Maximalbelegung soll nicht zur Regel werden

Lesedauer: 5 Min

Die Zahl der Kinder und die Nachfrage nach Betreuungsplätzen steigen in Friedrichshafen stetig an.
Die Zahl der Kinder und die Nachfrage nach Betreuungsplätzen steigen in Friedrichshafen stetig an. (Foto: dpa)

Der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen in Friedrichshafen wächst so rasant, dass die Stadt mit dem Ausbau des Angebots kaum hinterherkommt. Dem Kindergartenbedarfsplan hat der Gemeinderat am Montag zugestimmt – allerdings mit einer Ergänzung zur so genannten Höchstgruppenstärke, die zuvor bereits der Kultur- und Sozialausschuss beschlossen hatte.

Insgesamt wird die Stadt im Kindergartenjahr 2018/2019 bis zu 2075 Betreuungsplätze für Kinder über drei Jahren zur Verfügung stellen. Das sind 174 mehr als im Vorjahr. Dazu kommen 553 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren (plus 29). Die laufenden Kosten der Kindergärten werden im Jahr 2018/19 um rund 1,8 Millionen auf etwa 26,6 Millionen Euro steigen.

Die vorhandenen Plätze werden voraussichtlich gerade mal so ausreichen. Dafür wird es aber erforderlich sein, die so genannte Höchstgruppenstärke anzuwenden. Das bedeutet, dass Kindergartengruppen mit mehr Kindern belegt werden, als es die Regelgruppenstärke vorsieht. Möglich ist das aber grundsätzlich nur in Halbtagesgruppen (28 statt 25 Plätze), Regelgruppen (28 statt 25 Plätze) und Gruppen mit verlängerter Öffnungszeit (25 statt 22 Plätze). Nicht zugelassen ist diese höhere Belegung in Ganztagesgruppen, altersgemischten Gruppen und bei unter Dreijährigen. Nicht angewandt werden soll die Höchstgruppenstärke laut ergänzendem Beschluss des Gemeinderats außerdem dort, wo eine „besondere Herausforderung“ in der Betreuung besteht. Dies sind insbesondere Einrichtungen mit einem hohen Anteil an geflüchteten Kindern oder Kindern mit Inklusionsbedarf.

Zwölf von 375 Stellen nicht besetzt

Dass der Bedarf an Betreuungsplätzen in Friedrichshafen stetig wächst, hat mehrere Gründe: So ist die Zahl der Kinder unter einem Jahr seit 2013 von 513 auf 623 gestiegen. Neue Baugebiete bringen neue Familien, dazu kommen die Kinder von in Friedrichshafen untergebrachten Asylbewerbern. Parallel zur Zahl der Kinder steigt auch die Nachfrage nach längeren Betreuungszeiten, bis hin zur Ganztagsbetreuung. Das gilt vor allem für Kinder unter drei Jahren, weil immer mehr Mütter immer früher in ihren Beruf zurückkehren wollen.

Von einer großen Herausforderung sprach in der Gemeinderatssitzung dann auch Bürgermeister Andreas Köster. Was diese Herausforderung noch größer macht, ist der Mangel an Fachkräften für die Kindergärten – wenngleich die Situation in Friedrichshafen aktuell noch nicht ganz so prekär ist: Wie Köster ausführte, sind von 375 Stellen zwölf nicht besetzt. Unterm Strich konstatierte der Bürgermeister, dass die Stadt für das kommende Kindergartenjahr gut aufgestellt sei.

Um den Bedarf an Betreuungsplätzen decken zu können, werden kurzfristig mehrere Einrichtungen erweitert beziehungsweise neu eingerichtet – teilweise als vorübergehende Lösungen. Mittel- bis langfristig setzt die Stadt unter anderem auf das neue Kinderhaus am Karl-Olga-Park. Weitere Kindergärten sind geplant in Jettenhausen und an der Grundschule Fischbach, erweitert werden sollen die Kindergrippe Lummerland im Fallenbrunnen, der Kindergarten zum Guten Hirten und die Kinderkrippe Sonnenschein in Ailingen.

Die Ratsfraktionen hoben in ihren Erklärungen vor allem zwei Punkte hervor: dass die Höchstgruppenstärke nicht zur Regel werden darf und dass bei der Planung von Baugebieten frühzeitig auch der damit einhergehende steigende Bedarf an Betreuungsplätzen in den Fokus rücken sollte. Ein weiteres Thema: das Essen. Erste positive Signale sendeten mehrere Fraktionssprecher bezüglich des Antrags der SPD, die Einrichtung einer kommunalen Küche zur Belieferung von Kindertageseinrichtungen und Schulen zu prüfen (die SZ berichtete). Diskutiert wird darüber zu einem späteren Zeitpunkt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen