Messe nach „Outdoor“-Aus in Nöten

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Messe Friedrichshafen verliert die Outdoor
Es ist ein herber Schlag für Friedrichshafen: Die Fachmesse "Outdoor" wird ihren Standort ab 2019 nach München verlagern. Damit findet die Messe dieses Jahr zum letzten Mal in gewohnter Form in Friedrichshafen statt. Trotzdem soll es weitergehen - mit einem Alternativkonzept.
Moritz Schildgen und Martin Hennings

Nach dem Verlust der Fachmesse Outdoor an den Standort München hat die Messe Friedrichshafen ein Problem. Wie groß der wirtschaftliche Schaden ist, dazu schweigen sich die Verantwortlichen der Messe, allen voran Geschäftsführer Klaus Wellmann, aus.

Von den 34 Millionen Euro Jahresumsatz haben die drei Messen Eurobike, Outdoor und Fakuma nach Schätzung von Branchenkennern zusammen bis zu drei Viertel ausgemacht, also bis zu 25,5 Millionen Euro. Rein rechnerisch brachte damit jede der drei wichtigsten Messen in Friedrichshafen im Schnitt bis zu 8,5 Millionen Euro Umsatz. Personelle Konsequenzen soll es wegen des Outdoor-Verlusts keine geben, weder einen Wechsel im Bereich der Verantwortlichen noch einen allgemeinen Stellenabbau.

Neben dem wirtschaftlichen Rückschlag dürfte der Prestigeverlust ebenso wehtun – und der Schmerz sitzt tief. „Wir haben nicht nur die Veranstaltung aufgebaut, sondern auch die Branche in Höhenflüge geführt“, fasst Wellmann die Entwicklung der Fachmesse mit ihren 900 Ausstellern, 21 000 Besuchern und über 80 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche zusammen. Ob die von 2019 an geplante neue Outdoor-Veranstaltung in Friedrichshafen den Ausfall der bisherigen Outdoor-Messe richten kann, ist fraglich. „Wir rechnen nicht so, dass diese Messe in einem bestimmten Zeitraum einen gewissen Deckungsbeitrag erreichen muss“, so Wellmann. Außer dass die neue Veranstaltung unter dem Motto „Outdoor pur“ stehen soll, gibt es nichts Konkretes – man wolle sich nicht von der Konkurrenz in die Karten schauen lassen.

Aussteller gegen zwei Messen

Eine klare Meinung dazu hat der Outdoorausrüster Vaude. Das Unternehmen mit Sitz in Obereisenbach bei Tettnang plane derzeit auf der Outdoor-Messe in München auszustellen, denn „eine Teilnahme an zwei Messen mit gleichen Inhalten und Adressaten macht wenig Sinn. Sie bringt keinen Mehrgewinn, sondern erhöht die Kosten und den Ressourceneinsatz“, sagt Vertriebsleiter Jan Lorch. Ähnlich sieht man es beim bayerischen Sportbekleidungshersteller Schoeffel. Der ist überzeugter Aussteller auf der Internationalen Fachmesse für Sportartikel und Sportmode (ISPO). „Wir sind zufrieden mit der ISPO und haben dort erfolgreich ausgestellt. Wir schätzen München als Messestandort. Wir können uns die Outdoor in München gut vorstellen“, teilt ein Sprecherin auf Nachfrage mit.

Doch nicht nur der Verlust der Outdoor bereitet den Messemachern vom Bodensee Sorgen. Ein weiterer der großen Umsatzbringer schwächelt: die Weltleitmesse der Fahrradbranche Eurobike. „Keine Messe ist sicher“, weiß Wellmann. Nicht nur die Erfolgsgeschichte der Eurobike weist Parallelen zur Outdoor auf. In der Vergangenheit verbuchte die Fahrradmesse zwar jahrelang einen Rekord nach dem anderen. Verschiedene Konkurrenzveranstaltungen – unter anderem in München – scheiterten.

Aber: Nun hat das Format Euro-bike ebenfalls ein Problem. Die Digitalisierung einerseits, der Trend zur Hausmesse großer Marken andererseits haben dem Erfolgskurs der Eurobike einen empfindlichen Dämpfer verpasst. Zwar kommen immer noch – wie in den Vorjahren auch – bis zu 1400 Aussteller, einige Branchengrößen aber fehlen. Um diesen Trend umzukehren, hat die Messe Friedrichshafen im Herbst 2016 eine Kurskorrektur verkündet. Die Eurobike findet ab 2018 nicht mehr gegen Ende der Sommerferien, sondern bereits Anfang Juli statt. Das Ziel: Neuheiten der Branche sollen künftig wieder am Bodensee ihre Weltpremiere feiern. Der bei Radfans beliebte Publikumstag hat am neuen Termin keinen Platz mehr. Für die Eurobike 2018 meldet die Messe Friedrichshafen gute Buchungszahlen. Ob das neue Konzept dauerhaft aufgeht und die Messe ihre größte Veranstaltung damit dauerhaft sichert, kann man wohl erst in ein paar Jahren endgültig beurteilen.

Umsatzlücke gilt es zu füllen

Bis dahin gilt es, die Umsatzlücke, die die Outdoor hinterlässt, zu füllen. Etwa durch neue Messeformate und Veranstaltungen. Das weiß auch Wellmann nur zu gut: „Wir machen alles, was politisch und moralisch nicht verwerflich ist.“

Doch nicht nur die Messe Friedrichshafen ist betroffen, der gesamte Wirtschaftsraum Bodensee-Oberschwaben wird den Verlust der Outdoor spüren. „Sie ist ohne Frage eine der größten Messen und einer der größten Umsatzbringer. Die Übernachtungen sind breit gestreut – vom Bodenseekreis bis nach Bad Waldsee“, erklärt Bernd Dahringer, der als Geschäftsführer der Geschäftsstelle Ravensburg des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Baden-Württemberg zuständig für Biberach, Ravensburg, Sigmaringen und den Bodensee ist.

Doch trotz aller Vorteile der Magnetwirkung einer Messe Friedrichshafen, gibt es auch Vorbehalte gegen einen allzu großen Erfolg, wie Dahringer sagt: „Es gibt Befürchtungen bei mittelständischen Betrieben, wenn sich der Messeveranstalter auf Geschäftskunden fokussiert und Großhotellerie anlockt, dass die Großhotellerie in der Zeit, wenn keine Messe ist, zu einer starken Konkurrenz wird.“ Das macht es für Wellmann und die Messe Friedrichshafen nicht gerade einfacher.

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