Messe Friedrichshafen verliert Outdoor

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Model mit Trekking-Rucksack auf der Outdoor am Bodensee: Im Juni findet die Leitmesse für die Outdoorbranche zum letzten Mal in
Model mit Trekking-Rucksack auf der Outdoor am Bodensee: Im Juni findet die Leitmesse für die Outdoorbranche zum letzten Mal in Friedrichshafen statt. Mit einem Digitalkonzept hat München Friedrichshafen ausgebootet. (Foto: dpa)
Moritz Schildgen und Benjamin Wagener

Enttäuschung am Bodensee, Jubelstimmung an der Isar. Bayerns Hauptstadt München wird von 2019 an Heimat der Fachmesse Outdoor sein. Ein herber Schlag für den bisherigen Veranstalter, die Messe Friedrichshafen, die nun im Juni die Jubiläumsausgabe der Messe – die Outdoor geht in diesem Jahr in ihr 25. Jahr – zum Abschluss in den eigenen Hallen ausrichtet und damit die wichtigste Veranstaltung neben der Eurobike verliert.

Friedrichshafen und die Outdoor – das ist eine Erfolgsgeschichte, die mit einer kleinen Nischenveranstaltung für einige Freiluft-Enthusiasten vor 25 Jahren begonnen und sich zu einem Pflichttermin für eine gesamte Branche entwickelt hat. Und ausgerechnet diese Branche, die zusammen mit der Outdoor über die Jahre kontinuierlich gewachsen ist und an Bedeutung gewonnen hat, kehrt dem Bodensee mit einem sehr eindeutigen Votum den Rücken.

Bei einer Wahlbeteiligung von rund 90 Prozent haben sich nach Angaben des europäischen Branchenverbandes, der European Outdoor Group (EOG), die Mitglieder der EOG klar entschieden: Mit zwei Drittel der Stimmen setzte sich München gegen Friedrichshafen und den dritten Mitbewerber Hamburg durch.

„Mit großer Enttäuschung stellen wir uns dem Wahlergebnis – schließlich ist die Outdoor vor einem Vierteljahrhundert am Bodensee geboren, und wir haben hier für diese Branche eine einzigartige Erfolgsgeschichte geschrieben“, sagte der Friedrichshafener Messe-Chef Klaus Wellmann. Getrübte Stimmung auch bei Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand: „Die Entscheidung ist zunächst einmal bedauerlich für die Stadt Friedrichshafen als Gesellschafter, aber auch als Messe- und Wirtschaftsstandort.“

Konkurrenzmesse geplant

Ganz unvorbereitet trifft der Verlust der Outdoor weder die Messe noch die Stadt als Gesellschafter der Messe: Friedrichshafen arbeitet an einem Alternativkonzept für eine Konkurrenzveranstaltung. „Wir erhalten sowohl für unseren Standort, aber vor allem auch für unsere Vorstellung zur Neuausrichtung der Leitmessekonzeption guten Zuspruch“, sagt Wellmann. Auch Brand ist optimistisch. „In dem Vorhaben, eine eigene Outdoor-Messe mit eigenständigem Profil in Friedrichshafen zu etablieren, sehe ich jedenfalls viel Potenzial und Marktchancen“, erläutert der Oberbürgermeister.

Natürlich hat man am Bodensee mit dem schlimmsten Fall gerechnet und gehofft, dass dieser nicht eintritt, bemerkenswert ist allerdings die Eindeutigkeit des Ergebnisses. Das Wahlverfahren der EOG war nach Informationen der „Schwäbischen Zeitung“ so ausgerichtet, dass es ein Stechen zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen geben sollte, wenn kein Bewerber im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der Stimmen erzielt. „Ich bin überrascht, dass es so ein klares Ergebnis ist. Ich hatte mit einer zweiten Runde gerechnet“, sagt Antje von Dewitz, Vaude-Chefin und Vorstandsmitglied der EOG, die sich gleichermaßen „mit Wehmut von Friedrichshafen“ verabschiedet wie sie sich „auf eine gute Zusammenarbeit mit München freut“.

Doch woran lag es, dass es am Ende eine so deutliche Absage an den bisherigen Standort gab? Zu diesen Fragen wollten sich die Verantwortlichen der Messe Friedrichshafen nicht äußern, sondern verwiesen auf eine für Freitag geplante Pressekonferenz. Antje von Dewitz formuliert es so: „Die bekannten Fakten sind, dass die Messe Friedrichshafen aufgrund der Infrastruktur Gegenwind bekommen hat.“ Die Themen Anreise und Übernachtungsmöglichkeiten sind mit dem Wachstum der Outdoor zu einer immer größeren Problematik geworden, für die es keine dauerhafte Lösung gab. Den Ausschlag aber gab nach Informationen der „Schwäbischen Zeitung“ aus Branchenkreisen aber, dass die Messe München vor allem bei der digitalen Infrastruktur gepunktet hat.

Sekttrinken in München

Zwischen zwei Gläsern Sekt erklärte der Sieger, der Münchner Messe-Chef Klaus Dittrich, immer wieder, wie froh er und sein Team seien. „Es war ein sehr fairer Wettbewerb, wir haben alles gegeben, was wir hatten – und nun sind wir sehr, sehr glücklich“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der „Schwäbischen Zeitung“. Vor 25 Jahren habe der Standort München die Outdoor-Branche verloren – „und nun haben wir sie wieder zurück. So ist das im Wettbewerb und im Sport“.

Neben den klaren Vorteilen bei der Infrastruktur – Dittrich wies auf den Flughafen mit internationalen Verbindungen, die Hotels und den öffentlichen Personennahverkehr hin – führt der Messe-Manager den Erfolg seines Unternehmens vor allem auf das digitale Konzept, das die Messe für die Internationale Fachmesse für Sportartikel und Sportmode (Ispo)aufgebaut hat, zurück. „So haben wir unter anderem für ein ganzjähriges Online-Newsportal mit sieben Millionen Besuchern, die Plattform Ispo-Innovation, auf der Hersteller gemeinsam mit Kunden Neuheiten entwickeln können, und die Stellenbörse Ispo-Jobs, die in der gesamten Outdoor-Branche Stellen vermittelt“, erläutert der 62-Jährige. Noch sei es zu früh, über Besucherzahlen zu reden, ein Ziel sei aber klar: „In den vergangenen Jahren haben viele Hersteller der Outdoor den Rücken gekehrt“, sagt Dittrich. „Diese Unternehmen wollen wir mit unserem Konzept zurückgewinnen.“

Für Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) zählt Friedrichshafen neben der Landesmesse Stuttgart und der Messe Karlsruhe zu den drei international ausgerichteten Messeplätzen im Südwesten. „Ziel des Landes war und ist es, die Voraussetzungen für eine optimierte Auslastung aller Messen im Land durch gute Bedingungen stetig zu verbessern“, sagte eine Sprecherin der Ministerin der „Schwäbischen Zeitung“. „Dennoch werden Messeveranstalter immer auch Entscheidungen treffen, die für einzelne Standorte schmerzhaft sind.“ Auf solche operative Entscheidungen könne Baden-Württemberg keinen Einfluss nehmen.

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