Maschinenbau-Studentin erhält Ilse-Essers-Preis

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crossmediale Volontärin

Ilse Essers: Geboren 1898 in München, zeigte die Tochter des Ingenieurs Theodor Kober schon früh ein Interesse an Mathematik und Technik. Ihre Mutter setzte sich dafür ein, dass Ilse sich auf einer Jungenschule auf ein Maschinenbau-Studium vorbereiten konnte. Immer wieder wurden Ilse Essers Entwürfe als „Unsinn“ abgetan. Eine Chance bekam sie schließlich von Theodor von Karman, der sie als Flugzeugskonstrukteurin im Aachener Institut einstellte. Bis heute finden Essers Entwürfe zur Sicherheit in der Luftfahrt Beachtung.

Sie ist jung, weiblich und technikbegeistert: Andrea Hafner hat am Donnerstag beim Girl’s day auf dem Campus der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) den Ilse-Essers-Preis des Stadt Friedrichshafen erhalten. Gleichzeitig lernten Schülerinnen beim Girl’s Day die technischen Studiengänge der Hochschule kennen, durften Roboter steuern und eine Virtual-Reality-Brille aufsetzen.

Studentinnenanteil bei 20 Prozent

„Der Frauenanteil in den technischen Studiengängen der Dualen Hochschule ist steigerungsfähig“, sagte der Prorektor der DHBW, Heinz-Leo Dudek, zu Beginn der Preisverleihung. Zurzeit sei nur etwa jeder fünfte Studierende weiblich. Mit dem Ilse-Essers-Preis will die Stadt Friedrichshafen zeigen, dass auch Frauen in technischen Berufen Spaß und Erfolg haben können. Der Preis zeichnet jährlich die beste Absolventin eines technischen Studiengangs an der Hochschule aus. Die 21-jährige Andrea Hafner, die aus Glan in Kärnten stammt. ist bereits die 18. Preisträgerin. Sie studierte an der DHBW Maschinenbau, Produktionstechnik und Produktion und Management und absolviert jetzt in Ulm ein Master-Studium. Bürgermeister Dieter Stauber überreichte ihr den Ilse-Essers-Preis und einen Scheck in Höhe von 1000 Euro. „Heute ist es glücklicherweise nicht mehr ungewöhnlich, Frauen im Hörsaal einer technischen Vorlesung zu entdecken. Aber Rollenbilder sind immer noch wirksam, Frauen in Führungspositionen von Technikunternehmen sind eher selten. Ich freue mich, wenn dieser Preis Sie ermutigt, Ihren Weg unbeirrbar zu gehen", sagte Stauber.

Als erste Preisträgerin erhielt Andrea Hafner einen Geldpreis, der aus Mitteln der Zeppelin-Stiftung finanziert wird. Normalerweise werden die Gewinnerinnen mit einem Aufenthalt an einem Standort der weltweit agierenden Stiftungsbetriebe ZF Friedrichshafen AG oder Zeppelin Systems GmbH prämiert. Aus zeitlichen Gründen kann Hafner die einwöchige Reise aber nicht antreten.

Technik zum Anfassen

Im Anschluss an die Preisverleihung gab es für sie und die Teilnehmerinnen des Girl’s Days eine Führung durch die Lernfabrik der DHBW. Die neun bis 16 Jahre alten Schülerinnen durften dort unter anderem einen Roboter steuern und eine Virtual-Reality-Brille aufsetzen. Letzteres gefiel vor allem der zwölfjährigen Angelina. Die Sechstklässlerin staunte darüber, dass sie durch die Brille „ein Chamäleon auf einem Fahrrad“ sehen konnte.

Genauso viel Spaß hatten Celine und Silvana (beide 14). Die Gymnasiastinnen aus Ochsenhausen traten gegen einen Roboter an: Schneller als die Maschine mussten sie Schrauben in eine Kiste drehen. Beiden gelang es - zu ihrer Erleichterung. „Ich war schon ein bisschen nervös. Ich wollte nicht verlieren“, sagt Silvana.

Roboter versus Mensch?

Ob Roboter besser als Menschen arbeiten können und sogar irgendwann über sie herrschen könnten - darüber diskutierten die Mädchen im Anschluss mit Wilhelm Ruckdeschel, dem Prodekan der Fakultät Technik an der DHBW. Die klare Antwort lautete: „Nein. Allerdings“, schob Ruckdeschel hinterher, „werden Roboter zukünftig im Alltag immer mehr eine Rolle spielen.“

Dies betreffe vor allem das Thema „autonomes Fahren“. Zur Freude der Schülerinnen zeigte Ruckdeschel ihnen eine Miniaturversion eines Lastkraftwagens, die auf Befehl einem anderen Auto hinterherfahren kann. An dieser Technik arbeiten der Dekan und sein Team zurzeit. Sein Fazit lautete daher: „Mit einem technischen Studium hat man beste Aussichten auf eine Anstellung.“

Beliebtes Angebot

Ob das die Mädchen überzeugt hat? Die meisten von ihnen wirkten am Ende des Tages zufrieden. „Generell wird der Girl’s Day gut angenommen“, verrät Kristin Brüning, die die Veranstaltungen an der DHBW organisiert. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Teilnehmer stabil bei etwa 15 geblieben. Die Mädchen reisen zum Teil bis aus Rottweil oder Ulm an, wenn sie das Angebot der Dualen Hochschule interessiert. Vor allem die Älteren nutzen den Girl’s Day zur Berufsorientierung. Die 16-jährige Amelie aus Tettnang beispielsweise will sich einen Eindruck von technischen Studiengängen verschaffen. Sie interessiert sich für Mathematik und Physik.

Damit hat sie etwas mit der diesjährigen Ilse-Essers-Preisträgerin Andrea Hafner gemein. Vielleicht heißt die DHBW ja bald ihre nächste herausragende Technik-Studentin willkommen.

Ilse Essers: Geboren 1898 in München, zeigte die Tochter des Ingenieurs Theodor Kober schon früh ein Interesse an Mathematik und Technik. Ihre Mutter setzte sich dafür ein, dass Ilse sich auf einer Jungenschule auf ein Maschinenbau-Studium vorbereiten konnte. Immer wieder wurden Ilse Essers Entwürfe als „Unsinn“ abgetan. Eine Chance bekam sie schließlich von Theodor von Karman, der sie als Flugzeugskonstrukteurin im Aachener Institut einstellte. Bis heute finden Essers Entwürfe zur Sicherheit in der Luftfahrt Beachtung.

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