonntagnachmittag im voll besetzten Graf-Zeppelin-Haus wahre Begeisterungsstürme entfacht.

Rossinis „kleine feierliche Messe“ ist in mehrerer Hinsicht ungewöhnlich. Mit 37 Jahren hatte Rossini sein Opernschaffen beendet und nur mehr geistliche und Kammermusik geschrieben, ehe er 71-jährig für Comte Michel-Frédéric Pillet-Will diese Messe schuf, die sein sakrales Werk krönte. „Klein“ nannte er sie, weil er den vier Solisten ursprünglich nur ein Doppelquartett als Chor zur Seite stellte und nur zwei Klaviere und ein Harmonium zur Begleitung vorsah – aus Sorge, ein großes Orchester könnte „seine paar Singstimmen totschlagen“.

Die Messe, die Rossini später selbst orchestriert hat, besticht durch ungeheuren Klangreichtum, den wir heute voll und ganz genießen können, während Rossinis Zeitgenossen seine „Alterssünde“, wie er sie nannte, zu opernhaft, zu weltlich, zu sinnlich, zu spielerisch und unterhaltend fanden für sakrale Musik. Für Rossini war das kein Widerspruch, warum sollte Gesang zu Ehren Gottes nicht opernhaft klingen?

Klassische Klarheit, kraftvolle Harmonik und reiche Melodik bestimmen das Werk, ein heller, strahlender Klangraum mit Chören, die von innigstem Piano in dramatischen Steigerungen zu kraftvollem Fortissimo aufblühen, und mit Soli, die in ihrer Belcanto-Schönheit den Atem anhalten lassen, erst recht, wenn wie hier ausgezeichnete Solisten mitwirken.

Musikdirektor Joachim Trost hat seinen großen, kultivierten Chor ebenfalls so gut vorbereitet, dass die Zuhörer in den stimmungsvollen Chören schwelgen dürfen, die wie das von leuchtendem Blech und Pauken begleitete „Gloria in excelsis Deo“ aus einer Verdi-Oper stammen könnten.

Strahlender Held

Arien wie das „Quoniam tu solus sanctus“ des Bassisten stünden jedem Opernhelden an, auch die Tenor-Arie „Domine Deus, rex coelestis“ stellt den Herrn als strahlenden Helden vor. Wunderbar huldigt die Sopranarie „O salutaris hostia“ aus der Fronleichnamshymne dem Altarsakrament, ein Juwel ist das berührende Alt-Solo im Agnus Dei.

In den Arien wie in den Quartetten bewiesen die Solisten – die Sopranistin Letizia Scherrer, die Altistin Stefanie Irányi, der Tenor Tilman Lichdi und der Bassist Yorck Felix Speer – beglückende Stimmkultur. Wesentlich war auch das kunstvolle Gewebe aus Soli und Chor. Wie Wächterrufe drangen die Stimmen der Solisten im Sanctus zwischen den Chor, wunderbar alternierte das Altsolo im Agnus Dei mit dem Pianissimo des Chors. Vorzüglich war das Zusammenspiel mit dem Orchester, das in Vorspielen die Stimmungen vorwegnahm und die Sänger unter Trosts feinsinnigem Dirigat stimmig begleitete. Intensiv war auch das Klaviersolo im Prélude Réligieux zum Offertorium. Ein beglückendes Gesamtkunstwerk.

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