Ein ernstes Chorkonzert singt die „Camerata Serena“ unter der Leitung von Nikolaus Henseler.
Ein ernstes Chorkonzert singt die „Camerata Serena“ unter der Leitung von Nikolaus Henseler. (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

Zum Chorkonzert des Vokalensembles „Camerata Serena“ hat Chorleiter Nikolaus Henseler am Sonntagabend ins Graf-Zeppelin-Haus eingeladen. Gäste waren der Bariton Manuel Kundinger und der Pianist Stéphane Bölingen. „Warum?“ hat Henseler das Konzert überschrieben. Kein sommerlich-leichtes, unbeschwertes Konzert hat er seinen Zuhörern geboten, sondern ein geistliches Konzert, das existenzielle Fragen stellte.

Felix Mendelssohn Bartholdys Motette „Warum toben die Heiden“ erklärte das „Warum?“, ebenso wie Johannes Brahms’ Motette „Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen?“. Diese große Motette für vier- bis sechsstimmigen Chor a cappella stellte Henseler Brahms‘ „Vier ernste Gesänge“ für Bariton und Klavier gegenüber. Beide kreisten um den Tod. Trostlos vergleicht Brahms‘ erster Gesang den Menschen mit dem Vieh, beide müssen sterben, werden zu Staub. Besser sei das Los der Toten als der Lebenden, die dem Bösen in der Welt hilflos gegenüberstehen.

Und er blickt auf die zwei Gesichter des Todes: dem Erfolgreichen ist er bitter, dem Dürftigen eine Wohltat. Als Ausweg sieht der vierte Gesang Glaube, Hoffnung und Liebe, die das Hohelied der Liebe im Korintherbrief preist. Auch Brahms preist in seiner Motette den Tod, sieht in ihm die Verheißung eines barmherzigen Gottes. Mit zwei trostreichen Liedern von Max Reger schloss sich der Kreis – in Gottes Liebe, in der Stille der Nacht ist Friede und Trost. Schon die erste Motette „Warum toben die Heiden“ hatte auf den Herrn gesetzt, während Robert Schumann in seinem Chor „An die Sterne“ den Frieden bei den Sternen sucht, aber noch zweifelt: „Könnt ihr täuschen wohl?“ Ein ernstes Programm, das auch in eine dunkle Jahreszeit gepasst hätte, wie Co-Dekan Gottfried Claß bemerkte, und doch Fragen, die uns jederzeit begleiten.

An den Sängern lag es nun, Zweifel, Angst und Trost herüberzubringen. Intensiv hatte Henseler mit den 34 Sängern gearbeitet, die sich für dieses Projekt entschieden hatten – erfreulich viele neue, junge Gesichter waren zum bewährten Kern gekommen, auch der Männeranteil lag über dem heute üblichen Drittel. Dankenswerterweise waren die Liedtexte im Programmheft abgedruckt, doch eine ausgeprägt klare Artikulation machte sie fast unnötig. Und wieder bestach die Camerata mit bewundernswerter Klangkultur, ob in den Doppelchören oder in der vier- bis sechsstimmigen Brahms-Motette. Vorzüglich fügte sich Bariton Kundinger ins Programm. Ob stille Resignation, Leid und Tränen oder leidenschaftliche Aufforderung, immer war sein Gesang glaubhaft und eindringlich. Passend fügte Pianist Stéphane Bölingen drei Fantasiestücke von Schumann ein, ließ wogende Fluten, vitales Spiel mit Inseln der Seligkeit kontrastieren. Ein würdiger Abschluss war Regers „Einsiedler“, in dem sich Bariton, Chor und Klavier vereinten, der Chor den Sänger liebend umfing.

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