Langer Applaus für die Oper Chemnitz mit ihrem „Fidelio“

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Oper Chemnitz mit „Fidelio“: Eine starke Kerkerszene mit Rocco (Magnus Piontek), Pizarro (Jukka Rasilainen), Leonore (Daniela Kö
Oper Chemnitz mit „Fidelio“: Eine starke Kerkerszene mit Rocco (Magnus Piontek), Pizarro (Jukka Rasilainen), Leonore (Daniela Köhler) und Florestan (Bernhard Berchtold). (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Unvergessen ist der „Tannhäuser“, mit dem die Oper Chemnitz vor zwei Jahren in Friedrichshafen gastiert hat. Nicht minder exquisit jetzt Beethovens Oper „Fidelio“. Verstärkt durch hervorragende Gastsänger, war es ein großartiger Abend.

Probleme mit dem kleineren Bühnenraum wurden dank einer eigenen szenischen Einrichtung nach der Idee von Tom Musch elegant gelöst. Statt eines großen, im Bau befindlichen Hauses stand eben ein kleines im Gartenhausformat links am Bühnenrand.

Sehr detailreich und dynamisch, zart und kraftvoll kam die Ouvertüre unter der Leitung des Italieners Andrea Sanguineti aus dem Orchestergraben. Absolute Stille herrschte, um keine Nuance zu verpassen. Den Fokus legt Regisseur Robert Lehmeier auf Marzelline, die Tochter des Kerkermeisters Rocco. Eigentlich mit Jacquino verlobt, hat sie sich in Fidelio verliebt. Eine Welt stürzt für sie zusammen, als sie in ihm die Frau des Gefangenen Florestan erkennen muss. Sie ist auch in der Kerkerszene im Hintergrund präsent, ihre Gedanken, ihre Träume bringt eine Stimme aus dem Off ins Geschehen ein, denn die Sprechtexte sind gestrichen und man vermisst sie nicht.

In heutiger schwarzer Arbeitskleidung kommen Marzelline und Jaquino (Guibee Yang und Siyabonga Maqungo singen demnächst an der Staatsoper Berlin) auf die Bühne. Ihre Stimmen lassen die Gegensätze durchscheinen: Er der Liebende, sie die Frau, die sich von ihm entfernt hat und sich zu Fidelio, dem neuen Gehilfen ihres Vaters Rocco, hingezogen fühlt. Während der Ouvertüre und vor dem Finale sitzt sie allein vor dem Vorhang, um wenig später mit einem Hauch des Zögerns Jaquino abzuwehren, der ihr den Schleier hinhält. Die Hochzeit war ja schon geplant.

Diese Marzelline schafft überzeugend, den Sturm der Gefühle, den harten Wechsel zwischen Liebe und totaler Enttäuschung zu zeigen. Was Musik zu transportieren vermag, welche unterschiedlichen Stimmungen sie gleichzeitig aufscheinen lässt, hatte gleich das berühmte Quartett am Anfang gezeigt. Prächtig lässt Rocco (Magnus Piontek) die Geld-Arie leuchten, während Fidelio/Leonore (sehr stark Daniela Köhler) ihre Entschlossenheit wie ihre Angst verbergen muss.

Ausufernde Handlung gestrichen

Gleißendes Licht. Dann treten die Bodyguards auf und mit ihnen der Böse, Gouverneur Don Pizarro. In heller Kleidung erscheinen die Gefangenen, eindrucksvoll intoniert der Chor den berühmten Gefangenenchor. Unbemerkt stehen Marzelline, später auch Fidelio an der Wand und hören mit. Suchend, doch ohne Erfolg geht Fidelio durch den Chor, ehe Pizarro die Gefangenen wieder zurückschickt.

Gleißendes Licht auch nach der Pause. Dann ein Mensch allein auf einem Stuhl: Florestan (Bernhard Berchtold). Er ist nicht verzweifelt, weil er die Gewissheit hat, alles richtig gemacht zu haben. Da kommt sein Todfeind Pizarro die Treppen herunter. Hier wurde die oft ausufernde Handlung gestrichen, kein Grab gegraben,. Fidelio outet sich als Gattin Leonore. Ohne Kitsch erkennen sich die Eheleute. Auch später fehlt die harte Bestrafung des Bösewichts, Pizarro verschwindet einfach, während die vielen bunt gekleideten Menschen dem Paar und dem Minister zujubeln, der die Rettung gebracht hat.

In die heutige Zeit übertragen, in heutiger Kleidung geht das Konzept des Regisseurs Robert Lehmeier bestens auf. Fidelio wird zum zeitlosen Modell, und das mit Spitzensängern und einem ausgezeichnet mitgehenden Orchester.

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