„Landshut“-Aktivist schreibt offenen Brief an Parlamentarier

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 Will aus der „Landshut“ ein Museum machen: Martin Rupps.
Will aus der „Landshut“ ein Museum machen: Martin Rupps. (Foto: Rupps)
Schwäbische Zeitung

Der Journalist und Historiker Martin Rupps hat sich mit einem offenen Brief an ausgewählte Mitglieder der Regierungsfraktionen des Deutschen Bundestages und die Parlamentarier des Ausschusses für Kultur und Medien gewandt. Seine Forderung: den Koalitionsvertrag auch in Sachen „Landshut“ umsetzen. In dem Papier heißt es laut Rupps in den Zeilen 7324f.: „Wir wollen Mittel bereitstellen unter anderem für die Ausstellung des Flugzeugs Landshut im Gedenken an die Entführung im Jahr 1977.“ Wir veröffentlichen den Brief im Wortlaut:

„In diesen Tagen zieht die Bundesregierung aus Union und SPD Halbzeitbilanz. Zu dieser Bilanz gehört, dass in Sachen Erinnerungsort Lufthansa-Maschine ,Landshut’ nichts passiert ist, im Gegenteil: Mit jedem Tag geht wertvolle Zeit verloren, einen zentralen Gedenkort für die Opfer des linken und rechten Terrorismus in Deutschland zu schaffen. Die schreckliche Tat von Halle hat die Bedeutung eines solchen Orts aktuell ins Bewusstsein gerufen.

Zugleich wird jeden Tag Steuergeld versenkt. Bis jetzt über 350.000 Euro Stellplatz-Miete für die ,Landshut’ plus Personalkosten für wissenschaftliche Mitarbeiter.

Frau Ministerin für Medien und Kultur Prof. Monika Grütters lässt sich am 18. November im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages 364 Millionen Euro für ein Museum für Kunst des 20. Jahrhunderts in Berlin genehmigen. Das Projekt erlebt eine horrende Kostenexplosion (mit offenem Ende). Für die schönen Künste scheint Frau Ministerin keine Summe zu hoch zu sein.

Für das ihr anvertraute Projekt ,Landshut’ dagegen möchte Frau Prof. Monika Grütters nur die Restaurierung in Höhe von fünf Millionen Euro bezahlen, genauso viel wie das Auswärtige Amt, das die Maschine auf meine Initiative hin zurückgeholt hat. Tatsächlich gehört es zu den ureigenen Aufgaben des Ministeriums für Kultur und Medien, Kulturgüter der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu machen. Der Versuch von Frau Ministerin Grütters, die Betriebskosten an einen Privatmann mit Zivilcourage abzudrücken, musste scheitern und warf das Projekt um Jahre zurück.

Der jahrelange Stillstand beim ,Landshut’-Projekt erscheint symptomatisch für den erbärmlichen Umgang der deutschen Politik mit ihren Opfern. Die in der ,Landshut’ entführten Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden mit ihrem Trauma allein gelassen. Die Hinterbliebenen der Opfer des Anschlags auf dem Berliner Breitscheidplatz bekamen die blutverschmierte Kleidung ihrer Angehörigen per Post zurück.

Es bestimmt die Temperatur einer Gesellschaft, wie der Staat und seine Repräsentanten mit Opfern von Terroristen umgehen, und mit welchem Engagement sie die Erinnerung an frühere terroristische Bedrohungen wachhalten.

Deutschland ist nicht reich an Symbolen seiner wehrhaften Demokratie gegen ihre Feinde. Das ,Landshut’-Wrack bedeutet ein Glück für die Erinnerungskultur unseres freiheitlich-demokratischen Staates, der im Deutschen Herbst 1977 seine bisher größte Bewährungsprobe bestanden hat. Und weiter einer terroristischen Bedrohung ausgesetzt bleibt.

Bitte helfen Sie tatkräftig mit, das im Koalitionsvertrag fixierte Vorhaben Erinnerungsort ,Landshut’ unverzüglich auf den Weg zu bringen. Bundeskanzlerin und Vize-Kanzler müssen die Angelegenheit zur Chefsache machen. Zeitnah soll die restaurierte Maschine als Außenstelle des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland oder in vergleichbarer Obhut, geführt als Stiftung des Bundes und beteiligter Länder, seine wichtige pädagogische Wirkung entfalten.

Mit freundlichen Grüßen

Gez. Dr. Martin Rupps“

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