Das Stadtorchester Friedrichshafen probt in der Musikschule für „Literatur und Musik“ im GZH.
Das Stadtorchester Friedrichshafen probt in der Musikschule für „Literatur und Musik“ im GZH. (Foto: Christian Lewang)
Gerd Kurat

Das diesjährige Herbstkonzert des Stadtorchesters Friedrichshafen, am Samstag, 10. November, um 20 Uhr im Graf-Zeppelin-Haus, steht unter dem Motto „Literatur und Musik“. Die Grundidee war, so berichtet Musikdirektor Pietro Sarno, dass jedes Werk einen literarischen Hintergrund hat. Fündig wurde er für das Programm der Reihe „Entertaining Winds“ bei Originalkompositionen mit unterschiedlichen Erzählungen oder Gedichten als Vorlage.

Für sein erstes großes Werk – Szenen aus „Max und Moritz“ – bekam der Schweizer Mario Bürki in Luzern von der Weltvereinigung für Sinfonische Blasorchester den zweiten Preis. Freuen dürfen sich die Zuhörer auf die farbenreiche musikalische Darstellung des Pulverblitzes in der Pfeife beim Lehrer Lämpel oder das Leid der Witwe Bolte beim Anblick ihres Federviehs am Apfelbaum.

Zur Entspannung folgt der Chorsatz „Sleep“ (Der Schlaf) nach dem Text von Charles Anthony Silvestri. Der Komponist Eric Whitacre hat selbst eine Fassung für sinfonisches Blasorchester des wunderschönen, tief bewegenden Chorals geschaffen. Die einzige Bearbeitung des Konzerts stammt von dem amerikanischen Komponisten Mark Hindsley. In seiner Reihe „Yesterday’s Classics for Today’s Bands“ findet man den „Danse Macabre“. Camille Saint-Saens soll vom grotesken Gedicht von Henri Cazalis inspiriert worden sein. In der parodistischen Szene auf dem Friedhof von Mitternacht bis zum Hahnenschrei bekommt der Tod statt der verstimmten Geige ein Saxofon in die Hand, um zum Walzer über den Gräbern anzustimmen.

Richtig ins Schwärmen kommt Sarno wenn er von der Sinfonie Nr. 1 von Johan de Meij erzählt. Nicht ein kleiner Vierzeiler sondern die ganze Trilogie „The Lord of the Rings“ von J.R.R. Tolkien hatte sich der junge holländische Komponist für seine erste Komposition als Quelle herausgesucht. 1988, also vor 30 Jahren, begann nach der Uraufführung in Brüssel der Siegeszug dieses einmaligen Werkes für sinfonisches Blasorchester.

Es ist in der Form keine klassische Sinfonie, sondern eher eine Suite mit fünf sinfonischen Gedichten. Aber das Leitmotiv für den Zauberer Gandalf aus dem ersten Satz kehrt in allen anderen Sätzen wieder und schafft so eine Einheit. Oft werden wegen der hohen technischen Anforderungen an die Musiker nur einzelne Teile live aufgeführt. Das Stadtorchester führt nun zum ersten Mal unter Pietro Sarno alle fünf Sätze auf und entführen in die Welt der Hobbits, des Elfenwaldes und der Wanderung bei Nacht entführen.

Wer nicht mehr alle Streiche von „Max und Moritz“ kennt oder alle Feinheiten von „Herr der Ringe“ zusammenbringt, braucht sich keine Sorgen zu machen. Edi Graf, bekannt aus zahlreichen Rundfunksendungen und öffentlichen Veranstaltungen, wird als Sprecher und Moderator durch das abwechslungsreiche Programm führen. Und es gibt noch eine Premiere: Zum ersten Mal werden die hoffentlich zahlreichen Besucher mit einen schmissigen, zünftigen Marsch von Julius Fucik zu Beginn auf den Abend eingestimmt werden.

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