Vivien Götz

Sie sind die Meister der Zwischentöne, geben beschädigten Instrumenten ihre Stimme zurück und bewahren Einzel-stücke davor, für immer zu verstummen: Udo Schäfer und Markus Blaschko sind Instrumentenmacher. In ihrer Werkstatt in Friedrichshafen-Wiggenhausen kümmern sie sich um verbeulte Posaunen und heisere Oboen.

„Für uns ist es die größte Anerkennung, wenn der Kunde sein Instrument bei uns anspielt und sagt ,wow, das haben sie super gemacht’“, sagt Udo Schäfer. Er ist Metallblas- und Schlaginstrumentenmacher Meister, Blächlesdätscher, wie er selbst sagt. Mit dem „Musikhaus Schäfer“ hat er sich vor zehn Jahren selbstständig gemacht. Sein Kollege Markus Blaschko ist Holzblasinstrumentenmacher und kümmert sich vor allem um Klarinetten, Oboen und Querflöten.

Die Werkstatt der beiden ist modern, gut ausgestattet und wären da nicht die vielen Instrumente an der Rückwand, könnte man meinen hier arbeite ein Schlosser, oder vielleicht auch ein Schreiner – je nachdem ob die Späne an der Drehbank und der Bohrmaschine gerade aus Holz oder Metall sind. „Im Grunde ist der Beruf des Instrumentenmachers eine Kombination aus mehreren Berufen. In meinem Fall spielt da das Schreinerhandwerk, das Werkzeugmachen und das eigentliche Instrumentenbauen hinein“, erklärt Markus Blaschko seine Arbeit.

Blaschko hat schon früh angefangen, Musik zu machen, verbrachte seine Zeit beim Bund im Musikkorps und spielte danach eine Zeit lang mit dem Gedanken, Musik zu studieren. Schlussendlich entschied er sich dann aber doch für die handwerkliche Seite: „Das Studium wäre nichts für mich gewesen. Als Musiker hätte ich der Beste sein wollen, aber das ist extrem hart. Und dann habe ich mir überlegt – irgendjemand muss die Instrumente ja auch bauen“, erzählt Blaschko.

Für Udo Schäfer war das Instrumentenmachen ein Jugendtraum. Nach Ausbildung und Meisterprüfung trennte er sich von seinem Lehrbetrieb in Ravensburg. 2009 eröffnete er in Friedrichshafen das eigene Musikhaus. Dem Betrieb macht inzwischen vor allem billige Konkurrenz aus dem Internet zu schaffen. Udo Schäfer hat kaum noch Ausstellungsstücke in seinem Geschäft. Einen voll bestückten Showroom für Kunden, die danach ohnehin im Internet bestellen, kann und will er sich nicht leisten.

„Wir sind froh, dass man im Internet nicht reparieren kann“, sagt er. Trotzdem leidet auch das Restaurieren unter den günstigen Neupreisen: „Wenn die Flöte 180 Euro kostet, dann will der Kunde natürlich nicht 500 Euro für die Reparatur zahlen, obwohl das dem Gegenwert der Handwerksleistung entsprechen würde“, bedauert Schäfer.

Die häufigsten Kunden sind Musiker, die in Blaskapellen und Musikvereinen spielen. Trompeten und Tubas werden im Ultraschallbad gründlich gereinigt und von Udo Schäfer vorsichtig von Beulen befreit. Markus Blaschko kümmert sich um Klarinetten und Oboen, bei denen sich vor allem die kleinteiligen Verschlusskappen abnutzen. „Wir können uns in unseren Erfahrungen sehr gut ergänzen“, beschreibt Blaschko die Zusammenarbeit im Musikhaus.

Lehrlinge bildet Udo Schäfer schon länger nicht mehr aus. In Baden-Württemberg brauchen Instrumentenbauer keinen Meisterbrief mehr, um sich selbstständig zu machen. Das Wegfallen der Meister-Pflicht würde vor allem dafür sorgen, dass es viel billige Konkurrenz gebe, deren Qualität nicht kontrolliert werde, ärgert sich Schäfer. Die Gesellen seien kaum noch an ihre Ausbildungsbetriebe gebunden – es lohne sich einfach nicht, in die Ausbildung von Lehrlingen zu investieren, wenn die den Betrieb schon nach wenigen Jahren wieder verlassen um sich selbstständig zu machen, stellt der Instrumentenmacher-Meister enttäuscht fest.

Auch Markus Blaschko glaubt, dass die Zahl der Betriebe mit der Zeit abnehmen werden. „Aber ganz wird der Beruf nicht aussterben. Dazu gibt es zu viele Liebhaber – und solange man im Internet nicht reparieren kann, hat das Handwerk einen soliden Boden“, ist Blaschko überzeugt.

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