Letzte Matinée in der Schlosskirche Friedrichshafen

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Sönke Wittnebel (rechts) spielt bei der Matinée die Truhenorgel, seine Frau Gabriele die Blockflöte, deren Schwester, Dorothee F
Sönke Wittnebel (rechts) spielt bei der Matinée die Truhenorgel, seine Frau Gabriele die Blockflöte, deren Schwester, Dorothee Flaig, die Violine. Die beiden Solisten sind die Sopranistin Greta Hartleb und der Bariton Julius Feirle (von links). (Foto: Hermann Marte)
Hermann Marte

„Musikalische Anmut und barocker Überschwang“ ist der Titel der Zusammenstellung von Musikstücken fünf verschiedener Komponisten gewesen. Am Sonntagvormittag fand in der Schlosskirche Friedrichshafen nach dem Gottesdienst die fünfte und letzte Matinée des Jahres 2019 statt.

Im Vorfeld hatte sich Sönke Wittnebel, der als Kirchenmusikdirektor Leiter aller Konzerte in der Schlosskirche ist, schon ein wenig gesorgt, wieviel Leute wohl kommen würden. Immerhin lag der Termin in der Ferienzeit und nebenan lief ja auch noch das Kulturufer. Doch dann war die Kirche mit geschätzten 200 Gästen sehr gut besucht.

Wittnebel selbst musizierte bei dem Konzert an der Truhenorgel, während seine Frau Gabriele die Blockflöte spielte und deren Schwester, Dorothee Flaig, die Violine. Dazu kamen zwei neue Gesangsstimmen. Die Sopranistin Greta Hartleb und der Bariton Julius Feirle stammen beide aus dem Jugendchor der Schlosskirche und hatten am Sonntag ihre ersten Auftritte als Solisten.

Zwei Monate Probenzeit

Die Proben für das Konzert liefen in Friedrichshafen über mehr als zwei Monate. Dorothee Flaig allerdings wohnt in Darmstadt und hatte nur eine Probe mit dem Ensemble zusammen. Als Profi-Musiker wünscht man sich natürlich, man hätte noch zwei oder drei Tage mehr Gelegenheit gehabt, das Zusammenspiel zu perfektionieren. Die Zuhörer konnten allerdings keinerlei Unstimmigkeiten heraushören.

Das Konzert war eine Benefizveranstaltung mit freiem Eintritt und der Möglichkeit für die Renovierung der Orgel in der Schlosskirche zu spenden. Diese beginnt schon in zwei Wochen und wird voraussichtlich im kommenden Jahr beendet sein. Für besonders Begeisterte gibt es auch die Möglichkeit, eine Patenschaft für eine Orgelpfeife oder sogar ein ganzes Register zu erwerben.

Wie schon der Titel des Konzerts anzeigte, erwartete die Kirchgänger ein Konzert mit lebhafter und schwungvoller, um nicht zu sagen fröhlicher Musik. Natürlich gab es auch ruhige Passagen, aber es wurde niemals schwer und getragen.

Neben Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel, die auch jedem Laien ein Begriff sind, brachten die Musiker Johann Christoph Pepusch, Thomas Selle und Georg Phillip Telemann zu Gehör. Gerade letzterer war ein sehr prägender Geist in der Musikwelt des frühen 19. Jahrhunderts.

Bei jedem Stück dabei waren die Truhenorgel und die Violine, die zu Beginn und zum Ende des Konzertes von der Blockflöte begleitet wurden. Die Abstimmung der verschiedenen Instrumente aufeinander ließ für das Publikum keine Wünsche offen. Besondere Aufmerksamkeit erfuhren die beiden jugendlichen Solisten. Ihre Aufgabe war äußerst schwer, denn sie hatten, anders als die Instrumentalisten, nicht einmal ein Notenpult zwischen sich und dem Publikum. Ganz zentral ohne jede Deckung standen sie vor dem Altar und absolvierten ihre Soloauftritte bravourös. Julius Feierle hatte „Erstanden ist der Herre Christ“ von Selle und Greta Hartleb „Schmecket und sehet unsers Gottes Freundlichkeit“ von Telemann, nach Psalm 34,9. Beide sangen sicher und ohne Anzeichen von Nervosität mit volltönenden Stimmen. Dabei hatten sie am Sonntag nicht die Gelegenheit gehabt, sich richtig einzusingen.

Angenehm war für die Zuschauer sicher auch, dass sie, anders als bei vielen Kirchenkonzerten, auch nach den einzelnen Stücken klatschen durften, wovon sie ausgiebig Gebrauch machten. Nach dem Ende des Konzertes kamen noch viele Gäste nach vorne, um den Musikanten und insbesondere den Sängern zu dem gelungenen Auftritt zu gratulieren.

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