Seit’ an Seit’ ziehen sie in den Wahlkampf: SPD-Bundestagskandidat Leon Hahn (links) und SPD-Kreisvorsitzender Dieter Stauber.
Seit’ an Seit’ ziehen sie in den Wahlkampf: SPD-Bundestagskandidat Leon Hahn (links) und SPD-Kreisvorsitzender Dieter Stauber. (Foto: Anton Fuchsloch)

Leon Hahn verteilt Denkzettel und fordert Denkzettel. Die kleinen quadratischen Flyer hat der 26-Jährige immer dabei. Für den Bundestagskandidaten der SPD im Wahlkreis Bodensee dienen sie als Einladung zum Dialog. „Ich will mit den Leuten reden und nicht über sie“, steht drauf, daneben ein leeres Feld zum Schreiben: „Einfach abfotografieren und an 0152/52614091.“ So simpel bandelt es sich in Zeiten digitaler Vernetzung an. Doch Hahn will mehr: „Ich komme in jedes Wohnzimmer“, versichert er beim Pressegespräch auf der Terrasse des Rathaus-Café.

Hahns Pressesprecher Lukas Hornung zeigt derweil, wie dessen Chatbot über das soziale Netzwerk Facebook funktioniert. Doch er scheitert am langsamen WLAN. T-City ist in Friedrichshafen Geschichte. Wie in anderen Teilen des Landes hinkt auch hier die digitale Infrastruktur den Möglichkeiten hinterher. Deshalb ist Hahns Topthema nach Wohnen die Digitalisierung.

Der Absolvent der Zeppelin Universität im Fach Wirtschaftswissenschaft will mit seinem Team, den örtlichen Parteiorganisationen, Mitgliedern und Unterstützern im Bundestagswahlkampf ein großes Rad drehen. „Warum nicht das Direktmandat für den Wahlkreis Bodensee holen“, fragt Hahn und verweist auf seinen Namensgenossen Martin Hahn - nicht verwand, nicht verschwägert –, der es bei der Landtagswahl vorgemacht hat.

Auf der Landesliste der SPD steht Leon Hahn auf Platz 28. Auch dieser Rang sei nicht aussichtslos, sagt Hahn. Immerhin 24 bis 26 Leute habe die SPD über die Landesliste Baden-Württemberg in den Bundestag gebracht. Bei dem Aufwind, den die Sozialdemokraten zur Zeit verspüren, könnte sich diese Tür für Hahn öffnen.

Wahlkampferprobt

Trotz seines jugendlichen Alters ist der gebürtige Salemer wahlkampferprobt. Schon mit knapp 20 war er Kreisvorsitzender der Jusos, seit 2015 ist Hahn Landesvorsitzender der SPD-Jugendoraganisation mit 6000 Mitgliedern, und als Delegierter des Bundesparteitagskonvents kann er am Wahlprogramm der SPD mitstricken, das am 25. Juni in Dortmund verkündet wird. Kreisvorsitzender Dieter Stauber hält große Stücke auf den Nachwuchspolitiker. „Eine kompetente Person mit Führungserfahrung und einem guten Netzwerk“, so Stauber.

„Weil wir hier am Bodensee in einer geografischen Randlage sind, brauchen wir in Berlin eine vernehmbare Stimme“, sagt der Kreisvorsitzende. Stauber kündigt einen thematischen Wahlkampf an, der die Anliegen der Menschen vor Ort aufnimmt und auf sie eingeht. Deshalb auch die Denkzettel-Aktion, die Chatbots und die Wohnzimmergespräche. Selbstverständlich werde man auch Plakatieren, an Ständen präsent sein und Kundgebungen abhalten, doch Online-Präsenz, Interaktion und Information in sozialen Netzwerken gewinnen an Bedeutung. Hahn will „junge Politik für den Bodensee“ machen.

Vier Themenbereiche, die auf seinen Wahlkreis zugeschnitten sind, hat er sich vorgenommen: Wohnen, Digitalisierung, Kampf gegen Armut und Verkehr. Mit dem Slogan „Familienwohnungen statt Ferienwohnung“ wolle er auf die Mängel am Wohnungsmarkt eingehen. Es werden zwar viel Wohnungen gebaut, aber nicht die Richtigen, ist Hahn überzeugt und fordert eine Offensive für sozial verträgliche Mietwohnungen auf allen Ebenen. In Sachen Digitalisierung fordert Hahn eine Qualitäts- und Qualifizierungsoffensive. Es könne nicht sein, dass Schülern ihren Lehrern die Technik erklären müssen, so Hahn.

Heiße Phase ab Juli

Im Kampf gegen Armut, die es auch im prosperierenden Bodenseekreis gibt, hat Hahn vor allem Alleinerziehende und ältere Menschen im Blick. Gebührendfreie Zugänge zu Kindergarten, Schule, Ausbildung und Studium hält er für notwendig. In Sachen Verkehr will der Kandidat auf der Straße und auf der Schiene Dampf machen. Die Planungsverfahren für Bundesstraße müssen schneller vorangetrieben werden, sagte Hahn. Bei der Bodenseegürtelbahn sieht er den Bund nicht aus der Pflicht. Im Gegenteil. Die Entscheidung, die Strecke nicht in den Bundesverkehrswegeplan zu übernehmen, sei ein Fehler gewesen.

Die heiße Phase des Wahlkampfs erwartet Hahn ab Juli. Sie Stimmung in der SPD sei gut. Seit Martin Schulz Kanzlerkandidat ist, nehmen die Parteieintritte zu. Von Ende Januar bis heute füllten laut Stauber im Bodenseekreis etwa 30 Frauen und Männer entsprechende Anträge aus. Ob Schulz im Lauf des Sommers an den Bodensee kommt, ist noch nicht ausgemacht. “Wir werden aber einige prominente SPD’ler begrüßen“, versichert Stauber.

Denkzettel, Themen, Persönliches und ein Spendenaufruf von Leon Hahn sind hie rzu finden:

www.leon-hahn.de

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