Warum etwas in den Müll werfen, was andere vielleicht noch gebrauchen können? Das Interesse beim "Müllspartag" des Landratsamts
Warum etwas in den Müll werfen, was andere vielleicht noch gebrauchen können? Das Interesse beim "Müllspartag" des Landratsamts in der Alten Festhalle war groß. Bei der Abgabe der Gebrauchsgegenstände bildeten sich lange Schlangen. (Foto: Wilfried Geiselhart)
Wilfried Geiselhart

Samstag, 10 Uhr. Lange Schlangen bilden sich an den Abgabestellen vor der Alten Festhalle. Daran wird sich auch in den nächsten zwei Stunden nichts ändern. Unzählige Menschen sind zum „Müllspartag“ gekommen, zu dem das Landratsamt in die Alte Festhalle eingeladen hatte. Auch Claudia und Dieter Fröhling aus Kluftern. „Es ist eine optimale Möglichkeit, Dinge an den Mann oder an die Frau zu bringen, die man selbst nicht mehr benötigt, andere aber noch gut gebrauchen können. Vieles ist für den Sperrmüll einfach noch zu schade“, sagt Dieter Fröhling. „Gerade wenn man an die Aspekte von Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Recycling denkt“, sagt Claudia Fröhling. Mitgebracht hat das Ehepaar zwei gut erhaltene Fotorucksäcke und ein Kaffeeservice für fünf Personen.

Stefan Stoeßel, Leiter des Abfallwirtschaftsamts im Landratsamt, und sein Mitarbeiterteam haben mit der Annahme und dem Sortieren der Ware alle Hände voll zu tun. „Eine Aktion, die Sinn macht und die sich auch lohnt“, sagt er. „Hierbei handelt es sich auch nicht um eine kostenlose Müllentsorgung, sondern um einen kostenlosen Warentauschtag.“ In der Regel seien die abgegebenen Dinge noch gut weiterzuvermitteln. „Am Ende des Tages bleibt nicht viel übrig, was als Müll entsorgt werden muss. Vielleicht maximal ein paar Prozent“, sagt Stoeßel. Natürlich habe man bereits bei der Annahme ein wachsames Auge und nehme jeweils nur etwa so viel an, wie eine Person tragen könne. Gleiches gelte anschließend beim Mitnehmen der Ware, um so gewerblichem Missbrauch vorzubeugen.

Die Tische in der Halle füllen sich. Da liegen Geschirr und Gläser, jede Menge Bücher, Schnellkochtöpfe, Brettspiele, Puppen und Kuscheltiere, Koffer, Taschen und vieles mehr. Zu den fleißigen Helfern gehört auch Larissa Waibel. Die 18-Jährige ist im zweiten Lehrjahr der Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten – und guter Stimmung. „Ich bin bereits zum zweiten Mal dabei. Es ist eine prima Erfahrung, hier mitzumachen, und das Ganze macht auch Spaß“, sagt sie. „Ist doch besser, die Sachen hier abzugeben, als sie im Keller verrotten zu lassen. Andere freuen sich vielleicht darüber.“

Die Schlange vor der Halle ist immer noch nicht kleiner geworden. Als Kooperationspartner verkauft der Eine Welt Verein fair gehandelte Produkte und Kaffee. Unter den Wartenden ist auch Ursula Uhse, die zusammen mit ihrem Mann gekommen ist. „Die Kinder sind groß geworden, inzwischen auch die Enkelkinder. Man hat so einiges übrig, was noch gut in Schuss ist“, sagt sie. Mitgebracht hat sie diverse Kinderspielsachen, auch Sportartikel und Bergsteigerutensilien. „Wenn ich Möbel oder Kleidung übrig habe, bringe ich die Sachen auch schon mal ins Fairkaufhaus in der Paulinenstraße und ins DRK-Zentrum“, sagt sie.

Es ist fast 12 Uhr. In wenigen Minuten endet das Abgeben und beginnt das Mitnehmen. In den kommenden zwei Stunden sind Diejenigen an der Reihe, die sich mit Spielsachen oder Haushaltsartikeln eindecken wollen - auch das kostenlos. Und wer pünktlich da ist, hat eine große Auswahl.

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