„Hallo Friedrichshafen“ ruft Luke Mockridge und versichert ein ums andere Mal, er sei gerne da.
„Hallo Friedrichshafen“ ruft Luke Mockridge und versichert ein ums andere Mal, er sei gerne da. (Foto: Olaf E. Jahnke)
Olaf E. Jahnke

Offensichtlich hat das überwiegend jüngere Publikum schon auf Luke Mockridge gewartet, denn die Begrüßung ist ohrenbetäubend ausgefallen. Die Tour „Welcome to Luckyland“ war nach Auskunft der Veranstalter rasch ausverkauft, denn der Comedian ist als Autor, Web- und TV-Star vielfach preisgekrönt und präsent. Er hat inzwischen Millionen Follower und Zuschauer in sozialen Netzwerken und beim Radiosender 1-Live sowie eine TV-Präsenz vom „Waschsalon“ bis zur eigenen Sat 1-Show „Luke! Die Woche und ich“ und einer neuen Spielshow „Catch“. Mockridge hat den Sprung vom YouTube-Channel zur TV-Show geschafft.

Der routinierte Comedian wendet sich gleich mit direkten Fragen an sein Publikum – und macht den Alterscheck. Von 12 bis 25 geht das Alter der meisten Besucher – aber auch die ältere Generation ist dabei – als begleitende Eltern. Dabei kommen Fans aus der gesamten Bodenseeregion. Ein neues Programm hat Mockridge angekündigt. Der „Fast-Dreißigjährige“ liebt den direkten Dialog mit dem Publikum, da wird ein aus dem Publikum gebrüllter Name „Beeernd!“ zum Running-Gag – und allerlei Themen, die Teenager so beschäftigen, gibt Mockridge zappelnd, gestikulierend und sich verbiegend schnell und witzig assoziierend eine Bühne.

Überwiegend jugendfrei

Dabei bleibt der Comedian überwiegend jugendfrei – vielleicht bis auf den Wunsch nach einem überlangen Penis. Ob mit situativen Erzählungen oder persönlichen Erfahrungen, mit Beispielen oder Lebensproblem-Themen fesselt er sein Publikum. Mockridge erinnert auch an die Anfangszeiten des Internets – mit Modem und sehr langen Download-Zeiten, wechselt dann zu den Typen einer Whats-App- oder einer Feier-Gruppe. Witzig, wenn auch nicht wirklich neu: Mockridges musikkomödiantische Synthesizer-Sound-Auswahl mit der Eishockey-Fanfare in verschiedenen Varianten. Zusammen mit seiner „Schulband“, die die GZH-Bühne immer wieder lautstark rocken, gibt sich der Comedian als Cover-Sänger – auch hier tobt das Publikum, sei es zu Festzeltsound, 90er Revivalhits oder Aktuellerem, von „With Or Without You“, über Coldplay-Songs, bis „Cordula Grün“. Für die höhere Stimmlage beim zweiten Teil von „Teenage Dirtback“ werden publikumswirksam zwei Schnäpse gezischt. Erstaunliche Resonanz gibt es trotz Mega-Zeitsprung fürs letzte Stück vor der Pause, „Hey Jude“ von den Beatles. Das Publikum singt und winkt begeistert mit.

Nach der Pause wird die „Beziehungsphase“ thematisiert, samt Musicalbesuch und peinlicher Vorstellung bei den Eltern. Immer wieder ist Mockridge dabei dicht am oder im Publikum. Ganz zum Schluss gibt es noch mal Persönlicheres: „Ich bin nicht gerade der Typ für eine Kneipenschlägerei“, sagt er. Das Publikum ist allein schon wegen des Unterhaltungskünstlers Körperbau und Körpersprache wenig verwundert über diese Auskunft. Nach Jahren des Feierns fühle er sich „fast schon ein bisschen ausgefeiert“. Oder der Endzwanziger wird elegisch romantisch: „Ich hab grad’ krassen Liebeskummer“ bis hin zur Erklärung des neuen Programms, bei dem es nicht um Vergangenheit oder Zukunft gehe, sondern um den Moment. Und weil ja der Augenblick zähle, sei „Luke’s World“ der gerade besonders schöne Moment in Friedrichshafen.

Nach einer kleinen Zugabe samt Mitsinghit und insgesamt zweieinhalb Stunden Programm, einschließlich Pause, ist dann Schluss. Auch damit ist das Publikum zufrieden. „So genial, das nächste Mal sind wir wieder dabei“, sagt eine kichernde 16-Jährige, ihre Freundin stimmt zu. Familie Kessler aus Bregenz ist mit den 13- und 15-jährigen Töchtern angereist, die „ihrem Luke“ auf verschiedenen sozialen Medien und im Fernsehen folgen. Der Familienvater sagt dazu lakonisch: „Einer muss ja fahren und bezahlen – aber die Show fanden wir auch gut.“

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