Mahnmale: Warum Bodensee-Bauern grüne Kreuze an ihren Feldern aufstellen

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Ein grünes Kreuz am Straßenrand
Sollen auf die Existenzsorgen der Landwirte aufmerksam machen: grüne Kreuze. (Foto: Jens Lindenmüller)
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Am Straßenrand aufgestellte Kreuze erinnern in der Regel an Opfer tödlicher Verkehrsunfälle. Die Kreuze, die seit einigen Tagen an immer mehr Stellen im Bodenseekreis zu sehen sind, haben aber einen anderen Hintergrund.

Sie sind grün und sollen auf die Existenzsorgen der Landwirte im Hinblick auf das Agrarpaket und das Volksbegehren Artenschutz aufmerksam machen. Das startet am 24. September.

Von Nordrhein-Westfalen an den Bodensee

Seit Willi Kremer-Schillings, bekannt als Bauer Willi, an einer vielbefahrenen Bundesstraße in Nordrhein-Westfalen das erste grüne Kreuz aufgestellt hat, um gegen das von den Bundesministerien für Landwirtschaft und Umwelt verabschiedete Agrarpaket zu protestieren, sind erst wenige Tage vergangen.

Doch die Aktion breitet sich, auch dank der sozialen Medien, rasend schnell aus – und ist auch am Bodensee bereits angekommen.

Ja zur Biene, Nein zum Volksbegehren

Immer mehr Landwirte stellen auch auch am Bodensee am Rand ihrer Felder grüne Kreuze auf. Wobei hier nicht nur die Kritik am Agrarpaket laut wird, sondern auch am Volksbegehren Artenschutz.

Der Maschinenring Tettnang etwa hat vor einigen Tagen eine Internetpräsenz gestartet, die unter dem Motto „Ja zur Biene, Nein zum Volksbegehren“ steht. Die beiden Landwirte Tobias Appenmaier aus Tettnang und Philipp Emser aus Kressbronn sind Repräsentanten der neuen Initiative „Bodensee-Bauern“.

Irgendwann muss man eine Grenze setzen, denn so krasse Einschränkungen wie jetzt gefordert können wir uns nicht mehr erlauben.

Sebastian Lanz

„Wenn die Forderungen durchgehen, hat das immense Auswirkungen auf die Landwirtschaft am Bodensee. Darauf müssen wir aufmerksam machen“, sagt Sebastian Lanz, 31-jähriger Obstbauer aus Hirschlatt.

„Wir haben in den vergangenen Jahren schon viel einstecken und hinnehmen müssen. Irgendwann muss man eine Grenze setzen, denn so krasse Einschränkungen wie jetzt gefordert können wir uns nicht mehr erlauben“, so Lanz.

Als unfair empfindet er, dass vor allem die Landwirtschaft für das Artensterben verantwortlich gemacht werde, obwohl Landwirte schon längst Artenschutz betrieben – zum Beispiel mit Blühstreifen oder Insektenhotels. „Auch das müssen wir den Verbrauchern bewusst machen“, sagt er.

Weniger Pflanzenschutzmittel ein "Himmelfahrtskommando"

Zu den Kernforderungen des Volksbegehrens zählt unter anderem eine deutliche Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. „Eine pauschale Reduzierung ist für uns ein Himmelfahrtskommando“, sagt Kreisbauernobmann Dieter Mainberger.

Kein Landwirt spritze gern. Er habe schlicht keine andere Wahl, wenn er etwas produzieren soll, das der Verbraucher auch wirklich kauft. „Wenn nicht wir das produzieren, produzieren es andere, irgendwo auf der Welt, und die Leute kaufen es dann von dort“, sagt Mainberger.

Den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren, sei dann sinnvoll, wenn es Alternativen gebe – technische oder auch durch Züchtung resistenter Sorten.

Tobias Appenmaier und Hubert Hengge vom Maschinenring Tettnang sehen insbesondere das geforderte generelle Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten kritisch, auch mit Blick auf den Tettnanger Wald. Denn auch landwirtschaftliche Flächen liegen dort im Landschaftsschutzgebiet.

Damit sei die Existenz der betroffenen Landwirte bedroht. Das würde selbst für Bio-Bauern gelten, denn auch diese setzten Mittel wie Kupfer oder Schwefel ein, sagt Hengge – womit aber im Landschaftsschutzgebiet auch erst einmal Schluss wäre, auch wenn der Gesetzentwurf von „Rettet die Biene“ amtliche Ausnahmeregelungen vorsieht.

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