Mehr Platz für die Kunst und die Geschichte Friedrichshafens

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Regionalleiter

Das Zeppelin-Museum schrittweise erweitern, mehr Platz für Kunst und Stadtgeschichte, ein Anbau ans Schulmuseum (das in der Villa Riss bleibt), weitere Gespräche mit Dorniers – das sind Eckpunkte für das städtische Museumskonzept 2035, über die der Gemeinderat am Montag berät.

Das Konzept und die Entwicklung des Hinteren Hafens – diese Themen treiben Friedrichshafen seit Jahren um, zumindest die Häfler Kommunalpolitik. Am kommenden Montag soll der Gemeinderat einen Schritt vorwärts gehen und Eckpunkte des städtischen Museumskonzepts beschließen. Oberbürgermeister Andreas Brand und Kulturbürgermeister Andreas Köster haben die Vorschläge der Verwaltung am Donnerstag der Presse vorgestellt. Die Ratssitzung beginnt am Montag um 17 Uhr, die wichtigsten Fragen zum Museumskonzept beantwortet die Schwäbische Zeitung schon jetzt.

Warum soll das Zeppelin-Museum erweitert werden?

Museumsleitung und Politik sind der Meinung, dass die aktuellen 3800 Quadratmeter nicht ausreichen. Viele der 3900 Kunstwerke (darunter 406 Bilder von Otto Dix und 127 von Max Ackermann) schlummern im Depot, die Darstellung der Stadt- und Industriegeschichte Friedrichshafens ist nach Einschätzung von OB Brand derzeit „unterrepräsentiert nach Fläche und Inhalt“. Eine Erweiterung könne ein „beachtlicher Image-Gewinn und ein bedeutender Standortfaktor“ werden.

Was ist konkret geplant?

Es gibt noch keine fertigen Pläne. Die Verwaltung bittet den Rat zunächst um die Zustimmung, Erweiterungsmöglichkeiten zu prüfen und städtebaulich auszuarbeiten, ein Ausstellungskonzept zu erarbeiten und einen Kostenrahmen abzustecken. Erste Überlegungen gibt es aber schon. So könnte das Zoll- und Fahrkartenhäuschen zwischen Museum und Werft verschwinden und durch ein neues Gebäude für die Kunst ersetzt werden (mit etwa 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche). Zudem wird eine Erweiterung der Flügel beim Hafenbahnhof geprüft und eine Überdachung von Gleis drei. Hier könnte der SVT „Fliegender Kölner“ stehen, ein Dieselschnellzug der 30er-Jahre aus dem Hause Maybach. Der Zug wird derzeit im Auftrag der Maybach-Stiftung restauriert. In diesem Komplex wären dann je nach Ausbau 4000 bis 5000 zusätzliche Quadratmeter für Stadt- und Industriegeschichte.

Was kostet das Projekt?

Es sei zu früh, konkrete Zahlen zu nennen, sagt der OB. Geht man von einer Erweiterung um insgesamt 7000 Quadratmeter aus und rechnet mit 6000 Euro Baukosten pro Quadratmeter, dann kommt man auf eine Summe von 42 Millionen Euro. Dass die Stadt für das Museumskonzept einen privaten Investor an Bord holt, schloss OB Brand aus.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Auch hier gibt es noch keine konkreten Festlegungen. 2019 will man mit Anliegern verhandeln und die Bürger beteiligen. Dann könnte 2020 ein Architektenwettbewerb laufen. Der erste Erweiterungsabschnitt (das Haus für die Kunst am Seeufer) wäre demnach frühestens 2023 fertig. Es sei kein Zufall, dass das Konzept die Jahreszahl 2035 im Titel trage, so der OB. Die Erweiterung in mehreren Schritten könne auch dabei helfen, die Kosten im Blick zu behalten – für Investitionen, aber auch den Betrieb des Museums.

Wird der gesamte Hintere Hafen überplant?

