Mehr als ein gemütlicher Kaffeenachmittag

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Gute Stimmung beim "Osterkaffee" im Gemeindehaus Arche St. Columban: Ahmed Alali und Nahla Almohamad mit ihren Kindern - zusamme
Gute Stimmung beim "Osterkaffee" im Gemeindehaus Arche St. Columban: Ahmed Alali und Nahla Almohamad mit ihren Kindern - zusammen mit Laura Polczer vom Helferkreis Asyl (zweite von links). Sie unterstützt die syrische Familie in vielfacher Hinsicht. Bil
Brigitte Geiselhardt

Ostern? Was hat es damit so alles auf sich? Geht’s da wirklich nur um den gleichnamigen Hasen und das Suchen von bunt bemalten Eiern? Nein, natürlich nicht. Hinter diesem Fest steckt in erster Linie eine christliche Botschaft. Dass wissen vermutlich auch die vorwiegend muslimischen Flüchtlinge und Asylsuchenden, die am Samstag der Einladung des „Helferkreis Asyl St. Columban“ zum „Osterkaffee“ ins Gemeindehaus Arche gefolgt sind. Ein schöner und gewinnbringender Nachmittag für alle Beteiligten. Natürlich für die Frauen, Männer und Kinder, die im Wohnheim in der benachbarten Paulinenstraße untergebracht sind, oder mitt-lerweile längst in eine eigene Wohnung vermittelt werden konnten – aber auch für die zahlreichen Ehrenamtlichen der Gemeinde, die sich seit Jahren für die in Friedrichshafen gestrandeten Menschen engagieren. „Ein Engagement, das gerade in dieser Gemeinde vorbildlich ist“, wird Pfarrer Bernd Herbinger später in würdigenden Worten sagen.

Der Kaffee steht auf den gedeckten Tischen. Dazu gibt es Zopfbrot mit Butter und Marmelade. Der Blick fällt auch auf gebackene Lämmlein, die von zwei örtlichen Bäckereien gestiftet wurden. Die Stimmung ist gut an diesem Nachmittag im Gemeindehaus. Irgendwie fast familiär. Hier trifft man sich zum ersten Mal. Man scheint sich zu verstehen, auch wenn ein Gespräch aufgrund der sprachlichen Voraussetzungen nicht immer ganz einfach ist.

„Leute wissen, was zu tun ist“

„Uns gefällt’s hier. Und wir freuen uns auch immer aufs ‚Café Miteinander‘, zu dem wir jeden Freitag in die Paulinenstraße 35 eingeladen sind“, erzählt der Syrer Achmed Alali, der mit seiner Frau Nahla Almohamad und seinen sechs Kindern im Alter zwischen drei und 16 Jahren gekommen ist. „Es werden wichtige Kontakte vermittelt und bei Problemen wird geholfen. Briefe werden übersetzt. Und wenn zum Beispiel die Heizung kaputt ist, dann wissen die Leute, was zu tun ist“, sagt er dankbar. „Man trifft hier auch ältere Jugendliche“, freuen sich der 16-jährige Yazan und seine um ein Jahr jüngere Schwester Maha. „Im März ist das Kleinste der Geschwister in den Kindergarten gekommen. Jetzt kann unsere Mama, die sich mit der deutschen Sprache noch schwertut, auch endlich einen Deutschkurs machen“, erzählt Yazan. Mit am Tisch sitzt auch Laura Polczer. Sie gehört fast schon zur Familie. Die Häflerin unterstützt Kinder und Erwachsene mit besten Kräften, begleitet zur Schule, kommt auch bis zu viermal pro Woche nach Hause, um der achtjährigen Amal beim Lesenlernen zu helfen.

Gute Tradition beim Osterkaffee im Gemeindehaus ist es auch, in einfachen Worten über christliche Osterbräuche zu sprechen. Zusammen mit Annemarie Fricker vom Helferkreis thematisiert Pfarrer Herbinger diesmal unter anderem das „Osterlamm“. Ins Arabische werden die Worte von Dolmetscher Mohamad Alhasan übersetzt.

„Auf die Plätze, fertig, los.“ Sarah Kessler gibt den Start frei für die Ostereiersuche in den Wiesen rundum St. Columban. Das macht den Kids Spaß. Ehrensache, dass sie sie auch mit nach Hause nehmen dürfen.

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