Herbert Graf ist mit 90 Jahren noch viel unterwegs. Er plakatiert unter anderem die Blechtafeln für die Löwentaler Veranstaltung
Herbert Graf ist mit 90 Jahren noch viel unterwegs. Er plakatiert unter anderem die Blechtafeln für die Löwentaler Veranstaltungen. Das Enkeltreffen auf dem Foto hat er selbst organisiert. (Foto: Lichtinger)
Kirsten Lichtinger

Herbert Graf ist ein Sonntagskind wie es im Buche steht. Er wurde nicht nur an einem Sonntag geboren, sondern feiert am 3. Februar, ebenfalls an einem Sonntag, im Kreis seiner Familie seinen 90. Geburtstag, sozusagen eine Punktlandung. Der gebürtige Ittenhauser lebt seit über 80 Jahren in der Siedlung Löwental, seine Eltern gehörten zu den ersten Bewohnern. „Mein Herz schlägt für Löwental“, sagt er schmunzelnd und das glaubt man ihm sofort.

Schließlich hat er hier seine Frau Margarete kennengelernt, ebenfalls eine Siedlerin der ersten Stunde. Leider ist sie 2016 gestorben. Der 90-Jährige gehört zu den Gründungsmitgliedern der Gemeinschaft Siedlung Löwental (GSL), die 1986 wieder entstand, und mit viel Herzblut und Engagement das Leben in dem Häfler Stadtteil prägt. Seither sind viele Siedlerbälle und Hemdglonkerumzüge ins Land gegangen, zahlreiche Siedlersommerfeste und das traditionelle Adventssingen wurden gefeiert, die ohne die tatkräftige Unterstützung von Herbert Graf so nicht stattgefunden hätten.

Ob die technischen Anlagen für Ton und Licht zu installieren waren oder Tische und Bänke für das Sommerfest aufgebaut werden mussten, der Löwentaler war immer da, wo er gebraucht wurde. Und so hält er es heute noch. „Ich freue mich, dass wieder junge Leute im Vorstand mitmachen und unterstütze die Gemeinschaft wo ich kann“, sagt er. Er gratuliert im Namen der GSL und überreicht den Wein oder Theatergutscheine den Geburtstagsgratulanten, die er zuvor selbst besorgt hat. Nach Trauerfällen schreibt er eine Trauerkarte mit Barbeilage und bringt sie persönlich den Hinterbliebenen. Er klebt in seiner gut ausgestatteten Werkstatt auf 14 Blechtafeln Plakate auf und montiert sie anschließend in der Siedlung. 600 Bekanntmachungen und Mitteilungen teilt er auf an sieben Austräger.

Mit den Enkeln in Verbindung

Technisch ist Herbert Graf auf dem neuesten Stand. Den Computer nutzt er für seine Büroarbeiten und mit seinem Smartphone steht er mit seinen vier Kindern und acht Enkeln über WhatsApp immer in Verbindung. „Das gehört sich so für einen Elektrikermeister“, so das Geburtstagskind. Nicht nur bei der GSL wird gerne auf sein Fachwissen zurückgegriffen, auch in der Firma seines Sohnes repariert er elektrische Kleingeräte oder auch mal einen Gabelstapler. Zum Spazierengehen bleibt da keine Zeit, schließlich ist da immer noch der fast 900 Quadratmeter große Garten hinter dem Haus, den er mit Unterstützung eines Enkels in Schuss hält. „Nur schade, dass man sich in der Siedlung heute nicht mehr so gut kennt wie früher“, erklärt er, denn zwischenzeitlich wurden viele Häuser in Löwental verkauft und neue Familien sind eingezogen.

Am Sonntag wird auf jeden Fall zünftig gefeiert und zwar in der Gaststätte Fischerstüble, wo Herbert Graf gerne zum Essen hingeht. Die ganze Familie hat sich angesagt und auch die Enkelkinder lassen sich die Feier nicht entgehen. „Nur ein Sohn ist geschäftlich in China und kann leider nicht kommen“, bedauert der Senior. Für die Zukunft wünscht er sich Gesundheit für seine Familie und sich. Und: Ein weiteres Enkeltreffen wäre schön. Das Letzte hat er vor immerhin zwei Jahren selbst organisiert.

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