Das Neujahrskonzert der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz unter der Leitung von Chefdirigent Ari Rasilainen führt nach Unga
Das Neujahrskonzert der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz unter der Leitung von Chefdirigent Ari Rasilainen führt nach Ungarn, das Geigensolo spielt Konzertmeister Maciej Burdzy. (Foto: Helmut Voith)

Traditionsgemäß hat die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz am Dreikönigstag zum Neujahrskonzert ins Graf-Zeppelin-Haus eingeladen, diesmal zu einer farbigen Reise nach Ungarn unter dem Motto „Éljen a Magyar“.

Reiseleiterin war mit viel Temperament Insa Pijanka, die am 1. Januar die Nachfolge von Beat Fehlmann als Intendantin des Orchesters übernommen hat. Sie liebt die Kommunikation mit dem Publikum, schließlich will die Politologin, Historikerin und Soziologin dem Orchester auch neue Zuhörer gewinnen.

Wenn auch kein ungarischer Komponist auf dem Menü stand, so haben doch alle vom ungarischen Volksgut gezehrt, haben uns die Ohrwürmer geschenkt, die wir gemeinhin mit Ungarn und Puszta verbinden. So gleich der berühmte Rákóczi-Marsch, dessen Melodie sich weder Hector Berlioz entgehen ließ, mit dem die Konstanzer begonnen haben, noch Johann Strauß, dessen Polka „Éljen a Magyar“ am Ende stand.

In viele Farben getaucht

Immer stand die Dualität zwischen Melancholie und Lebenslust im Raum, so im Rákóczi-Marsch, der nach sanftem Einstieg in dynamischem Crescendo aufblühte, wie in den folgenden Stücken. Wunderbar verbindet Franz Liszt in seiner Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 die Elemente, führt von dunkel gefärbtem Trauermarsch zur Fröhlichkeit, zu elegantem Tanz bis zum letzten stürmischen Anlauf. Ein Vergnügen war es, den einzelnen Solisten zu lauschen, dem Lied der Solo-Oboe wie der Flöte oder Klarinette, ein Vergnügen war es auch, dem Chefdirigenten Ari Rasilainen zuzuschauen, wie er seine Musiker mal nur mit dem kleinen Finger dirigiert, mal mit den Armen rudert oder selbst geschmeidig tänzelt.

In zwei Soli hat auch der neue Konzertmeister Maciej Burdzy die Zuhörer betört – wie ein Lächeln unter Tränen klang Vittorio Montis Czardas auf seiner Geige und virtuos und irrwizig rasant Pablo de Sarasates „Zigeunerweisen“. So zogen, vom Orchester in viele Farben getaucht, so berühmte Stücke wie die Ouvertüre zum „Zigeunerbaron“ und zur „Fledermaus“ vorüber, die schon die ganze Operette vor Augen führen, nicht fehlen durften auch die Ungarischen Tänze Nr. 5 und 6 von Johannes Brahms, unverwüstliche „Petitessen“, wie Insa Pijanka sie nannte, die bezaubernd mit Verzögerung und „Acceleration“, Beschleunigung, spielen, bald gemächlich dahinziehen, bald rasant loslegen. Genüsslich zelebrierte Rasilainen die Tempokontraste, ebenso das Spiel von Piano und Forte.

Flott zogen drei Polkas von Johann Strauß vorüber – immer wieder bezaubernd die Pizzicato-Polka. Mit Julius Fuciks „Florentinermarsch“ und Johann Strauß’ Polka „Éljen a Magyar“ ging das Konzert offiziell zu Ende, doch nach Hans Christian Lumbyes ausgelassenem „Champagnergalopp“ durfte als letzter Schlusspunkt der RadetzkyMarsch nicht fehlen.

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