Max Uthoff als Wickie mit der scharfen Zunge

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 Max Uthoff zückt für jeden sein verbales Schwert aus Pointen und ironischen Brüchen
Max Uthoff zückt für jeden sein verbales Schwert aus Pointen und ironischen Brüchen (Foto: gsb)
Gudrun Schäfer-Burmeister

„Moskauer Hunde“ heißt das Programm, mit dem der Münchner Berufszyniker sein Publikum im Bahnhof Fischbach unterhalten hat, bestens unterhalten, um das vorweg zu nehmen. Der Bahnhof glich einer überfüllten Wartehalle voller erwartungsfroher Menschen, die angesichts der bitteren Wahrheiten über verspätete Interventionen in die Klimakrise und der Wechselwirkungen von Armut im globalen Süden und Reichtum im Norden der Erdhalbkugel am Glauben an die Fortsetzung ihrer erfolgreichen Zugfahrt durchs Dasein festhalten. Uthoff zog die Analogie zum bunten Abend auf der Titanic, bei dem wir in Deutschland in der 1. Klasse sitzen und so den kürzesten Weg ins Rettungsboot haben. Denn mit dem SUV war vermutlich niemand da, „geht ja nicht für Publikum von politischem Kabarett“, die Fahrer derselben wurden im Lauf des Abendprogramms immer wieder aufs Korn genommen. Kritisieren müsse man diese Fahrzeuge nicht, sondern abschaffen, jede Beschädigung derselben entspreche dem Tatbestand der Notwehr. In Summe zwei Stunden Rundumschlag, bei dem quasi jeder Mensch sein Fett weg kriegte, was sich dank des eloquenten sprachlichen Kugelhagels des Fachmannes für intelligente Unterhaltung wie der Genuss einer sanften Regendusche anfühlte, aber nur, weil es eigentlich kein Innehalten zwischen den Salven gab, und das Lachen keine Zeit hatte, im Halse stecken zu bleiben. „So!“ würde denn auch auf Uthoffs Grabstein stehen, wenn dort einst die wesentlichen Lebensbotschaften stünden. Bei Helene Fischer wäre es „na, was wohl?“ „Atemlos“ antwortet das Publikum unisono - woher die das wohl wissen, fragt sich die Journalistin und vermutet, ohne dass da ein kausaler Zusammenhang bestünde, dass vielleicht doch SUV-Fahrer im Raum sind. Dass Uthoff die Tierliebe von Katzen- und Hundefreunden fremd ist, mag er seiner Faszination von Intelligenz zuschreiben, denn sogar Uli Hoeneß attestiert er mehr im Ranking um dieselbe. Würden Menschen Tiere danach essen, müsste zuallererst der Pudel auf dem Teller landen, nicht das Schwein. Um Kinder sorgt er sich, bilinguale Yoga-Kindergärten für Eineinhalbjährige böten Bildung statt Bindung. „Mit der Frühförderung, die wir den Kleinen schon heute angedeihen lassen, werden sie sich die Psychopharmaka als Erwachsene auch leisten können.“

Ein echter Abriss des Programms der Uthoffschen „Moskauer Hunde“ ist nicht möglich. Politiker jeder Couleur, Medien und Meinungen, Reisende und Telefonierende, der (Un-) Sinn von Einparkhilfen angesichts der Funktion von Stoßstangen, die Frage nach dem Coiffeur von Trump und Johnson, „der die beiden mit Frisuren versorgt, die die Leute so lange lachen lassen, bis sie es merken, dass sie es ernst meinen“, alle werden mit dem Zielfernrohr treffsicher anvisiert.

In Anbetracht der ausverkauften Veranstaltung vermutet der Künstler, dass viele gekommen sind, um den Fernsehmann zu sehen, den sie aus der „Anstalt“ kennen. Als solcher empfiehlt er die Livesendung, die am 10. Dezember gezeigt wird. Der Mann, der als Kind auf die wöchentliche „Wickie“-Folge im Fernsehen wartete, laut Expertise seiner fünfjährigen Tochter aussieht wie Friedrich Merz, hat übrigens vielleicht doch ein Herz für Tiere, allerdings nicht für die domestizierten. Sein Respekt gilt den Moskauer Hunden, die als verwilderte Rudel gelernt haben, U-Bahn zu fahren, ganz ohne mit dem Schwanz zu wedeln. Auch an kleinem privaten Vergnügen lässt er sein Publikum teilhaben, womit nicht die Bewertung der sexuellen Leistung auf bewertedeinenpartner.de gemeint ist, sondern das fein kratzende Geräusch, das jetzt frühmorgens um sechs zu hören ist, wenn SUV-Fahrer ihre Scheiben frei kratzen, weil die Autos zu breit für die Garage sind. So!

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