Pastoralreferent Philip Heger (links), Cornelia Ganter vom ehrenamtlichen Team und Kantor Nikolai Gersak stellen das Programm d
Pastoralreferent Philip Heger (links), Cornelia Ganter vom ehrenamtlichen Team und Kantor Nikolai Gersak stellen das Programm der Offenen Stadtkirche St. Nikolaus vor. (Foto: Harald Ruppert)

Die katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus feiert zwei runde Geburtstage: Seit zehn Jahren bestehen die Aktionen der Offenen Stadtkirche und seit 30 Jahren erklingt in der Kirche die Woehl-Orgel. Dazu gibt es besondere Aktionen.

20 dieser 30 Jahre wird die Woehl-Orgel von Kantor Nikolai Geršak bespielt. Er wurde ihrer in dieser Zeit nie überdrüssig. „Diese Orgel ist wie eine schöne Frau: jeden Tag anders“, sagt er. Das Instrument des Marburger Orgelbauers Gerald Woehl biete klanglich unendlich viele Möglichkeiten, meint Geršak. Woehl habe sich ein halbes Jahr allein um die Intonation gekümmert. „Die klangliche Gestalt ist Gerald Woehl denn auch extrem gut gelungen“, sagt Geršak. Der Kantor hat zu dieser Orgel eine besondere Beziehung aufgebaut, nennt sie ein „lebendes Instrument“, das den Impulsen des Organisten „unheimlich viel zurückgibt“.

Davon kann man sich am Sonntag, 12. Mai, überzeugen: dann steht die Woehl-Orgel allen Pianisten offen. „Jeder kann auf ihr unter meiner Anleitung seine Lieblingsstücke spielen“, sagt Nikolai Geršak. Unter dem Motto „30 Minuten für 30 Jahre“ wird die Orgel natürlich auch bei der Marktmusik wie gewohnt zu hören sein. Auch beim Orgelherbst zeigt die Woehl-Orgel, was in ihr steckt. „Es werden Koryphäen zu Gast sein, wie der Organist der St. Paul’s Cathedral in London und der Organist von Saint-Eustache in Paris“, sagt Nikolai Geršak.

Gefeiert wird auch das zehnjährige Bestehen der Offenen Stadtkirche. Allerdings nicht mit einem Festakt, sondern einem konsequenten Ausbau des Programms. „Wir wollen mit der offenen Stadtkirche profilierter auf Menschen zugehen, die sich von den traditionellen kirchlichen Angeboten nicht so angesprochen fühlen“, sagt Pastoralreferent Philip Heger. „Oder Personen, die die Institution Kirche vielleicht kritisch sehen“, fügt Cornelia Ganter vom ehrenamtlichen Helferkreis an, der sich über weitere Unterstützer freut.

„Wir wollten Angebote fernab des normalen Gottesdienstes schaffen und nah an der Bevölkerung sein.“ Musikalische Angebote und Lesungen, aber auch der Mittagstisch gibt es schon so lange wie die Offene Stadtkirche. Dass gerade St. Nikolaus zur Offenen Stadtkirche wurde, liegt an ihrem günstigen Standort mitten im Stadzentrum – „ideal für Touristen, Passanten und religiös Suchende, die sich von verschiedenen Angeboten ansprechen lassen“, sagt Heger.

Gottesdienste für Suchende

Das neue Programm der Offenen Stadtkirche widmet sich vielen Aspekten des Lebens - und es ist teilweise speziell auf einzelne zugeschnitten. So gibt es Gottesdienste, die sich an spirituell Suchende oder an Ehejubilare richten. Philip Heger bietet auch mehrfach ungewöhnliche Tage der Einkehr an, bei denen sich geistliche Impulse, Gebete und Meditationsübungen mit freier Zeit mitten in der Stadt verbinden. Abgeschiedenheit und bunter Trubel treffen dabei aufeinander. Ziel ist es, mitten im städtischen Leben still zu werden. Am Karsamstag kann man den Alten Friedhof und den Hauptfriedhof auf besondere Weise kennenlernen. Die Führung von Philip Heger und Daniela Loeser gibt Auskunt, wie Menschen früher mit dem Tod umgingen sowie von ihren Hoffnungen und Sehnsüchten.

Die Offene Stadtkirche endet nicht an Kirchengemeindegrenzen. Geistliche aus der ganzen Stadt beteiligen sich, wenn im August eine Woche lang am CAP Rotach das Morgengebet gesprochen wird – mit Gelegenheit zum anschließenden Picknick. Beim Gottesdienst für Trauernde wirken vier Geistliche verschiedener Gemeinden mit, und die biblisch-literarischen Streifzüge durch die Bibel mit musikalischer Begleitung sind ökumenische Veranstaltungen.

Nicht zuletzt junge Leute möchte Philip Heger mit der offenen Stadtkirche ansprechen. Erwachsene bis 35 Jahren seien in den Gemeinden nur sehr wenig präsent. Um das zu ändern, schreibt der Pastoralreferent die rund 4000 katholischen Gemeindemitglieder dieser Altersgruppe an. Jeder und jede wird nach der Fasnet eine Postkarte im Briefkasten finden, die für das Programm der Offenen Stadtkirche wirbt.

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