„Landshut“ wird in Friedrichshafen ausgestellt

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Schwäbische Zeitung

Entscheidung im Auswärtigen Amt: Die 1977 von Terroristen entführte und von der Spezialeinheit GSG-9 im somalischen Mogadischu befreite „Landshut“ soll in Friedrichshafen dauerhaft ausgestellt werden.

Die Entscheidung soll Außenminister Sigmar Gabriel laut SZ-Informationen persönlich getroffen haben.

„Das Dornier Museum freut sich sehr über diese Entscheidung des Außenministeriums“, erklärte unmittelbar nach Bekanntgabe der Direktor David Dornier: „Diese Attraktion wird viele Besucher in die Stadt Friedrichshafen und an den Bodensee locken.“

„Für das Dornier Museum ist dies sicherlich eine wichtige unternehmerische und museale Entscheidung und ein Erfolg in seinen Bemühungen. Jetzt gilt es, eine stimmige Präsentation für die Landshut zu finden, damit hier vor Ort ein bedeutsames Stück deutscher Geschichte vermittelt werden kann. Mit dem Bundesaußenminister und dem Bundesaußenministerium hat das Dornier Museum dafür einen starken Partner an seiner Seite", sagte Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand kurz nach Bekanntwerden der Nachricht zur Schwäbischen Zeitung.

Wochenlange Gespräche

Über Wochen gab es zuvor Gespräche darüber, ob das Flugzeug nach Deutschland kommt und vor allem wohin. Neben Friedrichshafen waren weitere Städte als Standort im Gespräch. Jetzt muss es den endgültigen Ausschlag für die Stadt am Bodensee gegeben haben.

Die Erfahrung des Dornier-Museums, Flugzeuge zu präsentieren sowie das von Museumschef David Dornier entwickelte Ausstellungskonzept hätten, so wird ein Sprecher des Außenministeriums zitiert, für den Standort Friedrichshafen gesprochen. Die Nähe zu Österreich und der Schweiz garantiere zudem, dass sich viele Menschen das Flugzeug anschauen könnten.

Das Flugzeug soll nun am 18. Oktober im Rahmen einer Gedenkveranstaltung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiner der Öffentlichkeit präsentiert werden. Bis dahin soll die Maschine weitgehend restauriert sein.

Heimkehr aus Brasilien

Sie steht derzeit noch als Flugzeugwrack im brasilianischen Fortaleza. Das Wrack hatte die Bundesregierung offenbar schon vor Wochen für rund 20000 Euro gekauft. Die Maschine soll nun mit einem Antonov-Frachtflugzeug nach Deutschland gebracht werden.

Die Rückholung soll durch das Auswärtige Amt, das Bundesministerium für Kultur und Medien (BKM), Lufthansa-Technik, die Dornier-Stiftung und die Bild geplant und finanziert worden sein.

Darüber hinaus gehende Kosten sollen nun durch eine bundesweite Spendenaktion in der Bild-Zeitung aufgebracht werden, sagte Martin Rupps, Initiator der Landshut-Rückholung, am Donnerstag zur Schwäbischen Zeitung.

Zuletzt war es nach SZ-Informationen darum gegangen, 750000 Euro an fehlenden Spenden einzutreiben. Das dürfte bereits gelungen sein. Auf dem Gelände des Dornier-Museums soll die „Landshut“ dann durch Fachleute der Lufthansa restauriert werden.

Die Gesamtkosten der Rückholung werden auf 1,5 bis zwei Millionen Euro geschätzt. Mit einer zugehörigen Ausstellungshalle könnte das Projekt am Ende nach SZ-Informationen vier Millionen Euro kosten.

Die Schirmherrschaft über die Ausstellung soll nun Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) übernehmen. „Die Zusammenhänge der Entführung und der erfolgreichen Befreiungsaktion im Herbst 1977 sollten historisch beleuchtet werden und die Entschlossenheit eines demokratischen Rechtsstaates zeigen, sich nicht erpressen zu lassen“, sagte sie der Bild.

Der Biberacher SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster, der sich auch für das Projekt eingesetzt hat, zeigt sich in einer Mitteilung begeistert von der Auswahl Friedrichhafens als neue Heimat für die „Landshut“. „In Abstimmung mit dem Dornier Museum habe ich die Idee von Anfang an gerne unterstützt und bei Sigmar Gabriel – dem die Rückkehr der ‚Landshut‘ nach Deutschland bereits ein Herzens­anliegen war – schon im April für Friedrichshafen als Standort geworben.

„Die Botschaft der Landshut“

Außenminister Sigmar Gabriel sagte der Zeitung, die Geschichte der Maschine sei spannend und auch wieder hochaktuell, in Zeiten, in denen ein ganz anderer Terrorismus unser friedliches Zusammenleben bedrohe. „Die Botschaft der „Landshut“ ist: Wir lassen uns nicht unterkriegen.“ Sie sei ein „Mutmacher“.

Am 13. Oktober 1977 hatten vier Palästinenser in Absprache mit der deutschen linksterroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) die „Landshut“ mit 91 Menschen an Bord gekapert.

Die Terroristen bekräftigten Forderungen der RAF, die mit der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer Gesinnungsgenossen freipressen wollte. Der über 9000 Kilometer lange Irrflug endete am 17. Oktober in Mogadischu. Am 18. Oktober kurz nach Mitternacht stürmte die Anti-Terroreinheit GSG 9 die Maschine und befreite die Geiseln unversehrt. Bei der Aktion wurden drei Terroristen getötet.

Die Befreiung der Geiseln gilt als Symbol für den Scheitelpunkt des RAF-Terrors in Deutschland. Nie mehr danach war die Terrorgruppe so stark, wie im sogenannten „Deutschen Herbst“ 1977.

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