Liebenswerte Persiflagen laden zum Mitsingen ein

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Eine köstliche Parodie: Daniel Rohr (rechts) und Dietmar Loeffler vom Theater Rigiblick Zürich amüsieren als Duo Detlef und Didi
Eine köstliche Parodie: Daniel Rohr (rechts) und Dietmar Loeffler vom Theater Rigiblick Zürich amüsieren als Duo Detlef und Didi mit der Schlagerparade „Mendocino“. (Foto: Helmut Voith)
hv und Helmut Voith

Zum Theaterabend mit Hits aus den 70’er- Jahren hat das Theater Rigiblick aus Zürich am Donnerstagabend in den Kiesel eingeladen und für ein volles Haus gesorgt.

Es war nicht einfach ein Liederabend, auch wenn der gepflegte Steinway kräftig im Einsatz war. Es war eine herrlich freche Persiflage, die Theaterleiter Daniel Rohr und sein Duo-Partner Dietmar Loeffler am Klavier geboten haben, mit viel Backstage, dem Blick hinter die Bühne, hinter die Kulissen.

Links der Flügel, rechts zwei große Reisekoffer, daneben ein kleiner Schminktisch. Es beginnt am Ende eines Konzerts im kleinen Hotel Excelsior in Amalfi. Mit „Buona sera“ zieht sich das Duo Detlef und Didi zurück, ein letztes Schlagermedley von „It’s wonderful“ bis „Volare“, letzte Ansagen für den nächsten Tag, dann Szenenwechsel. Drei Monate Tournee durch Deutschland stehen bevor, umziehen, Koffer packen, zwölf Stunden Fahrt nach Brunsbüttel. Schnell noch eine Probe von „Spuren im Sand“, Auftritt, schüchterne Ansage, noch etwas steif. „Sie waren das netteste Publikum auf dieser Tournee“ – wer hat diesen Satz nicht schon gehört? Kurzer Dialog, schnelles Umziehen und wieder ran ans Piano, ans Mikro mit dem nächsten Schmachtfetzen. „O Maria“ heult Detlef atemlos und „Tränen lügen nicht“. Rasch ein „Mendocino“ zum Abschied und nächste Station. Gespieltes Schwelgen in Schlagern wie „Anita“ – Detlef reitet auf imaginärem Pferd -, einstudierte Pose zu „Marmorstein und Eisen bricht“, Rockstar-Allüren, flippiger, schneller, und wieder „Mendocino“ zum Abspann und weiter zur nächsten Station. Mit prächtiger Stimme singt und schmachtet und spielt Daniel Rohr die Schlager, setzt sie bildhaft um und Dietmar Loeffler singt mit und spielt Klavier. Teilweise kommen die Schlager in atemberaubendem Tempo, immer frech ironisiert – man spürt, dass dem Duo auf Tournee das Seichte zum Hals heraushängt, aber sie haben die Wünsche des PublikSums zu erfüllen.

Schließlich die große Chance als Einspringer auf Kreuzfahrtschiff auf hoher See – ein jahrelanger Traum. Rein in die Glitzerklamotten, ins Seidenhemd, in die schicken Stiefeletten zur „legendären 70er Jahre-Party“. Detlef zelebriert Songs wie „In the Summertime“ oder „Sound of Silence“, streicht Damen im Publikum zu „Help yourself to my lips...“ sanft über die Haare, bringt alles, aalt sich in akrobatischen Posen auf dem Flügel, der im Kiesel klassikgewohnt auch das klaglos über sich ergehen lässt. „I am sailing“, „Mexico“, die Persiflage taucht an die Oberfläche, ehe sie wieder ein wenig in die Tiefe taucht, sich und die Welt im Allgemeinen nie zu ernst nehmend. Detlef zelebriert „Héloïse“, doch er ist das Glitzerleben leid, will zurück ins schnuckelige Hotel Excelsior von Amalfi. Jeder macht allein weiter, doch nicht lange, da kehrt auch Didi zurück. Noch im Reisemantel singt er mit Detlef „Buona sera“ und „Ciao, ciao“. Der Traum hat sich erfüllt, doch da ist doch so etwas wie Heimat – genau das passende Ende für dieses Stück.

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