Mehr FSME-Erkrankungen im Bodenseekreis als 2017

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ARCHIV - 10.05.2011, Niedersachsen, Hannover: Vor Zecken wird mit einem Schild in einem Waldgebiet südlich von Hannover gewarnt.
FSME breitet sich aus. (Foto: Holger Hollemann)
Crossmedia-Volontärin

Rund ein Drittel mehr FSME-Erkrankungen hat es in diesem Jahr laut Gesundheitsamt des Bodenseekreises gegeben. Dabei besteht die Hauptsaison der Zecken noch bevor: Im Herbst befallen die Parasiten laut Gerhard Kersting vom Naturschutzzentrum ihre Opfer besonders gern. Alle Fakten und Tipps auf einen Blick. Insgesamt neun FSME-Erkrankungen wurden in diesem Jahr bereits beim Gesundheitsamt des Bodenseekreises gemeldet. Das sind drei mehr als im Vorjahr. Der Bodenseekreis gehört zu den Gebieten in Baden-Württemberg, in denen FSME-Erkrankungen besonders häufig vorkommen. Laut Robert-Koch Institut sind in solchen Risikogebieten trotzdem vergleichsweise besonders niedrige Impfquoten zu verzeichnen.

Ob es auch mehr Borreliose-Erkrankungen im Kreis gab, kann das Gesundheitsamt nicht sagen: „Erkrankungen oder Infektionen durch Borrelien sind im Gegensatz zu FSME-Erkrnakungen in Baden-Württemberg nicht meldepflichtig“, erklärt Elke Häberle, die beim Gesundheitsamt für Infektionsschutz und Umwelthygiene zuständig ist.

Symptome richtig erkennen

Wird man von einer Zecke gestochen, sollte man sie mit einer Zeckenzange am Kopf langsam herausziehen. „Sobald die Zecken merken, dass sie herausgezogen werden, lassen sie ihre Werkzeuge locker“, sagt Jochen Weymayer, Hausarzt in Friedrichshafen. Ein Stich an sich sei kein Grund zur Panik. Erst nach vier bis sechs Wochen sei beispielsweise eine Borreliose-Erkankung erkennbar. Ist der Stich außen rot und innen hell, kann der Betroffene im ersten Stadium einer Borreliose-Erkrankung sein. „Der Stich ist dann meist so groß wie ein Handteller“, weiß Weymayer. Die Erkrankung sei im ersten Stadium mit Antibiotika behandelbar.

Ist man an FSME erkrankt, bekomme man meist nach ein bis zwei Wochen Inkubationszeit Fieber, Kopfschmerzen oder Nervenausfälle. Mit einem Bluttest könne man die Erkrankung erkennen. Um das zu verhindern, sollte man sich gegen FSME impfen lassen.

Vor allem im Wald und in Gebieten, in denen Säugetiere zu finden sind, gibt es vermehrt Zecken. „Auf Feldern kommt man mit Zecken eher weniger in Berührung“, sagt Gerhard Knötzsch, Mitglied beim NABU Friedrichshafen-Tettnang. Dass sich Zecken von Bäumen auf ihre Opfer fallen lassen, ist übrigens falsch. Zecken kommen meist nur auf eine Höhe von 30 bis 40 Zentimetern, so Knötzsch. Deshalb solle man sich im Wald nicht auf den Boden oder auf Baumstämme setzen und am besten Gummistiefel anziehen. Auch Zeckenspray kann Wanderer vor einem Angriff schützen. Laut Stiftung Warentest sind vor allem die Sprays der Marke Autan oder „Zeckito classic“ von Rossmann besonders effektiv. Trotz allem sollte man sich nach einem Gang in den Wald am ganzen Körper absuchen. „Zecken werden von Schweiß angezogen. Deshalb sind sie oft an Achseln, Kniekehlen und im Leistenbereich zu finden“, sagt Jochen Weymayer.

Zecken und kalte Winter

„Hitze ist günstig für die Entwicklung der Zecken“, weiß Gerhard Knötzsch. Ob es in diesem Jahr aber tatsächlich mehr Zecken gibt, hat weder der NABU, noch das Forstamt oder das Naturschutzzentrum Eriskirch gemessen. Gerhard Knötzsch weiß aber, dass Zecken in einem warmen Herbst noch einmal besonders aktiv werden. Dieser Aussage kann auch Gerhard Kersting vom Naturschutzzentrum zustimmen: „Der Hauptbefall von Zecken findet immer im Frühsommer und im frühen Herbst statt“, sagt er.

Dass ein kalter Winter den Spinnentieren schlecht bekomme, glaube er weniger. „Trockene Kälte macht Zecken nichts aus. Ein wärmerer, feuchter Winter ist eher schlecht für Zecken“, erklärt Knötzsch. Wenn es zu feucht sei, werden die Tiere eher von Pilzerkrankungen befallen und sterben.

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