Nicht im Zuge des Museumskonzepts. „Wir wollen uns jetzt nicht verlupfen“, sagte der OB. Das Konzept hat deshalb nur den Bereich Seeufer – Werft – Romanshorner Platz – Hafenbahnhof im Blick. Für den Rest des Hinteren Hafens gebe es auch Ideen, die Flächen dort sollten aber schwerpunktmäßig für Wohnbau und Büros genutzt werden, so Brand.

Mit wem muss die Stadt sprechen?

Für die jetzt skizzierte Erweiterung des Zeppelin-Museums nur mit der Bahn, der der Hafenbahnhof gehört, und der Werft, die zu den Konstanzer Stadtwerken gehört. Übrigens hat Konstanz auch das Sagen auf dem Fußweg entlang des Hafenbeckens und den Stegen in den See. Man habe mit allen Betroffenen das Gespräch gesucht, so das Rathaus.

Was passiert mit der Werft?

„Die Werft gehört zur Stadtgeschichte“, betonte der OB. Auch ihre Konstanzer Besitzer haben immer klargemacht, dass der Betrieb weitergeführt wird. Brand und Köster können sich aber vorstellen, die Werft ins Museumskonzept einzubinden und teilweise zugänglich zu machen. Auch „das Drumherum“ sei optimierbar, so Brand.

Wohin ziehen Zoll und BSB um?

Das müsste geklärt werden. Möglich wären zum Beispiel das Erdgeschoss des Kunstgebäudes oder ein Neubau auf einem der Anlegestege.

Und das Seehasenfest?

Wird sich dann verändern müssen, wenn der Hintere Hafen komplett entwickelt ist. Der Platz für den Vergnügungspark wird dann dort nicht mehr wie heute zur Verfügung stehen. Ein konkretes Konzept hierfür gibt es laut Rathaus noch nicht.

Was soll mit dem Schulmuseum geschehen?

Das soll bleiben, wo es ist (in der Villa Riss), aber von 900 auf 1400 Quadratmeter erweitert werden. Zudem sollen die Ausstellung überarbeitet und der Blick künftig auch auf die Zukunft der Bildung gerichtet werden. Die Kosten für die Erweiterung waren Anfang 2017 mit 4,3 Millionen Euro angegeben worden. „Das wird nun nicht mehr reichen“, sagte Köster. Die Arbeiten am Schuluseum könnten 2021 angeschlossen sein.

Was sagen die Mitarbeiter?

Die Verantwortlichen der Museen seien eng eingebunden, die knapp 100 Mitarbeiter beider Häuser „völlig begeistert“ von den Plänen, berichtete Kulturbürgermeister Köster. „Die Zustimmung des Gemeinderats am Montag wäre ein echter Quantensprung – und einen Freudensprung wert.“ Er sei überzeugt davon, dass eine Erweiterung beider Museen dazu beitragen könne, die Identifikation der Häfler mit ihrer Stadt zu stärken.

Welche Rolle spielt das Dornier-Museum?

Keine große. Die Verwaltung beantragt, dass der Gemeinderat die Fortsetzung der Gespräche mit der Familie Dornier billigt. Inhalt sei der Wunsch nach finanzieller Unterstützung für das Dornier-Museum durch die Stadt. Verlauf und Inhalt der Verhandlungen wollte die Stadt nicht kommentieren. „Wir haben Stillschweigen vereinbart“, so der OB.

Und die „Landshut“?

Taucht im Museumskonzept gar nicht auf. Die Stadt habe von Anfang an die Auffassung vertreten, dass das ein Thema des Bundes und keines der Kommune sei. Offizielle Gespräche zwischen der Stadt und der Berliner Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), gebe es nicht. Auf die Frage, warum deren Pressestelle mitteilt, dass Stadt und Dorniers über eine Trägerschaft der Zeppelin-Stiftung für das Dornier-Museum verhandeln, antwortete der OB: „Das weiß ich nicht. Das Statement trifft auch nicht den Sachverhalt.“

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