Ruth-Maria Schwamborn

Zum 75. Jahrestag des neunten schweren Luftangriffs auf die Stadt im Jahr 1944 trafen sich am Samstag um 11 Uhr die letzten Zeitzeugen und Angehörige an der Gedächtniskapelle in Schnetzenhausen, um mit einer feierlichen Andacht den Opfern zu gedenken. Auf die Stunde genau fegten damals 374 Bomber über die Stadt hinweg. Bei diesem Angriff verloren allein in Schnetzenhausen 23 Flakhelfer im Alter von 16 bis 17 Jahren, vier Soldaten und 13 Zivilisten ihr Leben.

„Was meine Generation auszeichnet, ist, dass wir seit Jahrzehnten in Frieden gelebt haben“ begrüßte Oberbürgermeister Andreas Brand die Anwesenden. Im Alter von 16 Jahren sollte die Zeit des unbeschwerten Heranwachsens sein. „Doch was ihre Generation geprägt hat, war die Zeit der Angst“, sagte der Oberbürgermeister. Das sich so etwas Schreckliches und Leidvolles nie wiederholen möge, ist die Botschaft solcher Gedenkfeiern.

Respekt und Dank

Deshalb galt sein Respekt und Dank ganz besonders Karl Stähle, Mitinitiator und Organisator der jährlichen Gedenkfeiern, für die Tradition des Nicht-Vergessens. „Das persönliche Leid ist das eine, das Gedenken das andere. Der Wunsch aller, muss ein Streben nach Friede, Freiheit und Demokratie sein“, so Brand. „Wir betrauern die Opfer und das Leid das der Krieg mit sich gebracht hat und ich verneige mich vor den Gefallenen und denen, die diese Tradition des Gedenkens und damit die Erinnerungen aufrechterhalten“.

Sehr gut daran erinnern konnte sich Heinz Riediger aus Albstadt-Ebingen. Er war damals als jugendlicher Flakhelfer in Schnetzenhausen eingesetzt und klärte die Mitfeiernden gleich auf, dass er das Wort Flakhelfer noch nie passend gefunden hat: „Wir waren Luftwaffenhelfer und davon waren in den Jahren 1943 bis 1945 etwa 200 000 im Einsatz.“ Genaue Daten würden darüber nicht existieren und deshalb auch nicht über deren Verluste. „Doch das Jahr 1944 wird für immer in die Geschichte der Stadt Friedrichshafen eingebrannt sein“, so Riediger. „Um die Erinnerungen an die Ereignisse in und um Schnetzenhausen wach zu halten, steht hier diese Kapelle. Diese soll unsere aus tiefstem Herzen kommende Wünsche für die Zukunft in Friede und Freiheit auch zukünftigen Generationen vermitteln.“

Zeichen der Versöhnung

Ebenso an die Einhaltung des Friedens appellierte einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen, der geistliche Rat und ehemalige Flakhelfer Wilhelm Weßbecher, seines Zeichens langjähriger Dekan in Immenstaad. „Suche Frieden und jage ihm nach“ zitierte er Apostel Petrus. Es muss unser aller unabdingbarer Wunsch und fester Wille sein im Frieden zu leben“, so Weßbecher. Dies bedeute die Liebe zu seinen Mitmenschen, aber auch ein friedfertiges Leben im Alltag zu vollziehen. Frieden bedeutet für den geistlichen Rat das Heilsein und umfassendes Wohlbefinden. „Der Frieden ist ein zerbrechliches Gut, deshalb müssen wir immer wieder von neuem Eintreten für Recht und Freiheit, Versöhnung und Frieden“.

Ein Zeichen der Versöhnung und ein Symbol für dauerhaften Frieden setzten zwei 16-jährige Jugendliche, indem sie den Überlebenden von damals eine große Sonnenblume überreichten. Ein sehr bewegender Moment in welchem es Karl Stähle noch schwerer fiel, den Anwesenden mitzuteilen, dass dies die letzte organisierte Gedenkfeier dieser Art war und diese so nicht mehr stattfinden wird. Er selbst hatte damals als 12jähriger Junge den Angriff erlebt und es war ihm immer ein Herzensanliegen diese Erinnerung wach zu halten.

„Aufgrund des hohen Alters aller Beteiligten ist dies so nicht mehr durchführbar“, so Stähle. Dennoch versprach er, ein Treffen am ersten Samstag im August an Ort und Stelle beibehalten zu wollen, um wenigstens im kleinen Rahmen die Tradition des Nicht-Vergessens fortzuführen. Musikalisch umrahmt wurde die letzte Gedenkfeier von Bläsern der Musikkapelle Schnetzenhausen.

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